HiPP-Rückruf - Chronologie einer Erpressung

02.05.2026

Seit zwei Wochen halten mutmaßlich mit Rattengift manipulierte HiPP "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm unter anderem Österreich in Atem. 

Zur Vollversion des Artikels
© APA/TOBIAS STEINMAURER
Zur Vollversion des Artikels

Der Babynahrungshersteller rief die Produkte zurück, nachdem eine Erpressungs-E-Mail in einem selten gesichteten Postfach entdeckt wurde. Ein möglicherweise mit Gift versetztes und im Burgenland verkauftes Gläschen wird noch fieberhaft gesucht. Am Samstag wurde ein Verdächtiger festgenommen.

17. April 2026 - HiPP ruft sein gesamtes Babykostgläschen-Sortiment bei Spar Österreich zurück. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm ein gefährlicher Stoff eingebracht wurde. "Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein", wurde betont.

18. April 2026 - Ein in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestelltes Gläschen, das bei einem Spar-Markt in Eisenstadt gekauft wurde, wird positiv auf Rattengift getestet. Ein Erpressungsversuch steht im Raum. Es wird bekannt, dass die manipulierten Produkte mit einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden markiert sind. In Tschechien und der Slowakei sind ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt worden.

19. April 2026 - Die Polizei geht davon aus, dass noch ein zweites manipuliertes Gläschen im Burgenland, beim selben Spar-Markt in Eisenstadt, gekauft wurde. Ein Hinweis aus Deutschland bezog sich auf dieses Geschäft.

20. April 2026 - HiPP bestätigt in einer Aussendung, Opfer einer Erpressung zu sein. Der Täter sandte eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach, welches nur in größeren zeitlichen Abständen gesichtet wird. Seit 16. April war die E-Mail der mutmaßlichen Täter bekannt. In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden seither insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser vor dem Verzehr sichergestellt. Ein mit Rattengift versetztes Glas könnte in Österreich noch in Umlauf sein. Die Drogeriemarkt-Kette dm nimmt das HiPP "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm vorsorglich aus dem Verkauf. Weitere Supermärkte folgen.

21. April 2026 - Geschäftsführer Stefan Hipp äußert sich erstmals zu dem Fall. Das Drohschreiben sei am 27. März in einem allgemeinen Mail-Postfach eingelangt, das alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werde. Am 16. April wurde die E-Mail entdeckt. Man habe sofort nach Kenntnisnahme die deutsche Polizei informiert, einen internen Krisenstab eingerichtet und Maßnahmen ergriffen, um die Verbraucher zu schützen. Im Burgenland sucht die Polizei nach wie vor nach einem zweiten Glas mit Hipp-Babynahrung, das mutmaßlich mit Rattengift manipuliert wurde.

24. April 2026 - In dem manipulierten Glas mit Hipp-Babynahrung, das am 18. April in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellt wurde, waren 15 Mikrogramm Rattengift. Ob diese Dosis für ein Kind hätte tödlich sein können, wird noch ermittelt. Um welche Art von Rattengift es sich handelt, wird nicht bekanntgegeben. Die Polizei sucht weiter nach dem zweiten mutmaßlich manipulierten Glas.

30. April 2026 - Das zweite Hipp-Glas, das mutmaßlich mit Rattengift manipuliert wurde, wird im Burgenland weiterhin gesucht. Auch die ungarischen Behörden wurden informiert, falls die Babynahrung von Personen aus dem Grenzgebiet gekauft wurde. Die Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung. Die deutschen Behörden ermitteln in dem Fall wegen des Verdachts der versuchten Erpressung des Babykostherstellers.

2. Mai 2026 - Ein Verdächtiger wird festgenommen. Es handelt sich um einen 39-jährigen Mann. Details wurden von der Landespolizeidirektion Burgenland aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.