"Zukunftsforum"

So will Thurnher den ORF jetzt retten

© APA/HELMUT FOHRINGER
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher wünscht sich vom Gesetzgeber künftig die Möglichkeit einer "zeitgemäßen Interpretation des Programmauftrags".
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Im Vorfeld des vom Medienministerium ausgerichteten ORF-"Zukunftsforums" am Donnerstag und Freitag legte sie vor Journalisten drei Themenkomplexe auf den Tisch, die in einer künftigen Reform aufgegriffen werden sollten und zeigte sich hoffnungsvoll: "Vielleicht ist das der Startpunkt für eine Zeitenwende!"

Mit Blick auf die "programmliche Zukunftsfähigkeit" will Thurnher "den Menschen für ihre Haushaltsabgabe so viel bieten wie möglich und das auf allen Kanälen, die für sie relevant sind." Dazu zählt eine "zeitgemäße Interpretation des Programmauftrags" zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Medienkompetenz und digitale Bildung. "Wir wünschen uns eine Stärkung und nicht eine Beschneidung unseres Auftrags", so die Generaldirektorin.

"Veränderte Bedürfnisse ernst nehmen"

"Wir wollen veränderte Bedürfnisse ernst nehmen dürfen", unterstreicht Thurnher. "Wir wollen die Vielfalt absichern, unsere Autonomie stärken und die Senderflotte weiterentwickeln dürfen." So würden etwa viele Seherinnen und Seher nicht verstehen, "warum wir Angebote nur zurückhaltend distribuieren dürfen". In Zukunft sei es notwendig, "das Programmportfolio dorthin bringen, wo wir die Leute erreichen".

Was die technologische Zukunftsfähigkeit betrifft, wünscht sie sich die Möglichkeit für den ORF, auf digitalen Plattformen mit "zielgruppenorientierten Inhalten" präsent sein zu dürfen. Schließlich müsse der gesetzliche Versorgungsauftrag auch im Krisenfall erfüllbar bleiben. "Angebote für junges Publikum müssen wir machen dürfen - und zwar dort, wo sie sind", so Thurnher in Hinblick auf eine aus ihrer Sicht dringend notwendige Aktualisierung des Online-Auftrags des Senders.

So sollen etwa auch geltende Forenverbote diskutiert werden: "Wir brauchen die Möglichkeit, mit dem Publikum in Kontakt zu treten." Was die Finanzierung betrifft, will sie künftig "darauf zählen können, dass wir eine vorhersehbare Finanzierung haben" und die Rahmenbedingungen so gestaltet sind, "dass unsere Basis nicht um bedeutende Teile gekürzt wird", so Thurnher in Hinblick auf den Sparkurs, der nach der kürzlich erfolgten Streichung von jährlich rund 90 Mio. Euro an Bundesbudgetmitteln eingeleitet wurde. Bereits im Sommer hatte sie dazu eine Verfassungsbeschwerde angekündigt.

Wunsch nach verstärkten Kooperationen

Darüber hinaus spüre man im ORF einen klaren Wunsch nach der Ermöglichung verstärkter Kooperation mit Privatmedien. "Die alleroberste Erkenntnis ist: Ein geschwächter ORF führt nicht zu einem gestärkten Privatmarkt. Diese Rechnung geht nicht auf." Konkret nannte sie etwa gemeinsame KI-Initiativen oder die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur. "Unser Selbstverständnis ist es, ein Infrastrukturpartner des gesamten österreichischen Medienstandorts zu sein."

Weitere Punkte für das "Zukunftsforum" sind u.a. die Absicherung von großen Sportereignissen im Free TV, eine verfassungsmäßige Absicherung des ORF und eine Lockerung der Regeln in Bezug auf "Online only" und "Online first". Zudem könne sie sich vorstellen, "andere österreichische Inhalte" ins ORF-Angebot zu integrieren, etwa Verlinkungen zu Zeitungen.

Zur Zusammenarbeit mit privaten Medien hält Thurnher fest: "Ich würde lieber eine Vorwärtsstrategie gehen als eine Abwärtsstrategie." Auch einen weiteren Vorschlag will Thurnher, die der Arbeitsgruppe "Strukturen, Governance und Repräsentanz des Publikums" zugeteilt wurde, ins "Zukunftsforum" einbringen: "Eine Alleingeschäftsführung ist fordernd", könne sie nach einigen Monaten an der Spitze des ORF unterstreichen. Hier könne sie sich künftig das Vorstandsprinzip vorstellen.