Die New York Times, sprach mit mehreren Marokkanern, die in den vergangenen Tagen nach Ceuta gelangten. Einer von ihnen, Youssef Alaoui, schildert, wie sich seine Gruppe am Donnerstag der Grenze näherte.
Nach seinen Angaben hätten marokkanische Polizisten nicht versucht, sie aufzuhalten – im Gegenteil. Sie hätten ihnen den Weg nach Ceuta gezeigt und immer wieder gesagt: "Geht da lang. Geht da lang."
Ein weiterer Migrant, Mohammed Ahmidho, berichtete ebenfalls, er habe über soziale Medien von dem Massenansturm erfahren. Als er an der Grenze angekommen sei, hätten marokkanische Beamte zu ihm gesagt: "Kommt nach Spanien."
Grenze plötzlich offen?
Auch Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten Hunderte Menschen, die die Grenzanlagen umschwammen oder über den Seeweg nach Ceuta gelangten.
Mehrere Migranten erklärten gegenüber den Journalisten, sie hätten gehört, "die Grenze sei geöffnet worden". Videos zeigten Menschenmassen, die nahezu ungehindert Richtung spanisches Hoheitsgebiet liefen oder schwammen.
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Verdacht auf politische Steuerung wächst
Die Aussagen passen zu den Vermutungen zahlreicher Migrationsexperten. Gerald Knaus erklärte zuletzt, die Ursache des außergewöhnlichen Massenansturms liege nicht in Spanien, sondern in Marokko. Die Ankunft von rund 60.000 Menschen innerhalb eines Tages sei ohne ein verändertes Verhalten der marokkanischen Behörden kaum vorstellbar.
Auch die New York Times berichtet, mehrere Analysten vermuteten politische Motive hinter dem plötzlichen Grenzdurchbruch. Demnach könnte Marokko über Spaniens jüngste Annäherung an Algerien verärgert sein. Erst kurz zuvor hatte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez neue Abkommen zum Ausbau der algerischen Gaslieferungen unterzeichnet.
Erinnerungen an 2021
Bereits 2021 hatte es einen ähnlichen Massenansturm auf Ceuta gegeben. Damals gelangten innerhalb weniger Stunden rund 8.000 Menschen in die spanische Exklave. Beobachter werteten die Ereignisse damals als politischen Druck Marokkos im Streit um die Westsahara.
Auch diesmal wächst der Verdacht, dass Migration erneut als politisches Druckmittel eingesetzt wird. Offizielle Beweise dafür liegen bislang allerdings nicht vor. Sowohl Spanien als auch die Europäische Union beobachten die Entwicklung mit großer Sorge.