Robert Menasse
SPÖ-Star-Autor geht auf Zeiler los: "Peinliche Selbstbeschädigung"
Die große Frage dieser Tage lautet: Wer in der österreichischen Sozialdemokratie steht hinter Gerhard Zeiler (71) als möglichem SPÖ-Chef?
Bis dato haben sich noch nicht viele aktive Politiker als Unterstützer deklariert!
Neuer SPÖ-Chef?! Gerhard Zeiler im Interview
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Stand heute: Es ist vor allem die "alte" SPÖ, die sich als erstes hinter den Medienmanager, der in den USA eine Bilderbuchkarriere machte, stellt.
Die Alte Garde
Die Alt-Landeshauptleute Franz Voves (Steiermark), Hans Niessl (Burgenland) und Peter Ambrozy (Kärnten) haben sich als Zeiler-Fans der ersten Stunde geoutet und sekundieren einen Babler-Sturz.
Der rote Orbit
Hinzu kommen Immer-Strategen und rote Vordenker jeder Zeit wie Josef Kalina oder Peter Pelinka. Abseits der Alt-Granden ist es (noch) relativ ruhig in der Partei. Das gilt ebenso für die Babler-Unterstützer, auch sie spielen auf Zeit und warten ab. Ein politisches Schattenboxen hat begonnen - Ausgang offen.
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Der Kulturschaffende
Aus dem Umfeld roter Kunst und Kultur gibt es jetzt einen ersten prominenten Ausreißer, der sich klipp und klar positioniert - und zwar gegen Gerhard Zeiler.
Es ist der Autor Robert Menasse, der die Tastatur für ein langes Zeiler-Posting auf Facebook nutze.
2023 wieder in die SPÖ
Menasse steht der SPÖ seit vielen Jahren nah. 2023 ging er sogar wieder in die Partei: "Ich kann dem Siechtum und langsamen Sterben einer Partei, der wir historisch so viel zu verdanken haben, nicht länger zuschauen", so die pathetische Menasse-Erklärung vor drei Jahren.
Pamela Rendi-Wagner war zu wenig
Damalige SPÖ-Chefin war Pamela Rendi-Wagner und die Sozialdemokraten standen noch nicht bei rund 15 Prozent wie unter Andreas Babler, sondern hatten mit 20+X nicht die geringsten Probleme in Umfragen.
Aus der Stille gegen Zeiler
Um Menasses Verhältnis zu seiner Partei, der SPÖ, ist es in den letzten Jahren wieder stiller geworden. Jetzt, nachdem sich Zeiler offen gegen 15-Prozent-Babler stellt, rückt der Autor wieder aus und nimmt sich Zeiler zur Brust.
Er kritisiert vier Dinge:
- Zeilers Kampagne,
- dessen "politischen Surrealismus",
- Zeilers "übersteigerte Eitelkeit"
- und fehlende Teamfähigkeiten.
Dem erfahrenen Medienmanager Zeiler wirft der Schriftsteller vor, Teil "einer Kampagne der Kronenzeitung" zu sein und so zu versuchen, die SPÖ zu übernehmen.
Was Menasse mit "politischen Surrealismus" Zeilers meint, erklärt er so:
“"Das ist noch nie dagewesen in der Welt der Demokratien, die auf einem Parteiensystem beruhen, dass einer auf die surreale Idee kommt, sich auf dem Marktplatz hinzustellen und zu verkünden: Ich will eine Regierungspartei übernehmen."”
Robert Menasse
Direkt gegen die Person Gerhard Zeilers richtet sich Menasses Angriff, wenn er von "übersteigerter Eitelkeit" Zeilers schreibt und ihm vorwirft, "realitätsblind" zu sein.
"Peinliche Selbstbeschädigung"
Zeilers Vorstoß bezeichnet Menasse als "peinliche Selbstbeschädigung". Menasse hat auch noch einen Alternativplan für Zeiler. Medienberater von Andreas Babler wäre ein guter Job für den 71-jährigen gebürtigen Ottakringer, meint der Schriftsteller.
“"Wenn Zeiler wirklich ein denkender und empathischer Sozialdemokrat wäre, der sich jetzt in dieser schwierigen Situation produktiv einbringen will, dann hätte er sich gefragt, wie er mit seiner Expertise der Partei helfen könnte."”
Robert Menasse
Der Autor mit Plan
Menasses Master-Plan für Zeiler: [...] der erfolgreiche Medienmanager hätte ohne großes Aufheben dem Medienminister Babler angeboten, ihn in seiner Medienpolitik beratend zu unterstützen. Aber er hat es vorgezogen, in dieser für die Republik und die Öffentlichkeit und die Zukunft so wichtigen Frage Babler in den Rücken zu fallen [...]."
Unter der Gürtellinie
Menasses Kritik ist das eine, unter der Gürtellinie vergreift er sich, wenn er die oben aufgezählten Alt-Vorderen der SPÖ (ohne sie beim Namen zu nennen) de facto zu Greisen mit "Rollator" degradiert.
Oder, wenn Menasse den international über Jahrzehnte erfolgreichen Zeiler quasi zum Dümmling erklärt ("Wenn Zeiler wirklich ein denkender und empathischer Sozialdemokrat wäre").
Der Roman, die Zitate und eine Rede
Stichwort "peinliche Selbstbeschädigung": Menasse legte einst in seinem Roman "Die Hauptstadt" (2017) dem ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Walter Hallstein frei erfundene Zitate in den Mund und erfand eine Auschwitz-Rede Hallsteins. Auf die Zitat-Schliche kam Menasse damals der Historiker Heinrich August Winkler, der die Quellen kontrolliert hatte. Ob Menasse das damals peinlich war? Vielleicht ein wenig oder auch irgendwie nicht: Er gestand seinen Fehler ein und entschuldigte sich, bestand aber auf die Freiheit des Schriftstellers und Dichters.