WKNÖ-Bauwirtschaftsradar
Positive Signale in der NÖ-Bauwirtschaft
Positiv entwickelte sich zuletzt die Kreditnachfrage: Im März und April wurden 1.792 neue Wohnbaukredite vergeben, der höchste Wert seit Juli 2022. Im Jahresvergleich 2024 auf 2025 ergibt sich bei den Neuvergaben ein Plus von 47,3 Prozent. Allerdings dürfte die von der Europäischen Zentralbank im Juni beschlossene Anhebung der Leitzinsen künftig zu zusätzlichen Belastungen für Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer führen. Der Rückgang bei den Neuerrichtungen im niederösterreichischen Wohnbau setzt sich unterdessen fort.
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker sieht weiterhin Handlungsbedarf: Es gehe darum, der Wirtschaft durch weniger Bürokratie, gezielte Entlastungen und einen stärkeren Fokus auf die Regionalwirtschaft bei öffentlichen Aufträgen zusätzlichen Schwung zu verleihen. In diesem Zusammenhang verwies er auf eine neue Kooperation mit dem Bundesheer.
Wohnbauzahlen bleiben herausfordernd
Die aktuellen Zahlen zeigen deutliche Rückgänge: In neu errichteten Gebäuden wurden in Niederösterreich im Vorjahr um 70 Prozent weniger Wohnungen bewilligt als 2021, in bestehenden Gebäuden um 29 Prozent. In Summe entspricht dies einem Minus von rund 10.300 Wohnungen gegenüber 2021.
Beschäftigung trotz Produktionsrückgang weitgehend stabil
Auch bei Produktion und Beschäftigung zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Produktion im Hochbau ist im Vergleich zu 2021 um 32 Prozent zurückgegangen, während der Beschäftigungsrückgang mit 13,9 Prozent deutlich geringer ausfiel. Präsident Ecker wertet dies als Beleg dafür, dass die Unternehmen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um ihre Beschäftigten zu halten. Er widersprach damit ausdrücklich der wiederholt geäußerten Kritik, wonach Betriebe Beschäftigte bewusst beim AMS "parken" würden.
Zugleich betonte Ecker, dass diese Entwicklung angesichts sinkender Produktivität nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten sei. Die Unternehmen stießen zunehmend an ihre Grenzen. Notwendig seien daher weitere Entlastungsschritte: Neben der bereits erfolgten Senkung der Lohnnebenkosten brauche es plan- und leistbare Energiepreise sowie einen spürbaren Bürokratieabbau – Maßnahmen, die aus seiner Sicht den Staat nicht zusätzlich belasten würden.
Baupreise wieder im Steigen – Niederösterreich unter dem Bundesschnitt
Die zuletzt gestiegenen Energiepreise schlagen sich zunehmend auch in den Baupreisen nieder. Die Materialkosten legten im Vergleich zum April 2025 um 6,3 Prozent zu. Österreichweit stiegen die Baupreise im ersten Quartal um 2,2 Prozent, in Niederösterreich fiel der Anstieg mit 1,3 Prozent bislang moderater aus.