Oman

Wüste, Wadis und Schildkröten

© Getty Images/500px
Wüstenzauber & Meereswunder. Das kontrastreiche Reiseabenteuer abseits des Massentourismus führt von Maskat nach Salalah, durch alte Lehmstädte, grüne Wadis, goldene Sanddünen sowie nach Raz al Jinz, wo man Meeresschildkröten bei der Eiablage beobachten kann.
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Gleich vorweg: Der Oman, das östlichste Land auf der arabischen Halbinsel, ist weltoffen, sicher – und man kann ihn auf eigene Faust erkunden. Aber ohne Mietwagen wird’s schwer. Am besten man mietet ein Allrad-Auto für die spektakulären Offroad-Touren. Allrad-Autos sind Benzinfresser, aber bei einem Spritpreis von umgerechnet ca. 60 Cent pro Liter fällt das nicht ins Gewicht. Ein Liter Trinkwasser kostet genauso viel. Und neuerdings ist Maskat von Wien aus mit Salam Air (www.salamair.com) bequem per Direktflug in rund sechs Stunden erreichbar.

Offroad-Abenteuer. Schotter, Steine, Kurven: 128 km –5 Std. Fahrzeit. © Stelzmüller

Jebel Shams, der Grand Canyon des Oman

Ohne 4 x 4 kommt man hier nicht hoch, höher und am Höchsten… zu den mächtigen Gipfeln des Jebel Shams-Gebirges, die sich auf einer Länge von 300 km bis zu 3.000 Meter in die Höhe ragen. Ab Rustaq beginnt das Allrad-Abenteuer auf Schotterpisten mit Flussquerungen die durch eine immer enger werdende Schlucht führt, die nur noch aus Kies und Steinen besteht. Fünf Kilometer schaukeln wir mit nicht einmal 15 km/h von Stein zu Stein – ein Wegschauen von der Straße empfiehlt sich nicht – vorbei an palmengesäumten Bewässerungskanälen ins Dorf Al Nakhar. Wir haben das Wadi Ghul bezwungen und somit das schwierigste Stück der Strecke, die auf das Plateau des Jebel Shams führt. Die Fahrt war nichts für schwache Nerven, dennoch möchte ich diese Erfahrung nicht missen, denn schließlich wurden wir mit einem traumhaften Ausblick in den Grand Canyon des Omans belohnt. Vom Gebirge geht es direkt in die Wüste.

Nun heißt es Luft aus den Reifen ablassen

Die Wüste Omans verzaubert mit ihrer stillen Schönheit und majestätischen Dünenlandschaft. © Stelzmüller

Vor uns liegen die Wahiba Sands mit ihren 150 Meter hohen Sanddünen. Auf der Sandpiste heißt es Gas geben, untertourig mit dem dritten Gang brettern wir mit rund 60 km/h dem Wüstencamp entgegen: Nach ca. 20 km erspähen wir das Beduinen-Camp, und wenige Minuten später sitzen wir mit den Beduinen und einer Tasse Tee in der Hand am Lagerfeuer, bevor wir unser stilecht eingerichtetes Nomadenzelt mit Außendusche und WC beziehen. Zu den absoluten Highlights zählen der Sonnenuntergang hoch oben auf der Hausdüne und schließlich der prachtvolle Sternenhimmel.

Omanische Tafelfreuden

An dieser Stelle sei auch die unglaublich große kulinarische Vielfalt des Omans erwähnt, die keine Ländergrenzen kennt und alle arabischen und asiatischen Geschmäcker kombiniert. In den traditionell omanischen Restaurants werden Mezze-Variationen bestehend aus acht, zwölf oder mehr Gängen serviert, gegessen wird am Boden sitzend in kleinen Separees. In den gehobenen Restaurants bekommt man auch Kamel-Steak – unbedingt probieren, der Geschmack ähnelt Rindfleisch. Bei den Beduinen werden wir mit gegrillten Lammspießen verwöhnt – weich und fantastisch gewürzt. Dazu serviert man Berge von unterschiedlich gekochtem und gebratenem Reis sowie frisches, knuspriges Fladenbrot. Während die Omani mit der rechten Hand essen, bekommen wir Europäer in Servietten eingewickeltes Besteck. Wein oder Bier gibt es nicht, dafür unbegrenzt aromatischen Tee und frisch gepresste Fruchtsäfte zu 100 % aus Mango, Papaya oder Maracuya, die eine Mahlzeit für sich darstellen. Wir durften ein wahres Märchen aus 1001 Nacht erleben.

Felsen-Pools im Wadi Bani Khalid

Nach dem Beduinen-Frühstück geht es wieder zurück in die Zivilisation – zuerst an die Tankstelle zum Reifenaufpumpen. Nächstes Ziel ist das Wadi Bani Khalid mit seinen zum Baden einladenden Felsen-Pools. Wir fühlen uns fast wie in der Karibik im kristallklaren, türkis-grünen Wasser unter Palmen.

RAs Al Jinz. Hier kann man Grüne Meeresschildkröten bei der Eiablage beobachten. © Stelzmüller

Meeresschildkröten beobachten

Das Turtle Reserve Resort von Ras al Jinz liegt etwa 30 Gehminuten vom Strand entfernt, beste Voraussetzungen um Schildkröten bei der Eiablage zu beobachten. Mit Sonnenuntergang darf dieser ohne Guide nicht mehr betreten werden. Um 21 Uhr trifft man sich in der Hotellobby und wandert in kleinen Gruppen an den Strand. Die Spannung steigt: Werden wir grüne Meeresschildkröten sehen? Und tatsächlich, die gepanzerten Meeresbewohner kriechen mit der Flut an Land. Manche haben bereits ihre Nester gegraben und legen schon ihre Eier ab, andere schaufeln sie bereits wieder zu. Unser Guide mahnt zur Vorsicht, denn plötzlich wuseln Dutzende Schildkrötenbabys zwischen uns hindurch Richtung Meer... Man wird total ehrfürchtig beim Anblick dieser wunderbaren Tiere und es gibt weltweit nicht viele Möglichkeiten, so ein Naturschauspiel „live” zu erleben. Neben den Meeresschildkröten leben auch rund 450 endemische und vom Aussterben bedrohte weiße, arabische Oryx Antilopen im Jaluni Wildlife Reserve (UNESCO-Welterbe).

Zwischen karger Landschaft und grünen Oasen wachsen die kostbaren Weihrauchbäume Dhofars © Getty Images/imageBROKER RF

Weihrauchbäume bei Salalah

Im Süden des Omans bei Salalah lockt ein weitläufiger Strand mit feinem, weißem Sand. Hier liegt auch die Wiege des Weihrauchs. Im Dhofar-Tal – Achtung: Die Ausfahrt auf der vierspurigen Autobahn befindet sich links, zudem tummeln sich Kamelherden, die natürlich Vor„fahrt“ haben – gedeihen die Bäume so gut wie nirgendwo sonst. Im Souk von Salalah wird der Weihrauch in den unterschiedlichsten Qualitätsstufen angeboten. Letztes Etappenziel ist Maskat, wo uns nach viel Natur das geschäftige Großstadtleben einholt. Zwei architektonisch interessante Prachtbauten stechen ins Auge: das Royal Opera House und die majestätische Sultan Qaboos Moschee, die auch Nicht-Muslime Samstag bis Donnerstag von 8 bis 11 Uhr besichtigen dürfen.

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