Mutmaßliche Agenten

Putins Spione: Bundesheer sucht nach 21 Russen

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Im österreichischen Bundesheer herrscht erhöhte Aufmerksamkeit: Das Verteidigungsministerium sucht nach Hinweisen zu 21 russischen Diplomaten und Mitarbeitern internationaler Organisationen, die im Verdacht stehen, Verbindungen zu russischen Geheimdiensten zu haben.
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Soldaten wurden per Mail aufgefordert, sich beim Abwehramt zu melden, falls sie mit einer der Personen Kontakt hatten. "Sollte Ihnen eine oder mehrere dieser Personen bekannt sein oder mit Ihnen Kontakt aufgenommen haben, werden Sie ersucht, dies über die Meldestelle Spionage als Beitrag zur Spionageabwehr dem Abwehramt mitzuteilen", heißt es im Mail, das oe24 vorliegt.

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Die Namen und Fotos stammen aus der Datenbank Rupep des unabhängigen russischen Oppositionsmediums "Agentstvo". Die dort zusammengetragenen Hinweise beruhen unter anderem auf Adressen, früheren Tätigkeiten, Einkünften und familiären Verbindungen. Österreichische Nachrichtendienste stufen die Informationen laut den vorliegenden Berichten als glaubwürdig ein. Ein Beweis dafür, dass es sich bei den Betroffenen tatsächlich um Agenten handelt, ist damit allerdings nicht erbracht.

21 mutmaßliche Agenten

Unter den 21 Personen befinden sich Mitarbeiter der russischen Botschaft, der OSZE, der Internationalen Atomenergiebehörde und der UNO in Wien. Bei mehreren werden mögliche Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU, zum Auslandsgeheimdienst SWR oder zum Inlandsgeheimdienst FSB vermutet.

Besonders brisant ist der mögliche Kontakt zum Bundesheer. Befürchtet wird, dass russische Nachrichtendienstler gezielt Kontakte zu Soldaten oder Mitarbeitern gesucht haben könnten, um an sensible Informationen zu gelangen.

Wien gilt seit Jahren als wichtiger Standort russischer Geheimdienstaktivitäten. Die neue Recherche wirft daher erneut die Frage auf, wie groß das russische Spionagenetz in Österreich tatsächlich ist.

Die 21 Personen im Visier

Russische Botschaft in Wien

  • Jewgeni Ambrosij (Berater): Ihm werden Verbindungen zum russischen Auslandsgeheimdienst SWR zugeschrieben. Als Hinweis gilt seine Wohnadresse in einem Moskauer Gebäude, in dem laut den Recherchen zahlreiche SWR-Mitarbeiter gemeldet sein sollen.
  • Alexander Solobow (Attaché): Soll Verbindungen zum SWR haben. Er soll Einkünfte von der SWR-Akademie erhalten haben.
  • Alexander Palojan (Attaché): Ihm wird eine Verbindung zum SWR nachgesagt. Laut Recherche erhielt er Gehalt von der SWR-Einheit 33949.
  • Dmitri Fedorow (Attaché): Er soll ebenfalls Kontakte zum SWR haben. Seine Ehefrau arbeitete demnach in einem Kindergarten unter SWR-Verwaltung. Zudem soll Fedorow an einer Adresse mit Verbindungen zum Militärgeheimdienst GRU gemeldet gewesen sein.
  • Alexander Golowaschkin (Erster Sekretär): Bei ihm werden Verbindungen zum GRU vermutet. Sein Vater soll für den Geheimdienst gearbeitet haben. Zudem soll Golowaschkin an einer GRU-Wohnadresse gemeldet und Mitglied einer dem GRU nahestehenden Militäreinheit gewesen sein.
  • Alexei Fokin (Militärattaché): Ihm werden GRU-Verbindungen zugeschrieben. Er soll eine bekannte GRU-Adresse genutzt haben und bei der Spezialeinheit "Senesch" registriert gewesen sein.
  • Stanislaw Alexandridi (Attaché): Auch bei ihm gibt es Hinweise auf eine mögliche GRU-Verbindung. Laut Recherche nutzte er die Adresse des GRU-Hauptquartiers in Moskau.
  • Dmitri Kramarew (Attaché): Er soll Verbindungen zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB haben. Demnach war er früher beim FSB-Forschungszentrum "Atlas" tätig.

Russische Vertreter bei der OSZE

  • Anton Momatiuk (Berater): Mögliche GRU-Verbindungen werden mit seiner Wohnadresse in einer bekannten GRU-Wohnanlage und der Nutzung einer Militärakademie-Adresse begründet.
  • Vitali Koslow (Berater): Er soll die Adresse der GRU-Universität genutzt haben.
  • Sergei Kildjaschow (Erster Sekretär): Hinweise auf eine mögliche GRU-Verbindung ergeben sich laut Recherche aus Registrierungen bei Einrichtungen des russischen Verteidigungsministeriums und bekannten GRU-Adressen.
  • Alexei Silantjew (Zweiter Sekretär): Auch er soll dieselben Adressen wie Kildjaschow genutzt haben, darunter jene der GRU-Universität.
  • Wladimir Krawtschenko (Erster Sekretär): Bei ihm werden Verbindungen zum russischen Militär- und Sicherheitsapparat vermutet. Er soll früher am 4. Forschungszentrum des Verteidigungsministeriums gearbeitet haben.
  • Sergei Ryschkow (Delegierter für Rüstungskontrolle): Hinweise ergeben sich laut Recherche aus seinem Dienst in der Einheit 22280 sowie der Nutzung von Adressen des Generalstabs und des Verteidigungsministeriums.
  • Ruslan Schischin (Delegierter): Auch bei ihm sollen Registrierungen an Adressen des Generalstabs, des Verteidigungsministeriums und einer Militärakademie auf mögliche Verbindungen zum Sicherheitsapparat hindeuten.

Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)

  • Igor Cholodnikow (Berater): Ihm werden mögliche GRU-Verbindungen zugeschrieben. Seine Ehefrau soll als Wohnadresse jene des GRU-Hauptquartiers angegeben haben.
  • Sergei Berezyn (Erster Sekretär): Bei ihm wird eine GRU-Verbindung vermutet, da er auf dem Gelände einer Spezialkommunikationseinheit des Geheimdienstes registriert gewesen sein soll.
  • Grigorij Kriwenko (Zweiter Sekretär): Auch bei ihm gibt es entsprechende Hinweise. Seine Ehefrau soll die Adresse der GRU-Universität genutzt haben. Zudem sollen Einkünfte von einer Militäreinheit mit Nuklearbezug festgestellt worden sein.

Vereinte Nationen

  • Artjom Ratzko (UNO-Berater): Ihm werden mögliche GRU-Verbindungen nachgesagt. Er soll an einer Adresse mit weiteren GRU-Mitarbeitern gewohnt, die Adresse des Generalstabs genutzt und zuvor bei einer Einheit des russischen FSO gearbeitet haben.
  • Alexander Zajarnyj (UNIDO-Berater): Als Hinweis auf eine mögliche GRU-Verbindung gilt die Nutzung der Adresse der GRU-Universität.

Wer Hinweise zu den gesuchten Russen hat, soll sich an den DSN wenden.