Graz-Wahl
Triumph für KahrPÖ in Graz - FPÖ ist nur Vierte, SPÖ stürzt völlig ab
Rekordhitze, Fußball-Fieber und Formel-1-Rennen in Spielberg. Selten hatte eine wichtige Wahl so viele Störgeräusche - und selten koppelt sich eine Stadt so vom allgemeinen Polit-Trend des Landes ab, wie das Graz an diesem Sonntag tat. Und: Trotz Hitze gingen immer noch etwas mehr als 48 %hin - 2021 waren es 54 % gewesen.
"Lenin-Graz": Kommunisten sind schon wieder vorn - und das klar wie nie
Doch die europaweit gespielten Witze vom "Lenin-Graz" oder "Stalin-Graz" wird es weitergeben: Denn Bürgermeisterin Elke Kahr - mit knapp 65 inzwischen im besten Pensionsalter - hat das Unglaubliche geschafft und ist mit der KPÖ nach ihrem Überraschungscoup Nr. 1 geblieben - diesmal hat sie laut Hochrechnung des ORF sogar die 30-Prozent-Marke geknackt. Laut ORF sind es sogar mehr als 36 Prozent. Ein Triumph.
Kahr hat in den letzten fünf Jahren einfach das gemacht, was sie immer tat: eine Betonung auf Sozialpolitik, ihre Gehälter gespendet, groß gekürzt wurde in Graz nichts - und abgesehen von diversen Russenverbindungen in der steirischen KPÖ gab es keine gröberen Skandale. Und auch die Gerüchte einer baldigen Ablöse vermochten ihr wenig anzuhaben. Elke mag man eben.
Ampelparteien verlieren alle drei
Den nächsten schweren Dämpfer setzt es für die Koalitionspartner im Bund, ÖVP und SPÖ. Den weniger großen für die Schwarzen: Die ÖVP und ihr Spitzenkandidat Kurt Hohensinner wollte Nr. 1 werden, von Platz 1 ist aber keine Rede. Gut, das Minus blieb moderat - mit rund 25 Prozent ist man von einer Rückeroberung der Landeshauptstadt allerdings weit entfernt.
Neuer Tiefschlag für Babler
Noch härter trifft es die SPÖ. Die Roten waren schon vor 5 Jahren blamablerweise in eine Einstelligkeit abgerutscht, jetzt ging es nochmals nach unten, laut Hochrechnung auf nur 6,5 Prozent. Damit ist man dem Rauswurf aus dem Gemeinderat gerade noch entgangen. Bablers Linkskurs, der auch die KPÖ eindämmen sollte, ist aber erneut krachend gescheitert.
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Die NEOS kommen auf 4,8 Prozent, um 0,6 Punkte weniger - auch kein Zeichen der Stärke.
Schwache Grüne
Abgerutscht sind auch die Grünen, wenngleich Vizebürgermeisterin Judith Schwentner sagen kann, sie liegt vor der FPÖ. Doch rund 13 Prozent sind für die Grazer Grünen - und das in der Heimat von Parteichefin Leonore Gewessler - einfach zu schwach. Und das bei massiver Unterstützung der Bundespartei. Hier ist eine Hochburg ins Wanken geraten.
Harter Dämpfer für die FPÖ
Für die FPÖ ist es ebenfalls nicht so gelaufen wie erhofft: Von den 16 bis 20 Prozent der Umfragen war an diesem Sonntag wenig zu sehen - 12 Prozent sind es am Ende laut Hochrechnung geworden. Parteichef Herbert Kickl werden die guten Umfragen und dann vergleichsweise schwachen Wahlergebnisse wie zuletzt in Neunkirchen/NÖ wohl schon zu denken geben.
Koalition hätte Mehrheit
Die linke Dreierkoalition könnte also weitermachen, sie hält ihre 28 von 48 Mandaten. Eine kleine Unsicherheit ist die SPÖ: Doris Kampus wollte nur dann weitermachen, wenn sie einen Stadtsenatssitz bekommen. Damit ist sie gescheitert, ob Kampus überhaupt weitermacht, ist aber mehr als fraglich. Und: Im äußersten Notfall würden die Stimmen von KPÖ und Grünen zum Regieren reichen...