Eigentlich sah der Tourneeplan der Hardrock-Pioniere Uriah Heep eine direkte Reiseroute vor: Nach einem Konzert am Montag in Luxemburg stand am Mittwoch bereits der nächste Auftritt in Budapest auf dem Programm. Dennoch änderten die Musiker kurzfristig ihre Pläne, um dem Niederösterreichischen Traditionswirtshaus Marchfelderhof einen Besuch abzustatten. Martina Pokorny, Co-Chefin von Planet Music, überbrachte dem sichtlich überraschten Hausherrn Peter Großmann die Nachricht vom bevorstehenden prominenten Besuch. Großmann reagierte mit typischem Wiener Schmäh auf die Ehre und merkte launig an, dass die Messlatte für die Gastfreundschaft nun entsprechend hoch liege.
Gegen Abend fuhr die Band schließlich in einer Limousine vor. Angeführt wurde das Ensemble von Gitarrist Mick Box, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied der Formation. In seiner Begleitung befanden sich seine langjährigen Weggefährten, Sänger Bernie Shaw und Keyboarder Phil Lanzon, sowie die weiteren Tournee-Mitglieder. Mit mehr als 40 Millionen verkauften Tonträgern und weltweiten Hits wie "Lady in Black", "Easy Livin’", "July Morning" und "Sunrise" zählen Uriah Heep neben Größen wie Led Zeppelin, AC/DC oder Pink Floyd zu den einflussreichsten Vertretern des klassischen Rock.
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Kulinarisches Hitfeuerwerk statt lauter Gitarrenklänge
Auf dem roten Teppich zeigte sich Mick Box gerührt von der herzlichen Aufnahme und erläuterte den Grund für den spontanen Abstecher. Im Rahmen ihrer Abschiedstournee "The Magician’s Farewell Tour" sei es der Band ein Anliegen, noch einmal jene besonderen Stätten aufzusuchen, mit denen sie die prägendsten Erinnerungen verbindet. Box hatte bereits vor zwei Jahren einen runden Geburtstag im Marchfelderhof gefeiert, weshalb das Traditionsgut einen festen Platz im Herzen der Musiker einnimmt. Küchenchef Jozef "Pepo" Krajco bot dem hochkarätigen Besuch ein erstklassiges Gansl-Menü: Aufgetischt wurden feine Gänseleberpralinen an Weichsel-Chutney, eine samtige Kürbisschaumsuppe, zarter Wildschweinbraten, knuspriger Gänsebraten und als süßer Abschluss eine Schoko-Himbeer-Nusstarte mit erfrischendem Limetteneis.
Disziplin und Vorfreude auf die nächsten Bühnen
Wer bei den Altmeistern ausschweifende Exzesse im Sinne des klassischen Rock-'n'-Roll-Klischees vermutet hatte, sah sich rasch eines Besserem belehrt. Die Musiker zeigten sich bemerkenswert diszipliniert, genossen alkoholfreie Cocktails, stießen mit einem Glas Wein an und verbrachten den Abend in entspannter Gesprächsrunde. Mit Blick auf die anstehenden Auftritte in Budapest und Prag legte die Formation spürbaren Wert auf ihre körperliche Fitness und bewies, dass die Leidenschaft für die Musik auch nach Jahrzehnten im Scheinwerferlicht unverändert fortbesteht.
Hausherr Peter Großmann zeigte sich beim Abschied skeptisch, ob es sich tatsächlich um das letzte Gastspiel der Rocker handelte. Schmunzelnd erinnerte er daran, wie oft schon die Rolling Stones ihren Abschied verkündet hätten. Ob die Abschiedstournee das finale Kapitel markiert, bleibt offen – die Liebe der Musiker zu gutem Essen und rot-weiß-roter Gemütlichkeit bleibt jedenfalls unvergänglich.