Nerven aus Stahl

Was wir von Spitzensportlern über mentale Stärke lernen können

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Wenn Sekunden über Triumph oder Debakel entscheiden, regiert der Kopf. So nutzen Sie die Strategien der Profis, um im entscheidenden Moment perfekt abzuliefern.
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Bei der Fußball-Weltmeisterschaft laufen aktuell die packenden Duelle des Viertelfinales. Dabei entscheidet oft nicht mehr (nur) die Fitness über Sieg oder Niederlage. In Momenten, in denen die ganze Welt zuschaut, ist der Druck immens – hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Je höher das Niveau und je dichter die Konkurrenz, desto schwerer wiegt die psychische Komponente. Mentale Stärke ist der wahre Schlüssel, der darüber entscheidet, ob man unter maximaler Belastung sein volles Potenzial ausschöpfen kann oder im entscheidenden Moment nervlich einbricht – im Sport, wie auch im Beruf und Alltag.

Der renommierte Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann und Mental-Coach Sharon Paschke zeigen in ihrem neuen Buch "Mentale Stärke im Sport", dass der finale Schritt zum Erfolg selten in den Beinen, sondern fast immer im Kopf entschieden wird und wie wir unsere eigene Psyche darauf trainieren können, auch unter größtem Druck Bestleistungen abzurufen.

Atemtechniken

Unser Gehirn und unser Körper stehen in ständiger Kommunikation. Wenn wir gestresst oder nervös sind, atmen wir flach und schnell. Das Signal an das Gehirn lautet: "Gefahr!". Über bewusste Atemtechniken können wir diese Kommunikation umdrehen und dem Gehirn signalisieren: "Alles sicher, du kannst dich entspannen".

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4–6-Atemtechnik

Atmen Sie 4 Sekunden lang durch die Nase ein und danach 6 Sekunden lang langsam und sanft durch den Mund aus. Wiederholen Sie das für 2 bis 3 Minuten. Durch das verlängerte Ausatmen wird der beruhigende Teil des Nervensystems (der Parasympathikus) aktiviert. Der Puls sinkt, und das hormonelle Stresslevel fährt spürbar runter.

4–7–8-Methode

Atmen Sie 4 Sekunden lang ein, halten Sie den Atem für 7 Sekunden komplett an und atmen Sie dann 8 Sekunden lang hörbar durch den Mund aus. Durch das Atemanhalten und das extrem langsame Ausatmen wird der Körper gezwungen, CO2 und Sauerstoff neu auszubalancieren. Zudem müssen Sie sich so stark aufs Zählen konzentrieren, dass das Gedankenkarussell im Kopf stoppt.

Visualisierung

Unser Gehirn hat eine faszinierende Eigenschaft: Es kann nicht perfekt zwischen einer real erlebten Situation und einer intensiv vorgestellten Situation unterscheiden. Wenn wir uns etwas lebhaft vorstellen, feuern im Gehirn dieselben Nervenzellen wie beim echten Tun.

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5-Sinne-Visualisierung

Sie stellen sich eine bevorstehende Herausforderung (einen Vortrag, einen Wettkampf) so detailreich wie möglich vor. Dabei nutzen Sie alle Sinne: Was sehen Sie? Was hören Sie? Was fühlen Sie auf der Haut (Temperatur, Schweiß)? Was riechen oder schmecken Sie? Das Gehirn legt durch dieses "Kino im Kopf" eine Art neuronale Autobahn an. Wenn die Situation dann in der Realität eintrifft, schaltet das Gehirn auf Autopilot, weil es die Situation gefühlt schon hundertmal erfolgreich gemeistert hat.

F.L.A.S.H.-Drehbuch

Das ist ein schriftlicher Leitfaden für den perfekten Ablauf einer schwierigen Aufgabe. Statt unvorbereitet in eine Situation zu gehen, schreiben Sie sich Ihr eigenes Drehbuch. Die Buchstaben stehen für: Fokus (Worauf konzentriere ich mich genau?), Leidenschaft (Welche positive Energie bringe ich mit?), Aufmerksamkeit (Wo liegt mein Blickpunkt?), Skizze (Wie sieht der genaue Ablauf Schritt für Schritt aus?), Haltung (Mit welcher Körpersprache und inneren Einstellung trete ich auf?)

Anker setzen

Ein "Anker" ist eine bewusste Verknüpfung zwischen einer körperlichen Berührung und einem extrem positiven Gefühlszustand. Sie versetzen sich gedanklich in einen Moment, in dem Sie sich unbesiegbar gefühlt haben. Wenn dieses Gefühl auf dem absoluten Höhepunkt ist, machen Sie eine ganz bestimmte, einzigartige Bewegung – zum Beispiel drücken Sie Daumen und Zeigefinger fest zusammen. Diese Praxis muss regelmäßig wiederholt werden. Wenn der Anker einmal sitzt, müssen Sie in einer Stresssituation nur noch die Finger zusammendrücken, und das Gehirn schüttet die dazugehörigen Erfolgsgefühle aus.)

Prognosetraining

Wenn Sie zum Beispiel für eine Präsentation üben, stellen Sie sich nicht nur vor den Spiegel. Diese Gegebenheit wird bei der tatsächlichen Präsentation schließlich nicht vorherrschen. Stellen Sie die Drucksituation so gut es geht nach und erschweren Sie diese zudem. Beim Prognosetraining machen Sie das Fenster auf, lassen laute Musik laufen, stoppen die Zeit und bitten jemanden, Sie bewusst zu unterbrechen. Wenn Sie es unter diesen Bedingungen schaffen, verliert die echte Situation an Schrecken.

Stressregulation

Stress ist nichts Schlechtes – er ist evolutionär dafür da, uns Energie bereitzustellen. Gefährlich wird es nur, wenn der Druck zu hoch wird oder wir dauerhaft unter Strom stehen. Mentale Stärke bedeutet, sich genau in die goldene Mitte zu steuern – dorthin, wo man fokussiert, aber gelassen bleibt.

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Progressive Muskelentspannung

Das ist eine körperliche Entspannungstechnik, die auf dem Prinzip beruht, dass auf eine bewusste Muskelanspannung automatisch eine tiefe körperliche Entspannung folgt. Sie ballen zum Beispiel für 5 Sekunden Ihre Fäuste so fest Sie können, spüren die Spannung ganz bewusst und lassen dann für 10 Sekunden komplett locker. Dieses Prinzip wenden Sie nacheinander auf verschiedene Muskelgruppen an. Da Körper und Geist eng miteinander gekoppelt sind, entspannt sich bei spürbar lockeren Muskeln auch der Kopf.

Reframing

Bei dieser Methode geben Sie einer Situation bewusst einen neuen gedanklichen Rahmen, um Ihre emotionale Reaktion darauf zu verändern. Die äußeren Umstände bleiben zwar gleich, aber wie Sie darüber denken, wandelt sich komplett. Statt eine schwierige Aufgabe oder einen starken Gegner als bedrohlich einzustufen („Wenn ich das falsch mache, ist alles vorbei“), betrachten Sie die Situation als spannende Herausforderung („Hier kann ich zeigen, was ich gelernt habe“). Dieser Wechsel der Perspektive verändert die Hormonausschüttung im Körper weg von lähmender Angst hin zu produktivem Tatendrang.

Mehr Mental-Tipps und -Tricks finden Sie in "Mentale Stärke im Sport" von Hans-Dieter Hermann und Sharon Paschke. Wiley-VCH; 22,99 Euro

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