Krisenplan
VW will eine Marke und jedes 2. Modell streichen
Laut der "Bild" bereitet Volkswagen einen geheimen Krisenplan vor. Über diesen soll am 9. Juli der Aufsichtsrat abstimmen. Dem geheimen Rettungsplan werden Betriebsrat und Gewerkschaft nicht zustimmen. Vor allem an jenen Orten, wo es um Werke, Jobs und Standortsicherung geht, so die "Bild".
Auch interessant
Die Unternehmensspitze bewertet die aktuelle Lage als sehr dramatisch. In den Beratungen ist sogar die Rede von einer "existenzbedrohenden Situation". Wenn Volkswagen bis 2030 keine harten Gegenmaßnahmen einführt, droht man dauerhaft in eine unprofitable Lage zu rutschen.
Weniger Geld für Investitionen sowie Forschung und Entwicklung
Am meisten soll in Investitionen sowie Forschung und Entwicklung gespart werden. Laut der "Bild" sollen dort die Ausgaben für den Zeitraum 2027 bis 2031 im Vergleich zu den bisherigen Plänen um rund 50 Milliarden Euro sinken. Es soll nur noch 135 Milliarden Euro an Ausgaben für die Bereiche Investitionen sowie Forschung und Entwicklung geben.
Bis 2030 will das Unternehmen zusätzlich wieder eine operative Rendite von 9 Prozent erreichen. Geplant ist ein operatives Ergebnis von 30,6 Milliarden Euro. Die Gemeinkosten sollen auf 37 Milliarden Euro gedrückt werden, was rund 12 Prozent des Umsatzes im Automobilbereich wäre. VW will nicht nur sparen, sondern seine Kostenbasis auf ein neues Niveau bringen.
Bis zu 140.000 Stellen betroffen
Wie die "Bild" berichtet, steht aufgrund der Neuaufstellung ein gewaltiger Stellenabbau im Raum. Wie viele Beschäftigte davon genau betroffen sind, ist noch nicht genau festgelegt. Laut den internen Planungen sollen womöglich bis zu 140.000 Arbeitsplätze davon betroffen sein.
Es werden bereits Richtwerte für einzelne Bereiche genannt. In der Technischen Entwicklung geht es um mindestens 15.000 Stellen. In der Produktion droht die Streichung von mindestens 5.000 Stellen. Weitere Einschnitte sollen in Verwaltung und Gemeinkostenfunktionen erfolgen.
Die Entwicklungsarbeit soll vermehrt aus Kostengründen an internationale Standorte verlegt werden. Mit künstlicher Intelligenz sollen zudem Tests reduziert und Prozesse beschleunigt werden.
Managementpositionen werden reduziert
Bei den Beschäftigten will VW auf freiwillige Lösungen setzen, wie etwa Altersteilzeit, Abfindungsprogramme, freiwillige Austritte, Ausgliederungen und Übergangslösungen. Intern sorgt Deutschland wegen Beschäftigungssicherung, Standortvereinbarungen und Mitbestimmung für die größten Probleme.
Weiter berichtet die "Bild", dass die weltweite Zahl der Managementpositionen massiv reduziert werden soll. Diese soll von rund 21.500 auf 16.000 sinken. Ebenfalls wird auf größere Führungsspannen, weniger Ebenen, klarere Zuständigkeiten und mehr Leistungsdruck gesetzt.
Weniger Produkte und kein Seat mehr
Weiter sollen die vier deutschen Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm in künftigen Planungsrunden keine neuen Fahrzeugmodelle erhalten. In Europa schätzt VW Überkapazitäten von über 500.000 Fahrzeugen. Rund 6 Milliarden Euro sollen in die Transformation der Standorte fließen. Zudem droht der Vorstand, dass alle Fabriken bis Mitte 2027 massiv auf die Kostenbremse treten müssen, wenn sie als Standort noch eine Zukunft haben wollen.
Das Produktangebot soll radikal verringert werden. Laut der "Bild" soll das Angebot des Konzerns weltweit um etwa 50 Prozent reduziert werden. Die Variantenvielfalt soll sogar um bis zu 75 Prozent verkleinert werden. Für Kunden gibt es somit weniger Auswahl und für VW weniger Entwicklungsaufwand und geringere Kosten.
Zudem hat Seat in der internen Planung keine Zukunft mehr. Die Marke soll bis spätestens Ende 2029 auslaufen. Cupra soll als eigenständige Marke fortgeführt werden.
Beteiligungsportfolio soll kleiner werden
Die Umgestaltung soll in anderen Bereichen weitergehen. VW will auch sein Beteiligungsportfolio drastisch straffen. Der Konzern umfasst mehr als 2.000 Gesellschaften, so die "Bild". Etwa 35 Prozent davon sollen überprüft, zusammengelegt, verkauft oder abgewickelt werden.
Dadurch soll zusätzliche Nettoliquidität von 10 bis 15 Milliarden Euro bis 2030 geschaffen werden. Unter anderem stehen Ducati, Europcar, Lade-, Mobilitäts- und Venture-Capital-Aktivitäten auf dem Prüfstand. Eine Überprüfung soll auch zu Beteiligungen an VfL Wolfsburg, FC Bayern München, VfB Stuttgart und FC Ingolstadt stattfinden.
Vom Umbau ist zudem die Konzernstruktur betroffen. Das operative Geschäft der Volkswagen AG soll auf eine Volkswagen Pkw AG und eine Volkswagen Komponente AG ausgegliedert werden. Die Volkswagen AG würde dabei vermehrt als schlanke Holding agieren. Damit will das Unternehmen weniger Gremien, weniger doppelte Zuständigkeiten und schnellere Entscheidungen.
Über einzelne Punkte wird noch diskutiert. Die Prüfungen und Verhandlungen stehen noch an. Die Gremien müssen erst noch zustimmen.