Mord in Seniorenheim
Blumen-Kavalier: "Habe sie nicht umgebracht"
Wien. Wegen Mordes ist am Donnerstag am Landesgericht gegen einen schwer vorbestraften Mann verhandelt worden, der am 19. Jänner 2026 die 87-jährige Friederika S. in einer Seniorenresidenz in Wien-Döbling vorsätzlich getötet haben soll. Der 61-jährige Yilmaz C. bestritt, der gehbehinderten Pensionistin, die auf einen Rollator angewiesen war, etwas angetan zu haben: "Ich habe die Dame nicht umgebracht."
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Getötete laut Staatsanwältin "Zufallsopfer"
Die Staatsanwältin legte ihm zur Last, die bei anderen Heimbewohnerinnen und -bewohnern beliebte 87-Jährige ("Sie war immer freundlich, sehr gepflegt, immer Schmuck tragend") in ihrem Zimmer aufgesucht, aufs Bett gestoßen, gewürgt und vermutlich mit einem Kopfpolster erstickt zu haben. Das Motiv: Spielschulden. Der Türke habe die Seniorenresidenz seit 2016 gekannt, weil er damals einer mittlerweile verstorbenen Bewohnerin 180.000 Euro herausgelockt hatte, erläuterte die Anklägerin. Von da her wusste er, dass sich mit den Zimmerschlüsseln der Bewohnerinnen und Bewohner auch die Tresore in den jeweiligen Zimmern öffnen ließen.
"Sie war ein Zufallsopfer", sagte die Staatsanwältin. Der Angeklagte sei mit einem Kunst-Blumenstrauß in die Senioren-Residenz gegangen und habe sich zunächst in der Cafeteria aufgehalten, vermutlich um ein potenzielles Opfer zu finden. Die 87-Jährige hatte dort am Nachmittag zwei Besucher empfangen, nach 17.00 Uhr zog sie sich auf ihr Zimmer zurück. Der Angeklagte dürfte ihr gefolgt sein.
"Er ist mit Gewalt auf sie losgegangen. Sie hat vergeblich versucht sich zu wehren, was ihr aufgrund ihres hohen Alters nicht möglich war", legte die Staatsanwältin unter Verweis auf ausgerissene Haarbüschel und abgebrochene Fingernägel der betagten Frau dar. Im Anschluss habe der 61-Jährige den Tresor geöffnet und darin befindlichen Schmuck und zumindest 500 Euro Bargeld entnommen.
Der Angeklagte behauptete demgegenüber, er habe der 87-Jährigen "nur helfen" wollen. Er habe in der Seniorenresidenz eine Bekannte besuchen wollen und sei am Zimmer der 87-Jährigen vorbeigekommen: "Die Tür war offen. Das Wagerl (der Rollator, Anm.) ist umgestürzt. Sie ist am Boden gelegen." Er habe die Frau gepackt und aufgehoben: "In dem Moment habe ich das Geld gesehen am Nachtkastl." Er habe die 320 Euro an sich genommen. Da habe die Frau drei Ringe verschluckt und ihm zu verstehen gegeben, dass er diese sicher nicht bekommen werde: "Ich hab' gesagt 'Was machst du, Oma?' Sie hat stark zu husten begonnen." Sie habe sich auch noch ihre Armbanduhr vom Handgelenk gezogen und die Uhr in den Mund gesteckt.
Angeklagter: "Hab' ihr geholfen, sonst nix"
"Ich hab' ihr geholfen, sonst nix", gab der Angeklagte zu Protokoll. Er habe mit dem Ableben der Frau nichts zu tun. Sie habe sich selbst in einen offenbar lebensbedrohlichen Zustand versetzt. Er habe "in Panik" das Zimmer verlassen, meinte der 61-Jährige.
Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes drohen dem Angeklagten zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft. Der 61-Jährige ist massiv vorbestraft. Er verbrachte wegen Vermögensdelikten insgesamt 17 Jahre im Gefängnis. Zuletzt wurde er am 12. Juli 2024 aus einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe entlassen, die er wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verbüßt hatte. Er hatte eine ältere Frau angeschwindelt, ihr laut Staatsanwältin "Gefühle vorgemacht" und ihr einen beträchtlichen Geldbetrag herausgelockt.
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