Brutalo-Sparkurs

VW: 120.000 Jobs und Hälfte der Modelle vor dem Aus

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Der größte Autokonzern Europas könnte jeden sechsten Mitarbeiter kündigen. Es ist ein Brutalo-Sparkurs, der auch Jobs und Zulieferer in Österreich hart trifft.
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Es schaut sehr schlecht aus beim größten Autokonzern Europas. VW verkauft immer weniger Autos, im wichtigen China-Markt brach der Absatz um ein Drittel (!) ein. Insgesamt gingen die Verkäufe von VW im zweiten Quartal um 8 % zurück. Verkauft wurden weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge. Jetzt ist Feuer am Dach. In dieser Woche informierte CEO Oliver Blume den Aufsichtsrat.

Kahlschlag droht in Deutschland

In Wolfsburg, dem Volkswagen-Hauptsitz, hatte der Aufsichtsrat am Donnerstag über heftige neue Sparpläne beraten. Beschlüsse gab es nicht. Aber die Aussicht auf einen Brutalo-Sparkurs:

  • Laut Manager Magazin könnten bis zu 120.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.
  • Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht den Berichten zufolge sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. In Zwickau werden nur E-Modelle gefertigt.
  • Die Hälfte der Modellpalette soll eingestampft werden.

Arbeitnehmer: Kampf gegen den CEO

Volkswagen-CEO Oliver Blume. © APA/AFP/RONNY HARTMANN

Die wichtigsten Arbeitnehmervertreter von Volkswagen gehen mit Vorstandschef Oliver Blume hart ins Gericht und kündigen einen heißen Streik-Herbst an. Der Vorstand habe sich nach der Sitzung des Aufsichtsrats "mit den bekannten Floskeln zu Wort gemeldet", heißt es in einem Reuters am Freitag vorliegenden Brief des Konzernbetriebsausschusses an die Belegschaft von VW.

Blume greife zu "empathielosen Allgemeinplätzen". "Nichts davon adressiert die eigentlichen Kernprobleme des Konzerns. Und nichts davon begegnet Euren Ängsten und Sorgen auch nur ansatzweise auf angemessene Weise", schreibt das Gremium aus Betriebsräten des Konzerns, aller Marken und Töchter sowie der Vertretung der Führungskräfte.

Zukunftsplan von 
Blume hat Lücken

"Wir als Eure Belegschaftsvertretungen wissen nur zu gut, wie hart der wirtschaftliche Druck derzeit ist, wie eng der Wettbewerb und wie zwingend die Notwendigkeit, Dinge grundlegend zu ändern – und zwar auch mittels Stellschrauben, die schmerzvoll sein werden", kommentiert der VW-Konzernbetriebsausschuss die Pläne.

Doch müsse klar sein, welches langfristige Ziel der Vorstand damit verfolge "anstelle von aktivistischen Kurzfrist-Lösungen wie Werksschließungen, Sparwut und Arbeitsplatzabbau nach der Rasenmäher-Methode". Auch andere deutsche Autobauer leiden, so will Mercedes etwa eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Die VW-Bosse ließen immerhin eine gute Nachricht verlautbaren. Im Einstiegssegment von VW, Skoda und Cupra seien bereits mehr als 54.000 Bestellungen für E-Autos eingegangen: "Das liegt deutlich über unseren Erwartungen." Doch das reicht nicht.

Die Hälfte der Modelle fällt weg

Direkt nach der Aufsichtsratssitzung in der Nacht auf Freitag hatte CEO Oliver Blume – er scheute die direkte Auseinandersetzung mit den Mitarbeitern, griff stattdessen zu einem sterilen Video-Statement – einen Spar-Hammer angekündigt: "Wir reduzieren Komplexität, fokussieren unsere Technologien, richten Produkte, Entwicklung und Produktion noch regionaler in den Märkten aus, bauen Überkapazitäten ab".

So soll die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten sogar um drei Viertel. Zu Kündigungen sagte er vorerst nichts, auch nicht zu Werkschließungen.

Experte: Rot-weiß-rote Zulieferer verlieren

Die Mitarbeiter in Deutschland protestieren, aber auch österreichische Jobs sind vom Sparkurs betroffen. Der Auto-Experte Günther Apfalter, früher Magna Steyr-Chef, jetzt Berater, sagte Ö1: "Wenn ein Zulieferer jetzt 100 Teile an VW liefert, werden nach der Kürzung der Modellpalette nur noch 70 sein". Die Austro-Zulieferer verlieren..

Laut Statistik Austria waren im Jahr 2022 in Österreich 37.033 Menschen direkt in der Herstellung von Kraftfahrzeugen, Anhängern und Sattelaufliegern beschäftigt. "Unter Berücksichtigung indirekter und induzierter Effekte hängen in Österreich etwa 110.000 Arbeitsplätze von dieser Branche ab. Darüber hinaus schätzt die österreichische Automobilindustrie, dass sie Waren im Gesamtwert von 28,5 Milliarden Euro produziert, von denen 85 Prozent exportiert werden", heißt es in der Studie.

“Groben Schätzungen zufolge werden für einen E-Antrieb ein Drittel weniger Beschäftigte benötigt als für einen Verbrenner.”

WIFO zu Produktion von E-Autos, die weniger Komponenten haben

Wifo-Kfz-Experte Klaus Friesenbichler sieht eine allgemeine Großwetterlage, die vor allem den deutschen Autobauern zusetzt. Es sei ein Gemenge aus Wettbewerbsdruck in China durch falsche Managemententscheidungen und technologischen Veränderungen, Stichwort autonomes Fahren und Elektrifizierung.

Von Magna bis KTM

Klingende Namen der Kfz-Industrie hierzulande sind Magna Steyr (Graz), BMW Motoren (Steyr), Pierer Mobility (Wels) oder AVL List (Graz). Zuletzt wurde der Sektor durchaus gebeutelt, aktuell kämpft der Motorradbauer KTM darum, nach einem kräftigen Personalabbau und einem kurzzeitigen Produktionsstillstand wieder in die Gänge zu kommen. Wobei der Jobabbau in der Branche in den vergangenen Jahren vom Branchenprimus Magna bis zu mittelständischen Unternehmen wie ZKW in Wieselburg (NÖ) reichte.

Ein wichtiger Arbeitgeber ist der kanadische Zulieferer Magna mit rund 13.000 Beschäftigten in Österreich. Ein technologischer Vorzeigebetrieb wiederum ist die Grazer AVL List mit weltweit fast 11.000 Beschäftigten. Ein globaler Player im Bereich Motoren für Militärfahrzeuge ist Steyr Motors. Ebenfalls stark im Militärsegment verankert sind die Tiroler Firmen Achleitner und Empl sowie insbesondere Rheinmetall MAN Military Vehicles in Wien. Österreich ist nicht nur ein Autozulieferer, es beheimatet mit der Porsche Holding in Salzburg auch die Vertriebsschiene des VW-Konzerns in Österreich und Südosteuropa.