Champions League statt klassischem Ski-Weltcup? FIS-Präsident Alexander Ospelt (58) lässt mit einer ungewöhnlichen Reformidee aufhorchen. Der Liechtensteiner will die Strukturen im alpinen Skisport aufbrechen und denkt dabei an ein völlig neues Wettkampfsystem. Statt der bisherigen Einteilung in Weltcup und Europacup könnten künftig unterschiedliche Rennserien entstehen. Als Vorbild dient ausgerechnet der Tennissport.
Im Schweizer SRF-Podcast "Am Pistenrand" wurde Ospelt direkt auf eine mögliche Champions League im Skisport angesprochen. Seine Antwort: "Das ist tatsächlich ein Thema."
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Ski-Champions-League nach Tennis-Vorbild
Eine Champions League wie im Fußball, mit Gruppenphase und K.-o.-Duellen, soll es allerdings nicht werden. "Wobei Tennis das bessere Beispiel ist", erklärte der FIS-Präsident.
Was er damit meint: Im Tennis gibt es unterschiedliche Turnierkategorien. An der Spitze stehen die Grand-Slam-Turniere, darunter folgen etwa die Masters-1000-Bewerbe und weitere Turniere. Je nach Weltranglistenposition sind Spieler direkt im Hauptbewerb vertreten oder müssen sich zunächst qualifizieren.
Ein ähnliches Prinzip könnte künftig auch im alpinen Skisport gelten. Ospelt spricht von "beispielsweise drei Serien", ohne deren genaue Struktur festzulegen.
Denkbar wäre eine hochklassige Rennserie mit den weltbesten Athleten und weiteren Bewerben, in denen sich Nachwuchsfahrer für höhere Kategorien empfehlen können. Ob diese Serien tatsächlich nach Leistungsklassen geordnet wären oder unterschiedliche Rennformate umfassen würden, ist allerdings noch nicht entschieden.
Auch die Frage, welche Rennen künftig zu welcher Kategorie gehören könnten, ist völlig offen. Klassiker wie Kitzbühel, Wengen oder Schladming könnten in einem solchen System eine besondere Rolle spielen. Eine entsprechende Zuordnung hat Ospelt bislang aber nicht angekündigt.
Warum der FIS-Boss den Weltcup umbauen will
Hinter den Überlegungen steckt ein Problem, das besonders junge Skifahrer betrifft. Wer sich über den Europacup für den Weltcup qualifiziert, muss sich dort häufig mit hohen Startnummern behaupten. Während die Stars unter vergleichsweise guten Bedingungen starten, finden die Nachzügler oft bereits eine deutlich schlechtere Piste vor.
Im Slalom oder Riesentorlauf kann das entscheidend sein. Wer bei seinem ersten Weltcup-Einsatz mit einer hohen Nummer ins Rennen geht, muss zunächst überhaupt den Sprung unter die besten 30 schaffen, um im zweiten Durchgang dabei zu sein.
"Wir brauchen kürzere und durchlässigere Formate", fordert Ospelt.
Genau hier soll die Reform ansetzen. Junge Fahrer sollen nicht jahrelang an der Schwelle zum Weltcup hängen bleiben, sondern bessere Möglichkeiten bekommen, sich auf höherem Niveau zu beweisen.
Ein System mit unterschiedlichen Rennkategorien könnte zusätzliche Gelegenheiten schaffen, sich für höherklassige Bewerbe zu qualifizieren. Wie der sportliche Aufstieg funktionieren würde und ob dafür Punkte, Platzierungen oder eigene Qualifikationsrennen ausschlaggebend wären, hat Ospelt noch nicht erklärt.
Statt 75 nur noch 45 Fahrer?
Auch die Größe der Starterfelder stellt der FIS-Präsident infrage. Besonders bei Abfahrten sieht er Handlungsbedarf.
Ospelt hält es für beinahe unverantwortlich, einen Athleten mit Startnummer 75 auf eine Strecke zu schicken, deren Zustand sich mit jedem weiteren Läufer verschlechchtert. Als mögliches Beispiel nennt er deshalb ein Teilnehmerfeld mit nur 45 Fahrern.
Das wäre ein deutlicher Einschnitt. Einerseits könnten kleinere Starterfelder für kompaktere Bewerbe und bessere Bedingungen sorgen. Andererseits müssten sich weniger Startplätze mit dem Ziel vereinbaren lassen, jungen Athleten und kleineren Skinationen zusätzliche Chancen zu bieten.
Genau diesen Spagat müsste ein neues System schaffen. Die angedachten mehreren Rennserien könnten dabei helfen, allerdings fehlen noch die konkreten Regeln.
Was würde sich für die ÖSV-Stars ändern?
Auch für Österreich wäre eine solche Neuordnung von großer Bedeutung. Der ÖSV gehört zu den größten Skiverbänden der Welt und stellt regelmäßig zahlreiche Athleten in unterschiedlichen Disziplinen.
Für etablierte Weltcupfahrer wie Marco Schwarz oder Manuel Feller könnte sich vor allem die Frage stellen, welche Rennen künftig zur höchsten Kategorie gehören und wie sich die Wettkämpfe auf die Gesamtwertung auswirken.
Für junge ÖSV-Talente wäre dagegen entscheidend, wie der Weg vom Europacup in die oberste Rennserie gestaltet wird. Zusätzliche Qualifikationsmöglichkeiten könnten den Aufstieg erleichtern. Strengere Teilnehmerlimits könnten gleichzeitig neue Hürden schaffen.
Ob die bisherigen Weltcup-Kugeln, das Punktesystem oder die Startplatzvergabe verändert werden sollen, ist bislang nicht bekannt. Auch eine Abschaffung des klassischen Weltcups hat Ospelt nicht angekündigt.
FIS will 2027 konkreter werden
Noch ist die Ski-Champions-League nicht mehr als ein diskutiertes Reformmodell. Die FIS arbeitet mit einem externen Partner an möglichen Konzepten. Welche Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden könnten, soll sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
"2027 kann ich mehr sagen", kündigte Ospelt im SRF-Podcast an.
Für die laufende Saison und den kommenden Winter müssen sich die Ski-Stars jedenfalls noch nicht auf ein neues System einstellen. "Der Kalender 2027/28 wird nicht anders sein", stellte der FIS-Präsident klar.
Ospelt hofft allerdings, dass im kommenden Jahr bereits Entscheidungen getroffen werden können, die den Weltcup in den darauffolgenden Saisonen verändern.