Terror von Berlin

So lief die Jagd nach dem CSD-Terroristen Abdul B.

© APA/AFP/JOHN MACDOUGALL
Nach stundenlanger Flucht wurde der Täter von Spezialkräften gestellt. Beim Zugriff soll Abdul B. die Einsatzkräfte mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Die Polizisten eröffneten daraufhin das Feuer.
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Hunderttausende feierten ausgelassen, doch plötzlich verstummte die Musik, die Menschen wurden aufgefordert sofort zu gehen, denn wenige Straßen weit entfernt, tötete ein Islamist eine Frau und verletzte viele weitere Menschen.

Am Samstag um 22.00 Uhr raste ein islamistischer Terrorist mit einem weißen Transporter in eine Menschenmenge beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin.

Der Fahrer bog offenbar von der Lennéstraße ab und raste über einen Sandweg mit hoher Geschwindigkeit durch die Parkanlage des Tiergartens. Dabei riss er das Steuer immer wieder nach links und rechts, um offenbar gezielt Jagd auf die Besucher zu machen. Eine Frau verlor ihr Leben, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt.

Nach seiner Terrorfahrt ging der Angreifer mutmaßlich mit einer Machete auf Passanten los. Ein Großaufgebot von Rettungskräften wurde alarmiert und versorgte die Verletzten. Notfallseelsorger betreuten traumatisierte Opfer und die Fahndung nach dem Täter lief auf Hochtouren.

Täter der Polizei bekannt

Bereits in der Nacht identifizierten die Ermittler den Verdächtigen und veröffentlichten am Sonntag um 4.30 Uhr ein Fahndungsfoto. Es handelte sich um den 21-jährigen IS-Anhänger Abdul B. Brisant: Der junge Mann war erst im Mai zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden, weil er sich der IS-Terrormiliz in Syrien anschließen wollte. Er bekam die Weisung, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen.

Rechts oben: Das Fahndungsfoto von Abdul B. (21) © Polizei Berlin/Fotomontage

Während bundesweit und an den Grenzen nach ihm gesucht wurde, stufte Innenminister Alexander Dobrindt die Tat um 14.18 Uhr offiziell als "islamistischen Terroranschlag" ein. Die Ermittlungen wurden wenig später von der Bundesanwaltschaft übernommen. Währenddessen versammelten sich in der Hauptstadt hunderte Menschen, um der Opfer zu gedenken.

Spur führt nach Spandau

Gegen 17.45 Uhr trafen Spitzenpolitiker wie der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungsministerin Karin Prien am Tatort ein. Sie hielten weiße Rosen in den Händen.

Zur exakt selben Zeit geriet die Jagd nach dem Attentäter in ihre heiße Phase. Laut "Bild" hatten die Ermittler zuvor drei Personen aus dem Umfeld des Verdächtigen in Gewahrsam genommen und befragt. Diese Vernehmungen brachten den Durchbruch: Die Hinweise führten Spezialeinheiten von SEK und LKA zu einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau.

Ein Polizist in der Kleingartenanlage in Berlin-Spandau, in der sich der Terrorist versteckte. © APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Zugriff in Gartenlaube

Um 18 Uhr umstellten die Beamten Parzelle 46 und stürmten die Gartenlaube, die laut "Bild"-Bericht dem Vater des Terroristen gehören soll. Wie der Vorsitzende des Kleingartenvereins, Carsten Barthel, gegenüber "Bild" berichtete, war das Areal zuvor weiträumig abgesperrt worden, bevor zwei Schusssalven fielen.

Abdul B. hatte die Einsatzkräfte beim Zugriff offenbar mit einer Stichwaffe attackiert, woraufhin die Polizei das Feuer eröffnete. Um 18.34 Uhr erlag der 21-jährige Terrorist seinen schweren Verletzungen. Die Sicherheitsbehörden atmeten auf, die Gefahr eines weiteren Anschlags war endgültig gebannt.