Nach Bomben-Drohne

"Werden dafür bezahlen": Deutschland droht Russland

© APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle sorgt weiter für Alarm. Nach BILD-Informationen verdichten sich die Hinweise, dass hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch ein russischer Geheimdienst stecken könnte.
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In der Nacht zum 5. August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt. Sie lag in der Nähe einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine, die nach bisherigen Erkenntnissen für militärische Transporte genutzt wurde. Der mutmaßliche Anschlag scheiterte offenbar, weil der Zünder der Sprengladung nicht funktionierte.

Nach BILD-Informationen soll die Drohne rund 600 Gramm Sprengstoff an Bord gehabt haben. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass die Maschine gezielt eingesetzt wurde, um das ukrainische Flugzeug zu treffen.

Der Vorfall wird inzwischen als möglicher hybrider Angriff bewertet. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte angekündigt, die Bundesregierung werde die Erkenntnisse zur Urheberschaft bald öffentlich machen. Die Verantwortlichen würden "dafür bezahlen", sagte Merz.

Spur führt offenbar nach Moskau

Nach Informationen der BILD aus Sicherheitskreisen sollen sich die Erkenntnisse der Ermittler inzwischen so weit verdichtet haben, dass ein russischer Geheimdienst als mutmaßlicher Drahtzieher im Fokus steht.

Offiziell hat die Bundesregierung Russland bislang allerdings nicht öffentlich als Verantwortlichen benannt. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt betonte, dass zunächst belastbare Beweise vorliegen müssten.

Außenminister Johann Wadephul wollte wegen der neuen Erkenntnisse seine Dienstreise unterbrechen und gemeinsam mit Dobrindt über den Fall informieren. Die Bundesregierung stimmt mögliche Konsequenzen zudem mit europäischen Partnern ab.

Weitere Drohne und Sprengstoff entdeckt

Der Fall beschränkt sich offenbar nicht auf den Fund am Flughafen. Wenige Tage später wurde im nahe gelegenen Kabelsketal eine weitere Drohne entdeckt. Auch dort fanden Ermittler nach Medienberichten Spuren von militärischem Sprengstoff.

Zudem prüfen die Sicherheitsbehörden mögliche Zusammenhänge mit weiteren Vorfällen in Europa. Dabei geht es unter anderem um Drohnen- und Sprengstofffunde in anderen Ländern.

Auch eine mögliche Verbindung zu einem Vorfall mit einer DHL-Frachtmaschine wird untersucht. In der Nacht des ersten Drohnenfunds war ein Frachtflugzeug mit einem unbekannten Flugobjekt kollidiert und konnte anschließend sicher landen.

Deutschland bereitet Konsequenzen vor

Sollte sich der Verdacht gegen Russland bestätigen, könnten Deutschland und seine europäischen Partner reagieren. Im Gespräch sind unter anderem diplomatische Maßnahmen, die Ausweisung russischer Diplomaten und weitere Sanktionen.

Bundeskanzler Merz hatte bereits klargemacht, dass Deutschland auf hybride Angriffe reagieren werde. Die Antwort soll nach Angaben aus Berlin gemeinsam mit EU- und NATO-Partnern abgestimmt werden.

Der Fall Leipzig/Halle sorgt damit weit über den Flughafen hinaus für Unruhe. Aus einer einzelnen Drohne mit Sprengstoff ist ein Fall geworden, bei dem deutsche Sicherheitsbehörden einen möglichen Angriff aus dem Umfeld eines ausländischen Geheimdienstes untersuchen.