Am Limit

"Wieder trauen, zu bauen": NÖ-Bauwirtschaft kriselt

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Niederösterreichs Bauwirtschaft steckt in einer handfesten Krise. Steigende Rohstoff- und Energiepreise, hohe Lohnkosten und immer strengere Kreditkonditionen setzen der Branche massiv zu – die Betriebe kämpfen ums Überleben, wie es bei einem Pressegespräch hieß.
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Die Auftragslage, besonders im Neubau, entwickelt sich dramatisch schleppend, die Produktion im Hochbau bricht ein und die Rohstoffpreise schießen weiter in die Höhe. Die Betriebe der Baubranche sind am absoluten Limit. Niederösterreichs Bau-Landesinnungsmeister Günther Lehner warnt eindringlich: "Ohne eine Trendumkehr bei den Aufträgen sind die Beschäftigtenstände auf Dauer nicht zu halten." Für Jochen Flicker, Spartenobmann Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), trägt die Bauwirtschaft mit ihrer starken Vernetzung eine entscheidende Rolle für den gesamten Wirtschaftsstandort – und genau diese Rolle steht jetzt auf dem Spiel.

Tiefer Pessimismus

Die Stimmung in der Branche ist am Boden. Einer neuen Erhebung zufolge rechnen gerade einmal neun Prozent der Betriebe des niederösterreichischen Gewerbes und Handwerkes in den nächsten zwölf Monaten mit steigenden Umsätzen. Knapp 18 Prozent der Betriebe erwarten sogar Umsatzrückgänge, so Flicker am Donnerstag.

Erschreckende Zahlen

Die nackten Fakten sprechen eine deutliche Sprache: In Niederösterreich sind im Vorjahr um 10.000 Wohnungen weniger bewilligt worden als noch 2021. Verglichen mit diesem Jahr ist die Produktion im Hochbau sogar um 32 Prozent eingebrochen. Immerhin fällt das Beschäftigungsminus mit knapp 14 Prozent noch etwas glimpflicher aus.

Rettungspaket gefordert

Dabei ist der Bedarf – etwa an dringend benötigtem Wohnraum – laut Erhebungen unbestritten vorhanden. Für eine echte Trendwende brauche es jetzt ein ganzes Bündel an Maßnahmen, fordert die WKNÖ. Ganz oben auf der Liste: die vollständige Ausschüttung der von der Bundesregierung bereitgestellten Wohnbaumilliarde. Auch bei öffentlichen Aufträgen müsse sich dringend etwas ändern – Fix-Preise sollen der Vergangenheit angehören, damit Baufirmen nicht alleine auf explodierenden Kosten sitzenbleiben.

Kredite als Bremsklotz

Im Gespräch mit "NÖ heute"-Moderatorin Nadja Mader fordert Landesinnungsmeister Günther Lehner eine dringende Lockerung der Kreditvergaberichtlinien. Bei den aktuellen Kreditkosten wird es für Bauträger enorm schwierig, Wohnungen oder Häuser überhaupt weiterzuverkaufen. "Die FMA sollte reagieren", appelliert Lehner und hofft, dass die Finanzmarktaufsicht mit sich reden lässt.

Mut trotz Krise: "Trauen, zu bauen"

Trotz allem macht Lehner Häuslbauern Mut: "Man kann sich auf jeden Fall trauen, zu bauen. Die Preise sind aktuell niedrig." Das sei aber relativ zu sehen, schränkt er ein, "denn die Löhne sind genauso gestiegen". Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Anfang März in Kraft getretene Reform der Bauordnung, die für weniger Bürokratie und mehr Flexibilität sorgen soll, zeigt laut Kollegen aus der Branche bereits erste Wirkung. "Aber es wird sicher eine Weile dauern, bis das in der Breite ankommt", dämpft Lehner die Erwartungen.

Niederösterreichs Bauwirtschaft steht am Scheideweg – ohne rasches und entschlossenes Gegensteuern drohen weitere Auftragseinbrüche und der Verlust wertvoller Arbeitsplätze.