"Heldenplatz"

Theater: "Sechseinhalb Millionen Debile"

07.09.2010

Bernhards Skandalstück "Heldenplatz“ wird in der Josefsstadt aufgeführt.

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Vor 22 Jahren wurde eine Theaterpremiere hierzulande so heftig debattiert wie heute nur Umwelt- oder Naturkatastrophen: Thomas Bernhards Heldenplatz. Die Uraufführung bestritt Claus Peymann am Wiener Burgtheater, vor dem als "rechts-rechtes“ Statement zuvor eine Ladung Mist abgeladen worden war.

Proteste
Auch während der Vorführung hagelte es Proteste: So wurden von den Balkons aus Flugzettel gegen Bernhard & Peymann in Umlauf gebracht und Transparente entrollt. Die Pro- und Kontra-Zwischenrufe hielten sich im Laufe des Abends die Waage.

"Umbringen" und "friedhofsreif schlagen"
Währenddessen tobte Wolfgang Gasser auf der Bühne als Professor Schuster und sprach Sätze, die damals ein ganzes Land erregten, mittlerweile schon legendär sind: "Österreich selbst ist nichts als eine Bühne, auf der alles verlodert, vermodert und verkommen ist, eine in sich selbst verhasste Statisterie von sechseinhalb Millionen Alleingelassenen, sechseinhalb Millionen Debilen und Tobsüchtigen.“

Nach der Premiere wurden Bernhard und Peymann verbal attackiert: "In der Billrothstraße hat mir gestern einer nachgeschrien: ‚Umbringen sollt’ ma Ihnen!‘“ (so Bernhard). "Drecksau, den Schädel friedhofsreif schlagen“ (so Peymann).

Theater- und TV-Star Michael Degen
Im Theater in der Josefstadt will man nun prüfen, ob – bzw. beweisen, dass – Heldenplatz über die damalige Erregung hinaus ein Stück ist, das Nachhaltigkeit besitzt. Ab Donnerstag, 9.9. verkörpert der Theater- und TV-Star Michael Degen den räsonierenden, nörgelnden und sich echauffierenden Professor Schuster.

Autor: Christoph Hirschmann (ÖSTERREICH)

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