Wegen Aufschlag
Tennis-Legende Boris Becker fordert Anti-Zverev-Regel
Nach dem Triumph von Alexander Zverev in New York hat Tennis-Legende Boris Becker eine gezielte Regellücke im professionellen Tennissport angeprangert. Im gemeinsamen Podcast mit der früheren Topspielerin Andrea Petković sparte die Ikone trotz aller sportlichen Bewunderung nicht mit Kritik an einem spezifischen Ritual des Weltranglistenspielers: "Einen Kritikpunkt habe ich bei Sascha Zverev, nur einen. Dieses ewige Balltippen beim zweiten Aufschlag, bitte." Becker unterstrich seine Forderung mit Nachdruck: "Man braucht dringend eine Regeländerung, wie lange der Spieler Zeit hat vor dem zweiten Aufschlag."
Auch interessant
Der Kern des Problems liegt im aktuellen Regelwerk der ATP und der Grand-Slam-Turniere begründet. Während den Profis vor dem ersten Aufschlag ein klares Zeitfenster von exakt 25 Sekunden zur Verfügung steht, sobald der Stuhlschiedsrichter den Spielstand ausgerufen hat, existiert für den zweiten Service keine vergleichbare Shot-Clock-Regel. Zverev nutzte diesen Umstand in Flushing Meadows intensiv aus und ließ den Ball vor dem Einwurf teils extrem oft aufspringen. Becker schilderte seine Eindrücke aus der Sprecherkabine: "Ich wurde hektisch beim Kommentieren. Ich dachte, wann fängt er denn an?"
Frust bei den Gegnern: Chatschanow und Shelton fordern Konsequenzen
Das minutenlange Tippen vor dem zweiten Aufschlag brachte nicht nur TV-Kommentatoren ins Schwitzen, sondern strapazierte vor allem die Nerven der gegnerischen Rückschläger. Bereits Zverevs unterlegener Halbfinalkontrahent Karen Chatschanow aus Russland hatte sich während des Matches massiv über das Ausdehnen der Service-Prozedur beklagt. Auch der US-Amerikaner Ben Shelton, der Zverev im Endspiel unterlag, sprach sich im Anschluss an das verlorene Finale offen für eine Neuerung im Reglement aus.
Boris Becker analysierte die Situation aus der Perspektive der gegnerischen Spieler:
- Fehlende Handhabe der Referees: "Es gibt keine Regel, die ihm verbietet, theoretisch 100 Mal aufzutippen. Beim zweiten Aufschlag gibt es keine Regel, mit der man ihn bremsen kann."
- Verständnis für die Frustration: "Aber stell dir mal vor, du musst den Aufschlag retournieren, da wirst du ja wahnsinnig. Natürlich haben sich da Chatschanow und Shelton aufgeregt."
- Zverevs eigenes Erklärungsdefizit: Zverev habe selbst eingeräumt, nicht genau begründen zu können, woher der Zwang rührt – was ihm Becker ausdrücklich abnimmt.
- Extremer Umfang des Rituals: Becker rechnete vor, dass Zverev im Laufe der 14 Turniertage bis zum Finale geschätzte 15.000 Mal den Ball auf den Hartplatz getippt habe.
Becker schwärmt von Zverevs historischer Grand-Slam-Saison
Abseits der hitzigen Diskussion um den Aufschlagrhythmus fand Becker jedoch ausschließlich anerkennende Worte für die Leistungen seines Landsmanns. "Aber sonst hat er alles ziemlich perfekt gemacht", lobte der dreifache Wimbledon-Sieger. Zverev hatte vor gut drei Monaten bei den French Open seinen Premierensieg bei einem Grand-Slam-Turnier gefeiert und diesen Erfolg in New York nun sensationell bestätigt: "Zwei Grand Slams in einem Jahr, das ist echt historisch."
Vor Zverev war Boris Becker der einzige deutsche Tennisprofi bei den Herren gewesen, der die traditionsreichen US Open für sich entscheiden konnte. Becker traut dem frischgebackenen New-York-Champion nun auch den nächsten historischen Schritt zu:
- Jagd auf Platz eins: Zverev besitzt die Chance, als erst zweiter Deutscher nach Becker die Spitzenposition der ATP-Weltrangliste zu erklimmen.
- Saisonfinale im Fokus: "Ich glaube, er hat jetzt eine Riesenchance auf dem Weg nach Turin", blickte Becker auf die ATP Finals voraus, die Mitte November als krönender Abschluss des Tennisjahres auf dem Programm stehen.
Nun ist der Tennisweltverband gefragt, ob er an der Aufschlagsregel etwas ändern wird.