Machtkampf eskaliert

UEFA gegen Infantino: 54 Verbände fordern neue FIFA-Führung

© Getty Images
Die Europäer machen gegen FIFA-Boss Gianni Infantino mobil: 54 von 55 UEFA-Verbänden sprechen ihm das Vertrauen ab und verlangen einen Machtwechsel. Doch ein entscheidendes Problem bleibt.
Zur Vollversion des Artikels

Berlin – Der Machtkampf im Weltfußball eskaliert. Die UEFA und 54 ihrer 55 Nationalverbände haben sich in Berlin klar gegen die derzeitige Führung der FIFA positioniert. Sie erklären, das Vertrauen in die aktuelle FIFA-Spitze verloren zu haben – und fordern nicht nur Reformen, sondern auch eine neue Führung des Weltverbands. Einzig Aserbaidschan schloss sich der Forderung nicht an.

Europa sagt Infantino den Kampf an

Die europäische Front gegen Gianni Infantino wird damit immer breiter. Die UEFA verlangt eine grundlegende Reform der FIFA-Strukturen. Der Präsident soll künftig stärker führen und repräsentieren, aber weniger Einfluss auf das operative Geschäft haben. Auch die Zuständigkeiten von FIFA-Kongress, Rat, Exekutivbüro und Generalsekretariat sollen klarer voneinander getrennt werden.

Hintergrund des Konflikts ist unter anderem Infantinos umstrittenes Vorhaben, private Investoren an der Vermarktung von FIFA-Wettbewerben zu beteiligen. Die UEFA hatte sich bereits im Sommer geschlossen dagegen gestellt und massive Kritik an der Vorgehensweise des FIFA-Präsidenten geäußert.

Doch wer soll Infantino ersetzen?

Čeferin wird nicht selbst gegen Infantino um die FIFA-Präsidentschaft antreten. © UEFA via Getty Images

Genau hier liegt das große Problem der europäischen Opposition: Ein gemeinsamer Gegenkandidat steht noch immer nicht fest.

Die UEFA will bei der FIFA-Präsidentenwahl im März 2027 eine Alternative zu Infantino aufstellen. Dafür soll ein Kandidat gefunden werden, der auch außerhalb Europas genügend Unterstützung bekommt. Die Suche läuft weiter.

Der Schweizer Ex-Nationalspieler Ramon Vega hat inzwischen seine Kandidaturabsicht erklärt. Für eine offizielle Bewerbung benötigt er allerdings die Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden.

Ein weiterer Name fällt dagegen vorerst weg: CONCACAF-Präsident Victor Montagliani will erneut für die Führung seines Kontinentalverbands kandidieren und dürfte damit nicht gegen Infantino antreten.

Ceferin bleibt UEFA-Chef

Für eine Überraschung sorgte in Berlin auch Aleksander Čeferin. Der UEFA-Präsident hatte eigentlich angekündigt, nach Ablauf seiner aktuellen Amtszeit nicht mehr anzutreten.

Nun machte der Slowene eine Kehrtwende. Nachdem ihn alle 55 UEFA-Verbände aufgefordert hatten, seine Entscheidung zu überdenken, erklärte Čeferin, für eine weitere und nach eigenen Angaben letzte Amtszeit kandidieren zu wollen. Die Wahl findet am 22. April 2027 in Astana statt.

Damit ist gleichzeitig klar: Čeferin wird nicht selbst gegen Infantino um die FIFA-Präsidentschaft antreten.

Europa braucht einen gemeinsamen Kandidaten

Der nächste entscheidende Termin steht bereits fest. Die 55 UEFA-Verbände wollen noch vor dem 17. November erneut zusammenkommen. Bis dahin soll die Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten weitergehen.

Die Botschaft aus Berlin ist dennoch deutlich: Europa will Veränderungen an der Spitze des Weltverbands. Ob daraus tatsächlich ein Machtwechsel bei der FIFA wird, hängt nun entscheidend davon ab, ob die Gegner Infantinos einen gemeinsamen Kandidaten finden – und dafür auch außerhalb Europas genügend Stimmen gewinnen.