Yacht beschmiert

"Tourists go home": Anrainer-Wut auf Mallorca eskaliert

© Facebook/ Mallorca Zeitung
Die Bevölkerung von Mallorca hat von den überfüllten Stränden, Partytouristen und explodierenden Mieten satt. Viele Einheimische protestieren und lassen ihren Frust freien Lauf. Nun traf es eine deutsche, gestrandete Millionenyacht.
Zur Vollversion des Artikels

Seit Jahresbeginn liegt die "Acoa" (geschätzter Wert: rund 1 Million) gestrandet an der Playa de sa Marjal an der Ostküste von Mallorca. Sie war das Opfer eines schweren Unwetters. Nun wurde das Wrack von Unbekannten zerstört und mit Parolen beschmiert, so das "Mallorca Magazin". Auf dem Deck des Schiffes wurden Parolen wie "Tourists go home" (deutsch: Touristen geht nach Hause) oder "SOS Residents" (SOS Bewohner) gesprüht.

Eine Augenzeugin berichtet: "Nun sind die Scheiben alle eingeschlagen. Die Takelage hängt teilweise runter." Die Takelage ist alles an einem Segelschiff, was die Masten festhält und die Segel bewegt. Darunter fallen die Masten, Stangen, Seile und Taue. Mithilfe der Takelagen können Matrosen die Segel setzen, einholen und das Schiff steuern.

Bergung teuer

Wer für den Vandalismus verantwortlich ist, ist derzeit unbekannt. Zudem ist die Zukunft des Wracks ebenso unklar. Die Bergung kostet geschätzt rund 300.000 Euro. Das Sturmtief "Harry" hat im Jänner 2026 den Skipper überrascht. Der Zweimaster landete in der Brandung und sitzt seitdem dort fest.

Auf Mallorca eskalieren seit 2024 die Proteste gegen den Massentourismus. Sie richten sich vor allem gegen die Überlastung der Insel und ihrer Bevölkerung. Die Bewohner leiden unter der Wohnungsnot, steigenden Mieten und der Umwandlung vieler Wohnungen in Ferienunterkünfte. Zudem stören die Menschen die Staus, der Lärm, die Umweltbelastungen und überfüllten Strände.

"Menys Turisme, Més Vida"

Vor allem die Bewegung "Menys Turisme, Més Vida" (Weniger Tourismus, mehr Leben) organisiert immer wieder Demonstrationen unter dem Motto "Mallorca am Limit". Sie fordern begrenzte Besucherzahlen und strengere Regeln für Ferienwohnungen. Die Gruppe will den Tourismus nicht abschaffen, sondern mehr Lebensqualität.

Am Freitag tauchten auch in den Städten Sóller und Deià im Nordwesten der Insel tourismusfeindliche Parolen auf. Die Graffiti wurden unter anderem an die Wände eines Immobilienbüros, an Müllcontainer und Infotafeln für Urlauber gesprüht.

Auch ohne diesen Vorfall ist die Stimmung in der Gemeinde aufgeheizt. Für den heutigen Samstag ist in Sóller eine neue Demonstration geplant. Viele Ladenbesitzer und Gastronomen fürchten sich wegen Sicherheitsmaßnahmen vor Umsatzeinbußen. Der Samstag ist gewöhnlicherweise der umsatzstärkste Tag der Woche. Ende Juli eskalierte zusätzlich eine Demonstration in Palma. Damals wurden bei schweren Randalen mehrere Menschen verletzt.