Umstrittener Urologe als Tiroler
Millionen-Skandal um Pfusch-Tests
Kirchberg. Er habe weder die fachliche Qualifikation noch Ausbildung, um die PCR-Tests zu interpretieren, heißt es. Die Rede ist von Ralf Herwig, einem umstrittenen Urologen, der der „Testmeister“ von Tirol ist. Die HG Pharma – eine Tochterfirma der HG Labtruck – von Herwig hat von September bis März 220.000 PCR-Tests in Tirol durchgeführt. Das sind über 50 Prozent der Tests.
8 Millionen Euro
Er ist – weil er mobile Labore hatte – vom Land Tirol beauftragt worden. Die Höhe des Auftrages ist äußerst lukrativ: acht Millionen Euro.
Woher er die Tests hatte, scheint nicht klar zu sein. Seine vermeintlichen Partner, die Procomcure Biotech, klagt ihn mittlerweile. Und auch die Kompetenz seiner Laborbefunde wird in Zweifel gezogen.
Den starken Anstieg der südafrikanischen Variante im Jänner/Februar in Schwaz hatte die MedUni Innsbruck publik gemacht. Er alarmierte kürzlich wegen einer neuen Fluchtvariante, die in Tirol entstanden ist. Eine Mischform der britischen und südafrikanischen. Die ist zwar tatsächlich ein Problem, aber über 50 Prozent der Befunde, die er als Fluchtvariante ausgestellt hatte, waren falsch.
Für Befunde bräuchte der Mediziner, der derzeit aufgrund eines Disziplinarverfahrens nicht praktizieren darf, einen Fachkollegen.
Unklar, wer für ihn Befunde erstellte
Ob also jemand für seine Firma die Befunde erstellte, ist nicht bekannt. Sein Vertrag läuft bis Juni 2021. Der Sitz der Firma ist in Kirchberg. Diese Woche findet in Wien gegen den deutschen Urologen ein Prozess wegen des Verdachts der Körperverletzung durch verpfuschte Operationen statt.