Mutter schaute zu!

Häfenurlauber brach Baby mehrere Knochen

28.05.2026

Ein Häftling, der während seines Freigangs ein Kind gezeugt hatte, soll das wenige Monate alte Baby mehrfach schwer misshandelt haben. Die Mutter ist als Beitragstäterin angeklagt, weil sie "weggeschaut" haben soll. Beide wollen nicht wissen, wie es zu den Verletzungen kommen konnte.

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© GettyImages d3sign
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Wien. Weil er seine wenige Monate alte Tochter mehrfach schwer misshandelt haben soll, ist am Donnerstag am Wiener Landesgericht gegen einen 39-jährigen Mann verhandelt worden. Die Anklage legte ihm schwere Körperverletzung zur Last. Der Vater soll das im Oktober 2024 geborene Baby zumindest zwei Mal gegen eine harte Unterlage gestoßen und dem Mädchen die Beine verdreht haben, was multiple Knochenbrüche zur Folge hatte. Die Mutter der Kleinen war als Beitragstäterin mitangeklagt.

Der Staatsanwalt kreidete der 30-Jährigen an, die Übergriffe ihres Partners mitbekommen und nichts dagegen unternommen zu haben. Obwohl sie von der Gewaltbereitschaft des Mannes wusste und dieser ihre ältere, aus einer vorangegangenen Beziehung stammende Tochter in ihrem Beisein gequält hatte, habe sie diesen immer wieder bei dem gemeinsamen Kind allein gelassen. Die Eltern wiesen die gegen sie gerichteten Vorwürfe zurück.

Vater fühlte sich "absolut nicht schuldig"

Er sei "absolut nicht schuldig", erklärte der Vater. Er sei "fassungslos", was seiner Tochter - von wem auch immer - widerfahren sei. Es sei sein erstes Kind, auf das er sich "irrsinnig" gefreut hätte. Auf die Frage, wie er sich die Verletzungen erkläre, meinte er: "Was daheim abging, kann ich nicht sagen." Und er brachte einen anderen Mann als möglichen Täter ins Spiel: "Pure Fantasie: ein fremder Mann, eine Affäre, der eifersüchtig auf mich war."

Die Angeklagten hatten sich während eines Freigangs des Mannes kennengelernt, dessen Strafregister insgesamt vier Verurteilungen wegen verschiedener Gewaltdelikte aufweist. Er saß zuletzt bis März 2025 in einer Justizanstalt eine längere Freiheitsstrafe ab. Das Kind zeugte er während eines Hafturlaubs bzw. Freigangs, bei der Geburt durfte er mit Genehmigung der Justizanstalt dabei sein. Ab Herbst 2024 verbrachte er monatlich drei von vier Wochenenden bei seiner Partnerin, an den Sonntagabenden "rückte" er dann wieder im Gefängnis ein.

Jeweils an Wochenenden soll es zumindest zu zwei gegen das Baby gerichteten Gewalttätigkeiten gekommen sein. Mitte Februar 2025 begab sich die Mutter mit dem Kleinkind zu einem Kinderarzt, der das Baby sofort in ein Spital überstellte. Dort wurde eine frische Verletzung am Schienbein, Striemen an den Innenseiten beider Beine und eine vom Sprunggelenk bis zum großen Zeh reichende Blutunterlaufung am rechten Fuß festgestellt. Daneben konnten die Ärzte ältere Verletzungen nachweisen: einen Bruch am linken Schienbeinschaft, Eckfrakturen an beiden Schienbeinen und Schaftbrüche an der rechten Elle und Speiche.

Mutter: "Ich bin selber erschrocken"

Auf die Frage, wie sie sich diese gravierenden Verletzungen erkläre, erwiderte die Mutter im Grauen Haus: "Ich weiß es nicht. Ich bin selber erschrocken." Sie sei mit ihrer Jüngsten "wegen eines angeschwollenen Fußes" zum Arzt gegangen. Ihr Partner, mit dem sie im Sommer 2023 zusammengekommen sei, sei gegenüber seiner eigenen Tochter "sehr okay" gewesen. Sie habe keine Gewalttätigkeiten gegen das Baby mitbekommen. Sie selbst sei immer "sorgfältig" mit ihren Töchtern gewesen: "Ich kann meinen Kindern nichts tun. Ich schwöre auf meine Kinder, ich habe noch nie einen blauen Fleck auf meinen Kindern gesehen."

Ihre ältere Tochter habe ihren Partner aber "nicht gemocht", räumte die 30-Jährige ein: "Er hat sie sekkiert. Er hat sie in die Backen gezwickt. Das war ihr anscheinend zu fest." Auch mit Beschimpfungen habe er die Vierjährige bedacht.

Das Paar hat sich mittlerweile getrennt. Das Jugendamt intervenierte nach Bekanntwerden der Kindesmisshandlungsvorwürfe. Die Kinder kamen zu Krisenpflegeeltern. Es gilt die Unschuldsvermutung.