Geldwäsche-Verdacht

Hypo lässt Serbien erzittern

25.08.2010

Die ÖSTERREICH-Enthüllungen sorgen für Polit-Treffen auf Ministerebene.

Zur Vollversion des Artikels
© APA/ Schlager
Zur Vollversion des Artikels

In den wichtigsten serbische Medien werden die ÖSTERREICH-Infos über den Geldwäsche-Verdacht zwischen Mafia-Boss Darko Saric und der Hypo Alpe Adria Bank als heiße Top-Story behandelt. Renommierte Medien im ehemaligen Jugoslawien wie Blic, B92 und die offizielle Nachrichtenagentur Tanjug widmen dem Skandal rund um Drogengeld und dubiosen Krediten breiten Raum.
 

Serbischer Innenminister trifft Top-Kriminalisten
Serbische Nachrichtenagenturen berichten zudem von einem für heute im Salzburger Fuschl geplanten Treffen des Innenministers Ivica Dacic mit dem Chef des österreichischen Bundeskriminalamts, um die Causa zu besprechen. Auf Anfrage sagte der serbische Innenminister, dass die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mafia-Boss Saric vom Sonderstaatsanwalt für Korruption geführt werden, und dass er als Minister nicht darüber reden wolle.

Noch einmal zum Verdacht der Geldwäsche im Zusammenhang mit der Hypo. Der Drogenpate Darko Saric soll über zwei Tochterfirmen der Hypo rund 100 Millionen Euro reingewaschen haben. Der Bank enstand dabei kein Schaden - führende Manager müssen aber bei dem Deal mitgewirkt oder zumindest Bescheid gewußt haben.

Neue Hypo-Skandale am Balkan geortet
Unterdessen tauchen weitere Verdachtsfälleauf: In Serbien berichtete der Sender „Free Europe“ über Montenegro-Geschäfte der Hypo, welche von österreichischen Ermittlern unter die Lupe genommen würden. Demnach sollen in Montenegro insgesamt 280 Mio. Euro an 75 Firmen vergeben worden sein. Eine Hypo-Sprecherin in Podgorica bestritt gegenüber dem Sender, dass es Ermittlungen im Zusammenhang mit den in Montenegro gewährten Krediten gebe.

Und in Kroatien sollen österreichische Polizeibeamte Dokumente über Verwicklungen im kroatischen Waffenhandel aufgetaucht sein. Der beschuldigte Ex-General Vladimir Zagroec bestreitet diese Vorhaltungen energisch.

 

ÖSTERREICH: In der Causa Hypo tauchen fast täglich Vorwürfe auf. Wie beschäftigen Sie sich mit dem Fall?
Günter Striedinger: Unterlagen zu sammeln und zusammenzustellen kostete mich enorm viel Zeit. Ich habe beim Verlassen der Hypo ja keine Ordner mitgenommen!
ÖSTERREICH: Ein Teil der Sie betreffenden Vorwürfe hat Balkan-Geschäfte zum Inhalt. Besonders ihr Kontakt zum kroatischen Ex-General Zagorec wird kritisch beleuchtet.
Striedinger: Zagorec war bei unserem Kennenlernen 2004 der höchstderokierte Militär von Kroatien. Es gab keinen Grund an seiner Integrität zu zweifeln. Er hatte erstklassige Immobilien. Bei den später eingeleiteten Verfahren gegen ihn in Kroatien hat man einen Österreich-Bezug hineinreklamiert, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe keine Gesellschaften zusammen mit Zagorec gegründet oder war oder bin irgendwo beteiligt.
ÖSTERREICH: Warum haben Sie die Hypo 2006 verlassen?
Striedinger: Sicher nicht wegen der Swap-Verluste. Es gab schlichtweg strategische Auffassungsunterschiede mit Kulterer, auch was neue Märkte betrifft. Ich fand auch die Öffentlichkeitsaktivitäten viel zu aggressiv. Es gab auch falsche Personalentscheidungen - das konnte und wollte ich nicht mittragen.
ÖSTERREICH: Sie kennen den Ex-Treasurer der Hypo, Christian Rauscher, aus ihrer Zeit in der Bank. Wie beurteilen Sie seinen Auftritt als Insider im Fernsehen?
Striedinger: Was er im ORF gesagt hat, daran ist aus meiner Wahrnehmung kein Fünkchen Wahrheit. Das ist wirklich ein Skandal, dass man jemand der für mehrere Hundert Millionen Swap-Verluste verantwortlich ist und wo es auch sonst sehr sehr fragwürdige Umstände und Vorfälle gegeben hat, so eine Bühne bietet.
ÖSTERREICH: Die Hypo-Filiale im Schloss Freyenthurn gab es aber.
Striedinger: Ja, ich glaube 1996 oder 1997. Da wurde eine kleine Wertpapierberatung für italienische Kunden eingerichtet, die repräsentativ sein sollte.
ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die U-Haft von Kulterer?
Striedinger: Egal unser Verhältnis ist - das wünscht man niemanden. Das ist eine schlimme Sache.
ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich, dass sie im Schussfeld stehen?
Striedinger: Haider ist tot, Zagorec sitzt in Haft, Kulterer auch. Da braucht man einen Schuldigen ohne Polit-Backing.
Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel