Nach dem beachtlichen Erfolg ihres Buchdebüts, FOMO sapiens, legt die Autorin, Schauspielerin und Aktivistin Valerie Huber mit einem neuen Buch nach.
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Sanfte Revolution starten
Soft Revolution heißt es, und der Ausgangspunkt ist der Wandel, in dem wir uns, wie Huber im Vorwort schreibt, schon befinden. Den müssen wir aber, um gut zu leben, in die richtigen Bahnen lenken, denn wie Huber im oe24-Interview sagt: "Jetzt geht es nicht um viel, es geht um alles." Gemeint ist damit freilich keine Maximierung von Vermögen, sondern der sinnvolle Umgang mit unserem Lebensraum, Ressourcen, aber auch miteinander als Menschen. Und das können wir nur erreichen, wenn wir eine sanfte Revolution starten, eine, die von Solidarität geprägt ist.
Island als Vorbil
Als Vorbild für diese Revolution dient Huber der Frauenstreik in Island, bei dem am 24. Oktober 1975 rund 90 Prozent der Frauen die (Care-)Arbeit niederlegten und so friedvoll auf Schieflagen aufmerksam machten. Soft sollen die Mittel der Wahl sein, um ein Umdenken zu erzeugen, nicht kriegerisch und brutal, so die bekennende Pazifistin zu oe24.
Valerie Huber spricht unbequeme Fakten an
Dieses Buch ist nicht weich und wohlig, denn Huber traut sich, im Text die harten Fakten und Zahlen zu benennen. Sie findet deutliche Worte zu sozialer Ungerechtigkeit, Klimakatastrophe, Kriegen und Tech-Oligarchen wie Elon Musk. Auch wenn wir unangenehme Wahrheiten zu gerne verdrängen, sind sie nötig, um zu zeigen, was auf dem Spiel steht.
"Jeder kann etwas beitragen"
Huber schreibt umsichtig wie fundiert und ist selbst das beste Beispiel dafür, wie ein Leben in Balance funktioniert. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für Hilfsorganisationen, ist seit 2023 Ehrenbeauftragte der UNICEF Österreich: "Jeder kann etwas beitragen", so Huber.
"Jetzt geht es nicht um viel, es geht um alles!"
Valerie Huber im oe24-Buchtalk über ihr neues Buch, den Aktivismus, den sie lebt und Wege aus der Krise.
oe24: Liebe Valerie, dein zweites Buch "Soft Revolution" ist erschienen – was hat sich verändert, seitdem du Autorin bist?
VALERIE HUBER: Eigentlich vieles! Nach meinem ersten Buch "FOMO sapiens" wurde ich das erste Mal für Keynotes angefragt, bekam eine Einladung nach Harvard und durfte im österreichischen Parlament sprechen. Es war schön zu sehen, wie viele Menschen sich mit den Fragen des Buchs identifizieren konnten und wie ich plötzlich als Autorin wahrgenommen wurde. Das Buch hat also schon mein Leben verändert.
“Die Zeit von Krieg und mächtigen Tech-Oligarchen muss enden”
Valerie Huber
oe24: Das erste Buch hat den Ist-Zustand der Welt aufgezeigt, das zweite ist nun ein Aufruf zu: "Gehen wir es an!", oder?
HUBER: Ja, genau, in "FOMO sapiens" habe ich versucht zu beleuchten, was aktuell alles schiefläuft und wo wir Veränderung brauchen. Mit "Soft Revolution" möchte ich Hoffnung machen und alternative Zukunftsvisionen aufzeigen, die bereits heute existieren und eine echte Chance auf eine gute Zukunft bieten. Wir müssen die Spaltung unserer Gesellschaft überwinden und wieder moralischer handeln. Die Zeit von Krieg und mächtigen Tech-Oligarchen muss enden - wir brauchen jetzt eine sanfte Politik und Gesellschaft der Empathie und Kooperation, die aber radikal verändert. Wir müssen unsere Art zu leben und zu wirtschaften revolutionieren, damit die Erde weiterhin bewohnbar für uns bleibt.
“Die Menschen zeigen, dass es so nicht mehr weitergehen kann”
Valerie Huber
oe24: Wenn du deinen LeserInnen etwas mitgeben könntest, was wäre es?
HUBER: Dass jetzt keine Zeit ist, aufzugeben, sondern zusammenzukommen und gemeinsam aufzustehen. Wir sehen die Gen-Z-Proteste auf der ganzen Welt – die Menschen zeigen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Die meisten protestieren friedlich, weil ihnen die Zukunft gestohlen wird. Jeder kann bei sich anfangen: Was konsumiere ich, welche Konsequenzen hat mein Lebensstil, welche Partei wähle ich, wie kann ich mich wieder mehr mit meiner Menschlichkeit, meinem Umfeld und mit der Natur verbinden? Wie schaffe ich es aus dem Konsumwahn? Natürlich müssen die großen Veränderungen und Maßnahmen auf EU- oder UN-Ebene geschehen. Wir können aber von unten Druck aufbauen. Ein neues Bewusstsein, das ist der Beginn. Jeder kann was beitragen – jetzt ist die Zeit, zusammen aufzustehen, denn es geht nicht um viel, es geht um alles!