Weißmann-Rücktritt
ORF-Stiftungsrat betraut Ingrid Thurnher mit vorläufiger ORF-Führung
12.03.2026Der ORF-Stiftungsrat betraut am Donnerstag Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des ORF-Generaldirektors. Nach Rücktritt von Roland Weißmann als Generaldirektor. Peter Westenthaler fordert: "Alles auf den Tisch"
Der ORF-Stiftungsrat betraut am Donnerstag Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des ORF-Generaldirektors. Der Schritt ist nötig, da Roland Weißmann am Sonntag von der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses zurückgetreten ist. Ausschlaggebend waren Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die Weißmann zurückweist. Vor Sitzungsstart trat Stiftungsrat Peter Wesenthaler vor die anwesenden Pressevertreter und forderte, dass "alles auf den Tisch" müsse.
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Der von der FPÖ in das oberste ORF-Gremium entsandte Stiftungsrat sieht den Ruf des ORF durch die Causa "angeschlagen, um nicht zu sagen zerstört". In der Sitzung wolle er auch die Rolle des ORF-Managers Pius Strobl durchleuchten, der angeblich in die Causa verwickelt sein soll. Gegen diesen, aber auch ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer würden "schwere Vorwürfe" vorliegen.
Strobl: Betroffene nicht motiviert
Strobl äußerte sich in einem "Standard"-Interview am Donnerstag zur Causa. Dabei bestätigte er, dass Weißmann eine ihm vom früheren ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vertraglich zugesicherte Pensionsregelung nicht umsetzen wollte und er sie nach seinem ORF-Abschied einklagen müsste. Die letzte Korrespondenz dazu habe aber bereits 2023 stattgefunden. Die Weißmann angelasteten Vorkommnisse würden aber in keinem Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit und Leistung stehen. "Täter bleibt immer noch Täter", hielt Strobl fest. Für Weißmann gilt die Unschuldsvermutung.
Strobl bestätigte, dass er denselben Anwalt wie die betroffene Frau habe. Er dementierte jedoch, dass er sie zur Erhebung der Vorwürfe motiviert habe.
Anpassung der Geschäftsordnung
In der Stiftungsratssitzung ist auch eine Anpassung der Geschäftsordnung Thema. Geplant ist, eine straffere Debattenführung zu ermöglichen. Im Falle von hartnäckigen Störungen können künftig auch Ordnungsrufe und der Entzug des Rederechts erfolgen. Zur Abkühlung der Gemüter soll es auch möglich sein, eine Sitzung zu unterbrechen. Westenthaler befürchtet, dass durch die neue Geschäftsordnung eine "Diktatur ausbricht".
Lederer hat am Mittwoch betont, dass die Änderungen an der Geschäftsordnung kein "Alleinwerk" seien, sondern es eine breite Debatte dazu gegeben habe. Auf die Mitnahme von Maulkorb und Peitsche in die Gremiensitzungen wolle er verzichten. Er geht davon aus, dass Ordnungsrufen Folge geleistet werde und nicht länger Kollegen angeschrien oder unter Druck gesetzt werden. Das Verhalten von Westenthaler hatte in vergangenen Sitzungen mehrfach für Unmut unter anderen Stiftungsräten gesorgt.
Zwei Ausschreibungen in kurzer Zeit
Eine Ausschreibung für den ORF-Generaldirektorenposten bis Jahresende soll laut Stiftungsratsvorsitzenden Lederer "unverzüglich" folgen. Es ist anzunehmen, dass sich die gegenwärtige ORF-Radiodirektorin Thurnher dafür auch bewirbt. Wenig später erfolgt Anfang Mai die Ausschreibung für die eigentliche fünfjährige Generaldirektor-Funktionsperiode ab 2027. Bis dahin hätte Weißmann Österreichs größtes Medienhaus steuern sollen.
Eine Ausschreibung für den ORF-Generaldirektorenposten bis Jahresende kündigte ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer für die nahe Zukunft an. Es ist anzunehmen, dass sich die gegenwärtige ORF-Radiodirektorin Thurnher dafür auch bewirbt. Wenig später erfolgt Anfang Mai die Ausschreibung für die eigentliche fünfjährige Generaldirektor-Funktionsperiode ab 2027. Bis dahin hätte Weißmann Österreichs größtes Medienhaus steuern sollen.