Kaum ein Alpinist hat die Grenzen des menschlich Machbaren so radikal ausgelotet wie Reinhold Messner (82). Am berüchtigten Nanga Parbat verlor er bei einer dramatischen Tragödie seinen Bruder Günther und überlebte selbst nur schwer gezeichnet, später bezwang er den 8.848 Meter hohen Mount Everest als erster Mensch ohne Flaschensauerstoff. Im Interview mit "Bild" zog die Alpinlegende ein schonungsloses Resümee über sein bisheriges Überleben: "Für das, was ich gemacht habe, müsste ich eigentlich schon mindestens fünfmal tot sein."
Heute hat sich der Fokus des Südtirolers verschoben. Was ihn heute antreibt und jung hält, beantwortet Messner mit einem liebevollen Blick auf seine Ehefrau: "Meine Madame." Gemeinsam stellten die beiden in München bei der Schau "Polarwelten" im "Pineapple Park" ihr neues Buch "Lebenszeit" vor. Der Titel spiegelt ihre gemeinsame Lebensphilosophie wider, wie Messner gegenüber "Bild" betont: "Wir wollen die Lebenszeit ausfüllen, die mir noch bleibt."
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Auch vor dem unausweichlichen Ende verschließt das Paar die Augen nicht. Zu früheren Gerüchten über seinen Gesundheitszustand stellte Diane Messner im Gespräch klar: "Er ist nicht krank. Aber man weiß nicht, was kommt, man weiß nicht, was passiert." Aus diesem Grund wolle das Paar keine gemeinsamen Pläne auf die lange Bank schieben. Solange Reinhold mobil und rüstig sei, wolle man so viel wie möglich unternehmen, denn es könne bekanntlich sehr schnell gehen. Ihr gemeinsames Motto lautet daher: Wer rastet, der rostet – und gerastet werde bei ihnen keinesfalls.
Die nächsten Unternehmungen sind bereits fest terminiert. Rund um die Weihnachtsfeiertage bricht das Paar zu einer anspruchsvollen Reise nach Nepal sowie zum Nanda Devi in Indien auf. Für Messner gilt dieser Gipfel als einer der faszinierendsten Berge der Erde, auf dem selbst er in seiner aktiven Zeit noch nie stand.
Familiärer Bruch und tiefe Dankbarkeit für die Gegenwart
Neben den sportlichen Triumphen sparten die beiden auch schmerzhafte Kapitel nicht aus. Die vorzeitige Aufteilung seines beträchtlichen Vermögens führte zu einem bitteren Zerwürfnis mit seinen Kindern. Messners Klage, er fühle sich entsorgt, hatte damals für Schlagzeilen gesorgt, wenngleich Sohn Simon öffentlich klarstellte, wie sehr er seinen Vater vermisse.
Halt findet der Extrembergsteiger heute vor allem bei Diane, die er vor einigen Jahren kennenlernte und wenig später heiratete. Sie halte ihm im Alltag den Rücken frei und helfe ihm dabei, mit den Anforderungen der digitalen Welt Schritt zu halten. In einer Sache brauche das Paar jedoch keinerlei Technik: Wahre Liebe lasse sich nicht durch künstliche Intelligenz ersetzen.