Fußball-Krise

Warum wir international den Anschluss verlieren

© GEPA pictures/ Mathias Mandl
In der für die Vergabe der Europacup-Plätze maßgeblichen UEFA-Fünfjahreswertung ist es für Österreich zuletzt steil bergab gegangen.
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Die Rechnung dafür bekommt man im kommenden Jahr präsentiert, wenn der heimischen Liga erstmals seit 2017/18 nur noch vier statt fünf internationale Startplätze zur Verfügung stehen. Im Gespräch mit der APA betrieben die zwölf Bundesliga-Trainer Ursachenforschung. Grundtenor: Man müsse größeren Wert auf die spielerische Komponente legen.

Österreichs Höhenflug der vergangenen Jahre wurde vor allem von Salzburg getragen, am Red-Bull-Fußball mit Pressing und Fokus auf Spiel gegen den Ball orientierten sich in der Folge auch weitere Vereine. Ein gepflegtes Aufbauspiel mit einem klaren Plan für das Aushebeln tiefstehender Mannschaften blieb außen vor, was sich rächen sollte: Hohe Bälle und bedingungsloses Balljagen wirken aus der Zeit gefallen, die ÖFB-Clubs stehen gegen technisch versierte Gegner oft vor unlösbaren Aufgaben. Dazu kommt, dass mittlerweile auch in vielen osteuropäischen Ländern höhere Gehälter bezahlt werden als hierzulande und Top-Legionäre daher immer schwieriger zu haben sind.

"Die besten österreichischen Spieler sind im Ausland, und gute Spieler mit internationaler Qualität nach Österreich zu lotsen, ist schwierig", sagte Austria Lustenaus Markus Mader. Ähnlich argumentierte Austria-Trainer Stephan Helm. "Wenn man den Markt kennt, weiß man, dass die Länder rund um uns gehaltsmäßig schön langsam überholen, und da muss man dann ebenfalls investieren. Indem man die Vereine und die Liga attraktiv macht, damit wir mehr Geld generieren können."

Schopp von Spaniens "Mastery on the Ball" beeindruckt

Das Hauptproblem dürfte aber woanders liegen, wie Hartberg-Coach Markus Schopp erklärte: "Wir legen in der Entwicklung von Spielern unglaublich viel Wert auf Balleroberer, Vertikalspieler und physische Eigenschaften, aber sind in puncto Kreativität abgehängt worden. Wenn ich mir die 'Mastery on the Ball' von Weltmeister Spanien anschaue, dann steckt darin ein kontinuierlicher Glaube. So was erwarte ich mir auch in Österreich: Dass wir mit unserer intensiven Spielidee beginnen zu verstehen, was es bedeutet, uns in Ballbesitz anders zu definieren."

Eine ähnliche Ansicht vertrat Sturm-Graz-Trainer Fabio Ingolitsch. "Die grundsätzliche Art und Weise, wie in unserer Liga Fußball gespielt wird, muss hinterfragt werden. Wir sollten uns mehr den internationalen Trends hingeben - wohlwissend, dass wir alle das bekannte Spiel mitspielen, um konkurrenzfähig zu sein und Punkte zu holen", meinte der 34-Jährige. Wichtig sei, sich stärker auf die individuelle Spielerentwicklung zu konzentrieren. "Wir müssen im Kinder- und Akademiebereich wieder viel mehr den einzelnen Spieler in den Mittelpunkt stellen, nicht den Mannschaftserfolg. Am Ende machen oft die Individualisten den Unterschied", sagte Ingolitsch.

Silberberger: "Haben uns nach unten nivelliert"

WAC-Coach Thomas Silberberger gestand: "Wir haben uns schon Schritt für Schritt ein bisschen nach unten nivelliert. Wir haben die letzten zehn Jahre aufs hohe Anlaufen investiert und weniger auf fußballerische Lösungen. Je höher das Level ist, desto größer ist die Qualität der Spieler, die dieses Pressing umspielen. Das haben wir leidvoll erfahren müssen." WSG-Tiroler-Betreuer Philipp Semlic betonte, man dürfe "in der Ausbildung nicht nur auf Pressing und gegen den Ball denken. Wir müssen auch das ganzheitliche Spiel sehen." Dabei sei jedoch Geduld gefragt, erklärte Rieds Mario Despotovic. "Es gibt kein Geheimrezept, dass man das auf die Schnelle hinbekommt. Man muss das strategisch planen."

Rapid-Coach Johannes Hoff Thorup gab zu bedenken: "Wenn man den Ball nicht kontrollieren und ein Spiel dominieren kann, wird es auf der größten Bühne schwierig, und der Europacup ist die größte Bühne." Außerdem meinte der Däne: "Es würde der Liga guttun, wenn es mehr Clubs mit unterschiedlichen Zugängen zum Fußball geben würde und jeder Club seine eigene Identität entwickelt."

Zaric: Wegfall der Punkteteilung könnte helfen

Laut Altachs Ognjen Zaric könnte der Wegfall der Punkteteilung ab dieser Bundesliga-Saison einen zumindest mittelfristig positiven Effekt auf die österreichischen Europacup-Auftritte haben. "Weil sich die Vereine dann mehr um die Spielerentwicklung kümmern können, wenn Ziele früher erreicht werden." Einen pragmatischen Zugang wählte LASK-Meistermacher Dietmar Kühbauer. "Wir haben in den letzten Jahren nicht so performt, aber deswegen ist nicht alles schlecht. Solche Phasen hat jedes Land", erklärte der Burgenländer.

2024/25 war Österreich noch mit je zwei Clubs in den Ligaphasen der Champions League und Conference League vertreten, doch diese Zeiten dürften so schnell nicht wiederkehren. Die heimische Bundesliga bewegt sich derzeit in der Fünfjahreswertung um Rang 20. Ein Vorstoß auf den begehrten 15. Platz, der das fünfte Europacup-Ticket bedeutet, erscheint in der aktuellen Situation unrealistisch. Daher muss sich Österreich wohl auch auf eine Europacupsaison 2028/29 mit nur vier Startern einstellen.