"Stillcation"-Trend

Überraschendes Ranking: Diese Party-Hotspots in Österreich sind Europas Ruhe-Oasen

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Volle Hütten, Champagner und legendäres Après-Ski: Mit absoluter Stille verbindet man diese Urlaubsorte eigentlich nicht. Doch ein neues Europa-Ranking kommt zu einem völlig überraschenden Ergebnis – und kürt ausgerechnet mehrere österreichische Party-Destinationen zu den besten Zielen für eine erholsame "Stillcation".
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Den ganzen Tag am Pool liegen, ohne schlechtes Gewissen nichts unternehmen und das Handy einfach im Hotelzimmer lassen: Während Reisen lange möglichst spektakulär, aktiv und Instagram-tauglich sein mussten, setzt sich 2026 ein deutlich entspannterer Urlaubstrend durch. Bei der sogenannten "Stillcation" wird die Ruhe selbst zum Reiseziel.

Der Begriff verbindet "stillness", also Stille oder innere Ruhe, mit "vacation". Dabei geht es nicht unbedingt darum, sich während des gesamten Urlaubs keinen Zentimeter zu bewegen. Vielmehr sollen volle Terminkalender, Sightseeing-Marathons und der ständige Druck, möglichst viel erleben zu müssen, bewusst wegfallen. Stattdessen stehen Natur, langsame Spaziergänge und schlichtes Nichtstun auf dem Programm.

Ausgerechnet Österreichs Party-Orte überzeugen

Welche Reiseziele sich dafür besonders gut eignen, hat der britische Wanderreiseveranstalter Inghams Walking untersucht. Das überraschende Ergebnis: Kitzbühel landet auf Platz zehn, St. Anton am Arlberg auf Platz zwölf. Mit Neustift im Stubaital auf Rang 15 ist Österreich sogar insgesamt dreimal unter den besten 15 vertreten.

Kitzbüheler Alpen © Getty Images

Vor allem die Platzierungen von Kitzbühel und St. Anton dürften überraschen. Schließlich sind beide Destinationen im Winter für volle Hütten, ausgelassene Partys und Après-Ski bekannt. Kitzbühel Tourismus bezeichnet das eigene Après-Ski-Angebot sogar als "legendär" und wirbt mit zahlreichen Bars, DJs und "100 Prozent Partystimmung". Auch St. Anton gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Après-Ski-Adressen Tirols.

Arlberg © Getty Images

Das Ranking bewertet allerdings nicht, wie leise es an einem Samstagabend im Ortszentrum ist. Entscheidend sind vielmehr die natürlichen Voraussetzungen rund um die Urlaubsorte. Und abseits von Skipisten, Großveranstaltungen und Wintersaison bieten die Tiroler Bergregionen offenbar erstaunlich gute Bedingungen, um zur Ruhe zu kommen.

Was hinter dem "Stillcation Score" steckt

Für die Studie wurden knapp 100 europäische Reiseziele anhand von sechs gleich gewichteten Faktoren untersucht: Waldanteil, Bevölkerungsdichte, Luftqualität, Qualität des Sternenhimmels, Artenvielfalt der Vogelwelt und Dichte der Wanderwege. Daraus errechneten die Expertinnen und Experten einen "Stillcation Score" von maximal 100 Punkten.

Die Idee dahinter: Abgeschiedene Naturlandschaften mit sauberer Luft, wenig Lichtverschmutzung und ausreichend Möglichkeiten für langsame Bewegung erleichtern es vielen Menschen, aus dem gewohnten Funktionsmodus auszusteigen. Denn Nichtstun bedeutet nicht automatisch, dass auch das Gehirn abschaltet. In Ruhephasen wird unter anderem das sogenannte Default Mode Network aktiv. Dieses Netzwerk wird mit Tagträumen, Selbstreflexion, Erinnerungsverarbeitung und kreativem Denken in Verbindung gebracht. Untersuchungen zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen der Vernetzung dieses Ruhenetzwerks und der Fähigkeit, neue Ideen zu entwickeln.

Hier ist Europa am stillsten

Den ersten Platz sichert sich Wester Ross im Nordwesten Schottlands. Die dünn besiedelte Region mit einsamen Stränden, dunklem Nachthimmel, Seen und weitläufigen Berglandschaften erreicht einen Stillcation Score von 44,74 Punkten. Laut Auswertung leben dort lediglich rund 1,6 Menschen pro Quadratkilometer – ideale Voraussetzungen für alle, die im Urlaub möglichst wenigen anderen Menschen begegnen möchten.

Schottisches Hochland © Getty Images

Auf Platz zwei folgen die französischen Pyrenäen. Ausgedehnte Wälder, Hunderte Wanderwege und eine besonders artenreiche Vogelwelt sorgen hier für eine natürliche Geräuschkulisse fernab von Verkehrslärm und Großstadttrubel.

Portalet d'Aneu © Getty Images

Rang drei geht an Abisko in Schweden, rund 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Die Region gilt als einer der besten Orte zur Beobachtung der Nordlichter und erreichte im Vergleich außerdem den höchsten Wert bei den Wanderwegen.

Abisko © Getty Images

Das Engadin in der Schweiz landet mit seinen Bergseen, alpinen Wegen und besonders guter Luftqualität auf dem vierten Platz. Komplettiert werden die Top fünf von den Dolomiten. Mit ihren markanten Felsgipfeln, tiefen Tälern und großen Waldflächen bieten sie die passende Kulisse für das italienische Lebensgefühl des "dolce far niente" – die süße Kunst des Nichtstuns.

St. Moritz © Getty Images

Die 15 besten Stillcation-Reiseziele Europas

  1. Wester Ross, Schottland – 44,74 Punkte
  2. Französische Pyrenäen, Frankreich – 41,20 Punkte
  3. Abisko, Schweden – 40,86 Punkte
  4. Engadin, Schweiz – 39,44 Punkte
  5. Dolomiten, Italien – 39,20 Punkte
  6. Picos de Europa, Spanien – 39,05 Punkte
  7. Äußere Hebriden, Schottland – 38,96 Punkte
  8. Korsika, Frankreich – 38,18 Punkte
  9. Gotland, Schweden – 37,95 Punkte
  10. Kitzbühel, Österreich – 36,86 Punkte
  11. Kranjska Gora, Slowenien – 36,38 Punkte
  12. St. Anton am Arlberg, Österreich – 36,32 Punkte
  13. Skåne, Schweden – 35,05 Punkte
  14. Bled, Slowenien – 33,80 Punkte
  15. Neustift im Stubaital, Österreich – 33,65 Punkte

Ruhe statt Reise-Stress

Die Stillcation ist damit das genaue Gegenstück zum klassischen Städtetrip, bei dem Sehenswürdigkeiten, Restaurantreservierungen und Programmpunkte möglichst effizient abgearbeitet werden. Statt mit einer noch längeren To-do-Liste nach Hause zu kommen, soll man bewusst langsamer werden.

Und das Ranking zeigt: Dafür muss man gar nicht erst in die schottische Wildnis reisen. Sobald der Après-Ski-Bass verstummt und sich die Wintersportmassen verabschiedet haben, können offenbar sogar Kitzbühel und St. Anton ziemlich still sein.