Landeshauptstadt
St. Pölten: 40 Jahre "Herz" von Niederösterreich
"Ein Land ohne Landeshauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft", stellte einst Siegfried Ludwig (ÖVP) fest - seinerzeit niederösterreichischer Landeshauptmann. Am 10. Juli 1986 war es dann soweit: Mit dem Beschluss des Landtags wurde St. Pölten zum "Herzen" Niederösterreichs gewählt, womit das heute 1.729.573 Einwohner zählende Bundesland endlich seine Landeshauptstadt erhielt.
Diese Ernennung war der Startschuss für ein wirtschaftliches Erfolgsmodell, wie die nackten Zahlen eindrucksvoll belegen: Das Bruttoregionalprodukt kletterte in den vergangenen 40 Jahren von 14,8 auf 73,2 Milliarden Euro, was eine Verfünffachung bedeutet. Gleichzeitig stieg auch die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen von 23.800 auf 92.600 Euro an, während das Exportvolumen heute 30,3 Milliarden Euro ausmacht (damals 8,7 Milliarden Euro).
Die Hauptstadt hat das Land Niederösterreich wirtschaftlich deutlich stärker gemacht, und es kam zu einer Entwicklung vom Randraum zu einem internationalen Wirtschaftsstandort. Seit 1986 verdreifachte sich beinahe die Zahl der Betriebsstandorte (130.000) ebenso wie jene der Unternehmensgründungen (über 8.500 pro Jahr).
"Das Herz unserer Heimat"
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums fand am heutigen Freitag ein Festakt in der University of Applied Sciences St. Pölten statt. Im Mittelpunkt standen Festreden von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) und Landtagspräsident Karl Wilfing (ÖVP).
Die Ernennung St. Pöltens zur Landeshauptstadt bezeichnete Mikl-Leitner als "Entscheidung mit Weitblick: für Eigenständigkeit, für eine eigene Landesidentität und für ein starkes Zentrum mitten in Niederösterreich." Aus einer "Stadt im Dornröschenschlaf" sei eine "moderne Landeshauptstadt geworden. Sie ist das Zentrum unseres Bundeslandes. Sie ist das Herz unserer Heimat. Sie ist unsere Landeshauptstadt".
Niederösterreich habe sich seither "von einem reinen Agrarland zum Agrarland Nummer eins, zum Wirtschaftsland, Tourismusland, Kulturland und Forschungsland entwickelt", so die Landeshauptfrau weiter. "Heute ist Niederösterreich eine Premiumregion im Herzen Europas. Ein Land, in dem Fleiß und Leistung etwas bedeuten und auch geschätzt und gefördert werden. St. Pölten ist heute nicht nur die geografische Mitte – sondern auch ein Symbol für das neue Selbstbewusstsein unserer Heimat."
Weitere Stimmen zum Festakt
"Im Jahr 1986 erhielten wir von den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern einen eindeutigen Auftrag: Wir sollen uns klar von der Bundeshauptstadt Wien abgrenzen und unsere Geschicke in einer neuen Landeshauptstadt St. Pölten regeln. Das war und ist ein starkes Bekenntnis zum Föderalismus. Denn der Auftrag bedeutete auch, dass wir in eigener Verantwortung die Entwicklung unseres Landes regeln sollen", betonte Landtagspräsident Wilfing. "Mit dem Beschluss zur Errichtung einer eigenen Landeshauptstadt haben wir Verantwortung übernommen. Verantwortung für die Menschen, Verantwortung für die Regionen, und Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder."
"Insgesamt füllen somit 66.000 Menschen unsere Stadt mit Leben und genießen die Vorteile, denn St. Pölten vereint das Beste aus allen Welten: Es ist bunt und laut, wenn man es will, aber bietet dabei so viel Natur und ist so lebens- und liebenswert", erklärte Bürgermeister Stadler abschließend.
Fun Fact: Anlässlich des eingangs angeführten Sagers von Siegfried Ludwig steht heute in der Landhausküche im Regierungsviertel "Gulasch mit Saft" auf dem Speiseplan.