Neuer Terror

Putin greift Kiew mit Hyperschallraketen an

© AFP
Bei einem neuen russischen Großangriff auf die Ukraine sind laut den Behörden mindestens zehn Menschen getötet worden

Über 100 Menschen seien verletzt worden. Vor allem die Hauptstadt Kiew sowie die Großstädte Dnipro im Südosten und Charkiw im Nordosten des Landes wurden demnach am frühen Dienstag von Russland mit Drohnen und Raketen beschossen. In Kiew starben Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge mindestens vier Menschen, 58 Menschen wurden verletzt, auch Kinder.

Russland hatte Kiew erst vor rund zehn Tagen massiv angegriffen. In Dnipro seien sechs Menschen getötet und 36 verletzt worden, teilte Regionalgouverneur Oleksandr Handscha auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. In Charkiw wurden laut den örtlichen Behörden zehn Menschen verletzt, darunter ein Kind.

© AFP

In der Früh waren weitere Explosionen in Kiew zu hören. In der Hauptstadt brachte ein mutmaßlicher Raketeneinschlag ein 24-stöckiges Wohngebäude teilweise zum Einsturz. Bürgermeister Klitschko sagte, es seien vermutlich Menschen unter den Trümmern verschüttet worden. Zudem seien ein neunstöckiges Wohnhaus sowie Autos im Stadtteil Obolon durch herabstürzende Trümmer in Brand geraten. Tausende Einwohner suchten in den U-Bahn-Stationen der Hauptstadt Schutz. Von Dnipro veröffentlichte Regionalgouverneur Handscha Bilder von zerstörten Wohnhäusern, ausgebrannten Fahrzeugen und einem beschädigten Kinderspielplatz.

© AFP

Tage der Angst

Die Ukraine hat seit Tagen vor neuen schweren Luftangriffen gewarnt. Erst am Montagabend hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft die Warnung bekräftigt. Russland habe einen massiven Luftschlag vorbereitet. Die ukrainische Luftabwehr sei im Rahmen der derzeit verfügbaren Mittel bestmöglich einsatzbereit. Die russische Regierung hatte in der vergangenen Woche "systematische Angriffe" auf militärische Ziele und Entscheidungszentren in Kiew angekündigt und Ausländer zum Verlassen der ukrainischen Hauptstadt aufgefordert. Die Führung in Moskau begründete dies mit einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in der russisch besetzten Region Luhansk vor knapp zwei Wochen, bei dem 21 Menschen getötet worden seien. Die Ukraine hatte die russischen Angaben zurückgewiesen und den Angriff bestritten.

© AFP

Insgesamt soll Russland nach Angaben der Ukraine bei seinem jüngsten Großangriff 73 Raketen und 656 Drohnen eingesetzt haben. Davon seien 40 Raketen und 602 Drohnen abgefangen worden, teilte die ukrainische Luftwaffe auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Hauptziel der Angriffe war demnach die Hauptstadt Kiew. Insgesamt seien landesweit 38 Objekte getroffen worden. Bei dem nächtlichen Angriff habe Russland auch acht Zirkon-Hyperschallraketen eingesetzt. Dies sei die vermutlich größte Zahl dieser Raketen, die seit Kriegsbeginn bei einem einzelnen Angriff auf die Ukraine abgefeuert worden seien, erklärt ein Luftwaffensprecher.

© AFP

Auch die Ukraine griff wieder an

Zugleich meldeten russische Behörden am Dienstag ukrainische Angriffe auf eigenem Gebiet. In der südrussischen Region Krasnodar geriet demnach die Ölraffinerie Ilsky nach einem Drohnenangriff in Brand. In der an die Ukraine grenzenden Region Belgorod sei ein elfjähriger Bub verletzt worden, nachdem eine ukrainische Drohne ein Wohnhaus getroffen habe, teilten die Behörden auf Telegram mit. Zudem habe die Luftabwehr Drohnen über dem russischen Flottenstützpunkt Sewastopol auf der annektierten Halbinsel Krim abgewehrt.

Insgesamt habe Russland in der vergangenen Nacht 148 ukrainische Drohnen abgeschossen, meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Berichte aus den verschiedenen Regionen zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Während Russland bei seinen Angriffen vor allem die ukrainische Energieversorgung ins Visier nimmt, greift die Ukraine seit Monaten verstärkt russische Ölanlagen an, um wichtige Einnahmequellen der russischen Führung zur Finanzierung ihres seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskriegs zu schwächen. Beide Seiten weisen den Vorwurf zurück, gezielt Zivilisten zu attackieren.