Exklave Ceuta
Nach Migranten-Ansturm: Spanien entsendet Armee
Hunderte weitere Menschen gelangten am Donnerstag in das an Marokko grenzende Gebiet, mindestens neun Menschen ertranken bei dem Versuch, bis zur spanischen Exklave zu schwimmen. Die Regierung in Madrid kündigte unterdessen die Entsendung von Soldaten an.
Auch interessant
Wie EU-Migrationskommissar Magnus Brunner der APA Donnerstagabend mitteilte, ist der Schutz der EU-Außengrenzen ein "entscheidender Teil unserer Bemühungen zur Bekämpfung illegaler Migration". "Wir sind mit den zuständigen Behörden in engem Kontakt hinsichtlich der sich entwickelnden Lage in Ceuta", erklärte Brunner.
Zahlreiche Menschen stürmten Ceuta
Er habe dem spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska zugesagt, Spanien - auch durch Frontex - zusätzlich zu unterstützen, um die Situation so rasch wie möglich unter Kontrolle zu bringen. "Zugleich stehen wir mit den marokkanischen Behörden in Kontakt, um sicherzustellen, dass alle Anstrengungen unternommen werden, um diese gefährlichen Überfahrten zu verhindern", sagte Brunner.
Zahlreiche Menschen erreichten auch am Donnerstag von Marokko kommend Ceuta, wie Reporter der AFP-Nachrichtenagentur beobachteten. Einige schwammen durchs Meer und kamen am Strand an. Andere gelangten über einen Grenzübergang im Süden des gut 18 Quadratkilometer großen Gebiets nach Ceuta.
"Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!"
In den Straßen von Ceuta dankten die Menschen der spanischen Polizei. Einige riefen: "Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!" Die Sicherheitskräfte traten zurückhaltend auf. Einige Beamte versuchten, die Ankommenden in Richtung der örtlichen Aufnahmeeinrichtung zu leiten.
Auf marokkanischer Seite beobachtete ein AFP-Reporter Hunderte Menschen, die sich an der Grenze zwischen der Stadt Fnideq und Ceuta versammelten. Einige von ihnen verwiesen auf Gerüchte, denen zufolge die Grenze zu Ceuta Donnerstagfrüh geöffnet werden sollte.
Aufnahmezentren überfüllt
"Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands" sagte Ceutas Präsident Vivas im Fernsehen. Schon in den vergangenen Tagen seien mehr als 1.500 Menschen - überwiegend Männer und Jugendliche - angekommen, hatte Vivas am Mittwoch gesagt. Im Schnitt seien pro Tag 200 Menschen angekommen. Die Aufnahmezentren seien nicht mehr aufnahmefähig.
Am Donnerstag schrieb Vivas dann im Onlinedienst X: "Heute ist die Lage noch schlimmer: noch mehr Ankünfte, überlastete Einrichtungen und ein weiteres auf See verlorenes Leben." Donnerstagabend erklärten die Behörden dann, neun Menschen seien im Meer ums Leben gekommen, als sie versuchten, Ceuta zu erreichen.
Innenministerium will Soldaten entsenden
Für aktuelle Angaben zur Zahl der zuletzt nach Ceuta gekommenen Migranten waren die Behörden am Donnerstag vorerst nicht erreichbar. Es handelte sich um die größte Zahl seit 2021, als mehr als 10.000 Menschen die Grenze zu der Exklave stürmten.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez erklärte auf X, seine Regierung habe "alle notwendigen Mittel mobilisiert", um "eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben". Das Innenministerium kündigte die Entsendung von Soldaten an, "um die Sicherheit in der Stadt Ceuta aufrechtzuerhalten".
Innenminister Grande-Marlaska will am Freitag nach Ceuta reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen und sich mit Behördenvertretern zu treffen. Die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden bezeichnete er als "vorbildlich". Beide Länder würden "so bald wie möglich Maßnahmen" ergreifen, um die illegal nach Ceuta Gekommenen nach Marokko zu bringen.
Opposition sieht "nationale Sicherheitskrise"
Der spanische Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach angesichts der Entwicklungen von einer "nationalen Sicherheitskrise". Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Vox, Santiago Abascal, machte Regierungschef Sánchez auf X persönlich für die in Ceuta ankommenden Migranten verantwortlich.
Ceuta hat ebenso wie die spanische Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Europa wollen. Marokko ist für viele Migranten ein Transitland auf dem Weg nach Europa.
Für die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla in Afrika gilt ein besonderer Grenzstatus mit einer doppelten Kontrolle an den Außengrenzen: Eine Kontrolle erfolgt bei der Einreise aus Marokko, eine weitere beim Weiterreisen auf das spanische Festland. Wer den Grenzzaun von Ceuta überwindet, befindet sich daher nicht automatisch im europäischen Raum des freien Personenverkehrs, sondern muss vor der Weiterreise eine zusätzliche Grenzkontrolle passieren.