FALL DER WOCHE
TikTok befeuerte Mordgelüste von 14-jähriger Friedhofs-Killerin
14.03.2026Neue Infos und Aspekte im Fall einer auf einem Wiener Friedhof ermordeten Magistratsbeamtin (64) werfen viele unangenehme Fragen vor allem über unsere Web-Welt auf, warum eine 14-Jährige zur Killerin einer ihr völlig fremden Frau wurde.
Wien. Vorab zur schaurigen Erinnerung: Ende Februar, es war ein Montag, wurde am Friedhof Baumgarten in Penzing die Leiche einer brutal in den Hals und Kopf gestochenen Besucherin gefunden: Andrea Sch., 64, mitnichten Pensionistin, wie anfangs vermutet wurde, sondern nach wie vor fleißige und engagierte Referendarin in Fragen der Frauengesundheit beim Wiener Magistrat, hatte das Grab ihrer Eltern aufgesucht und war wie aus dem Nichts hinterrücks von einem Teenie mit einem Messer attackiert worden. Die Akademikerin verblutete vor Ort.
Die Angreiferin filmte ihr niedergemetzeltes Opfer und verschickte Fotos über soziale Netzwerke an Freunde, die entsetzt die Polizei alarmierten. Aufgegriffen wurde die Täterin, die tatsächlich noch Blut an den Händen hatte, in der näheren Umgebung des Friedhofes - in einer sozialpsychiatrischen Wohngemeinschaft der MA 11, wo die junge Teenie-Täterin offenbar eine völlig falsch behandelte und geführte Insassin und Patientin war.
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Beim ersten Anblick der Kripo, die das Mädchen abführte, wollte die 14-Jährige mit den Piercings in beiden Nasenlöchern und einem weiteren silbernen Ring in der Unterlippe - auf den letzten mittlerweile aus dem Internet entfernten Bildern zeigt sie sich obendrein mit pechschwarzen kurzen, über die Augen hängenden Haaren, einem Hundehalsband und einem Riesen-Kruzifix um den Hals - "nur eine Zigarette". Die Bluttat selbst erklärt sie in den ersten Vernehmungen ihrer Rolle als Emo-Gruftie entsprechend mit den Worten: "Ich hatte einfach diesen Drang, jemanden zu töten."
Dieser Drang bzw. woher er kam, ist jetzt die große Frage bei der Beurteilung des Geisteszustandes der Tochter einer aus dem Irak zugewanderten kurdischen Familie. Der Vater, ein Taxiunternehmer, starb vor Jahren an Parkinson, von den beiden großen Schwestern soll eine an Depressionen leiden, die andere dagegen ist extrem extrovertiert und in der Tuning- und CBD-Szene daheim. Die Mutter scheint völlig überfordert zu sein, als ihre Jüngste schon in der Volksschule psychische Auffälligkeiten zeigt, die sich mehr und mehr verstärken, je länger und öfter sie das Handy in die Hand nimmt.
Man muss es offen aussprechen: Das Web 2.0, das Mitmachnetz, ist ein Spinnennetz und das Smartphone eine Tarantel, die ihre User, die eigentlich Opfer sind, mit ihrem (a)sozialen Netzwerken befeuert, was sie kurz interessiert und mit dem sie dann ausschließlich und pausenlos konfrontiert werden. Labile radikalisieren sich in kürzester Zeit - die einen zu Islamisten (siehe den Attentäter von Villach), andere wie die 14-Jährige versteigen sich in andere Horrorfantasien:
Allein das TikTok-Profil und wenige noch vorhandene Spuren auf dieser Plattform zeigen, wohin die Reise ging: In ihren Online-Namen kommt immer irgendwo das Wort "ashtray" (also Aschenbecher) vor, ihre bevorzugte Musik scheint norwegischer Black Metal (etwa Tsjuder und das Album "Kill for Satan") zu sein, bei den bevorzugten Hashtags sind #piercings oder #kaktusse dabei. Dazu kommt ein sich ständig steigerndes Faible für (Serien-)Killer wie Jeffrey Dahmer oder zuletzt für eine 15-Jährige, die in den USA die neunjährige Nachbarstochter ermordet hat, weil sie wissen wollte, wie es sich anfühlt, jemanden zu töten.
Die Mutter konnte das Abdriften ihrer Tochter längst nicht mehr stoppen und auch in der betreuten WG fand man offenbar keine geeignete Therapie, damit die 14-Jährige sich aus dem Fangnetz der Kurz- und Wisch-Infos befreit. Die Grunderkrankung des Teenies, die sich mit dem Messer zunächst selbst und teils schwer verletzte, wurde möglicherweise nicht korrekt diagnostiziert: Selbstverletzungen und Borderline gehen gleichsam Hand in Hand, bei ihr dagegen ist man sich nicht ganz einig und deshalb bekommt sie gleich fünf schwere Psychopharmaka, die sie so verdrehen, dass sie sich auch noch LSD und Kokain reinpfeift - gegen den Dealer in der Rennbahnwegsiedlung sollte übrigens dringend ermittelt werden -, wie sie die Drogen mit 10 Euro Taschengeld die Woche bezahlt hat, sei dahingestellt.
Am Tattag pfiff sich die Schülerin, die nicht mehr zur Schule ging, sondern alle Freizeit auf Friedhöfen verbrachte, einen Blister, also gleich 10 Stück Benzos rein, um sich zu beruhigen und runterzukommen, was aber zum gegenteiligen Effekt führte: Blutrausch mit Ansage, die von allen ausgeblendet wurde? Mit großer Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass bei der Teenie-Verdächtigen Unzurechnungsfähigkeit festgestellt wird, was der Mandantin von der bekannten Anwältin Astrid Wagner einen Mordprozess ersparen und eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum bis zur Heilung einbringen könnte.
Was TikTok und Co. betrifft, urteilen Sie selbst. Solange Sie es noch können ...