Terror in Berlin

Vater von Amokfahrer: Mein Sohn "wurde Gehirnwäsche unterzogen"

Ermittler gehen abends durch eine Gartenanlage in Berlin, im Hintergrund steht ein Polizeiwagen.
© EPA
Wenige Stunden vor dem Tod von Abdul B. wurde sein Vater befragt.
OE24 auf Google bevorzugen

Der Vater von Abdul B. hat vor dem Tod seines Sohnes mit dem "Spiegel" gesprochen. Laut ihm lebte er mit seiner Mutter und zwei seiner drei Schwestern. Sie wohnten nahe des Landwehrkanals in Berlin-Tiergarten. Abdul B. habe bis zur zehnten Klasse die Schule besucht. Wie der Vater erzählt, hatte sein Sohn nie einen festen Arbeitsplatz, sondern "zum Beispiel als Sicherheitsmitarbeiter oder als Fahrer" gearbeitet. Er verbrachte die Nächte am Handy oder vor dem Fernseher, schlief viel und stand meistens erst am Nachmittag auf.

Über seinen Sohn sagt er: "Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen." Und führt fort: "Wir sind Schiiten. Wir unterstützen den Islamischen Staat (IS) nicht." Vor einiger Zeit hat der Vater seinen Sohn gefragt, was er vom IS halte. Daraufhin antwortete Abdul B., dass die Terrororganisation "schlecht" sei. Wie der Vater angibt, gab es zwischen den beiden Streit wegen der äußerlichen Erscheinung seines Sohnes. Der Vater betont gegenüber "Spiegel": "Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen."

Familie geschockt

Die Schwestern von Abdul B. würden Hidschab tragen. Jedoch seien sie "nicht extrem religiös". Die Schwestern würden seit der Amokfahrt ihres Bruders nur noch weinen. Der Vater sagt: "Seine Mutter dreht durch, auch ich habe nicht geschlafen und nichts gegessen, seit ich die Nachricht gehört habe."

Das letzte Mal telefonierte der 64-Jährige mit seinem Sohn am Samstag: "Er hat mich angerufen und wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag. Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein."

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden