Das Nachzüglerkind in einem 4-Frauen-Haushalt in Wien - der Vater, ein Taxiunternehmer starb, als der jetzt in U-Haft sitzende Teenie noch ganz klein war - erstach mit einem Taschenmesser eine trauernde Frau am Friedhof. Wie konnte es soweit kommen?
Wien. Spurensuche im Fall der 14-Jährigen, die dem ganzen Land einen Schock versetzt hat, als das psychisch kranke, bisher eher durch Autoaggressionen aufgefallene Mädchen die 64-jährige Akademikerin Andrea S. am Baumgartner Friedhof tötete: Ihr Vater, ein irakischer Kurde aus Erdil, kam in den frühen 1980er-Jahren, integrierte sich und die wachsende Familie bestens, zuletzt war er Taxiunternehmer mit bis zu 15 Mitarbeitern - doch dann erkrankte er und starb in einer Pflegeeinrichtung vor knapp 10 Jahren. Der Mann hinterließ eine trauernde Ehefrau, zwei heute erwachsene Töchter und die kleine Nachzüglerin, die jetzt im Gruftie-Look (ganz in Schwarz mit schwarzen langen Haaren und vielen Piercings im völlig teilnahmslosen Gesicht) zur Horror-Tat von Penzing schritt.
- Friedhofskillerin (14) in U-Haft auf Krankenstation
- Friedhof-Killerin (14) nach Geständnis an Justiz überstellt
- Teenie-Killerin (14) wollte bei Festnahme nur eine Zigarette
- Messer-Overkill auf Friedhof war "nicht vorhersehbar"
Hier wurde die Jugendliche regelmäßig in der Tagesklinik für psychisch erkrankt Kinder und Teenies behandelt.
Wie und warum das Mädchen psychisch derart abgebogen war, dass sie sich mit Messer ständig selbst verletzte und das klinische Bild einer nicht mehr zu bändigenden "Ritzerin" entwickelte, ist noch völlig unklar. Bekannt ist, dass sie schon seit ihren Kinderjahren depressiv und todesorientier gewesen sein dürfte. Die verwitwete alleinerziehende Mutter wusste sich jedenfalls nicht mehr anders zu helfen, als die 14-Jährige, die ab Herbst auch nicht mehr zur Schule ging, im November in die Obhut der Wiener Kinder- und Jugendhilfe Wien zu geben und auch die Obsorge an die MA 11 zu übertragen.
Das Mädchen kam in eine sozialpsychiatrische Wohngemeinschaft mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung, wobei sie aber nicht eingesperrt war, was gesetzlich auch nicht möglich ist. Zugleich wurde sie im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulatorium Penzing behandelt - es soll auch eine Diagnose geben: Borderline, Schizophrenie oder manische Depression, die mit schweren von Antipsychotika behandelt wurde. Zuletzt soll die 14-Jährige nach mehr als 100 Tagen in der WG wieder auf einem guten Weg gewesen sein, sie machte bei der Behandlung aktiv mit und wollte wieder zur Schule - doch dann, es war vergangenen Montag, verwandelt sich die Wut nach innen plötzlich nach außen und die Gewalt explodierte beim Schlendern durch den Friedhof. Ein unbändiger Drang, jemanden zu töten überkam die Jugendliche, mehr als fünf Mal stach sie auf eine ihr völlig unbekannte Frau und filmte die Leiche mit dem Handy und lud Fotos bzw. Filmsequenzen per Snapchat hoch. Unklar ist, ob es einen Empfänger der Horror-Pics oder gar einen "Auftraggeber" gab.
Die Tatwaffe, ein Messer mit einer Klinge und braunem Griff, hatte sich die 14-Jährige vor der Tat um rund 10 Euro gekauft.
Blutspuren zeigen, wo das Massaker stattgefunden hat.
Bekannt geworden ist, dass die Friedhofs-Killerin vor der Bluttat - als sie geschnappt wurde, wollte sie nur eine Zigarette und sprach davon, "keine Gefühle" mehr zu haben - zehn Tabletten eines verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittels aus der Gruppe der Benzodiazepine (nämlich "Xanax") genommen hat. Warum sie auf die Benzos, die normalerweise ruhigstellen, ganz im Gegenteil reagierte, kann nur mit zusätzlichem Alkohol- oder Drogenkonsum erklärt werden. oe24-Infos zur Folge soll sie, wenn sie abgetaucht war, Kokain und LSD konsumiert haben.
Derzeit liegt das Mädchen in der JA Josefstadt auf der Krankenstation - in einem Einzelzimmer und aufgrund von extremer Suizidgefahr streng überwacht. Das Anwaltsteam macht sich inzwischen dafür stark, dass der Teenager die U-Haft in vorläufiger Anhaltung in einem Spezialspital für psychisch Erkrankte (etwa in Hietzing) verbringt. Alles sieht danach aus, dass es zu keinem Mordprozess kommt, sondern dass schließlich nur über eine Einweisung auf die Forensik verhandelt werden könnte. Dort könnte sie solange untergebracht werden, bis sie psychisch gesundet ist und keine Gefahr mehr von ihr ausgeht.
Staranwältin Astrid Wagner.
Derzeit liegt das Mädchen in der Justizanstalt Josefstadt auf der Krankenstation - in einem Einzelzimmer und aufgrund von extremer Suizidgefahr streng überwacht. Das Anwaltsteam (Mag. Dominique Perl und die bekannte Strafverteidigerin Astrid Wagner) macht sich inzwischen dafür stark, dass der Teenager die U-Haft in vorläufiger Anhaltung in einem Spezialspital für psychisch Erkrankte, etwa in Hietzing, verbringt. Alles sieht danach aus, dass es zu keinem Mordprozess kommt, sondern dass schließlich nur über eine Einweisung auf die Forensik verhandelt werden könnte. Dort könnte sie solange untergebracht werden, bis sie psychische gesundet ist und keine Gefahr mehr von ihr ausgeht.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
Arthur Altbart, Juniorchef des gleichnamigen Bestattungsunternehmens, wurde Zeuge der schrecklichen Ereignisse.
Zurück bleibt derweil Sprachlosigkeit und völliges Unverständnis, wie ein junger Mensch sich im Laufe einer angeblich so positiv verlaufenden Behandlung so negativ entwickeln konnte. Der Junior-Chef des Bestattungsunternehmens Altbart schildert gegenüber oe24 eindringlich die schrecklichste Zeit, die er am Montag erleben musste: ""Ich bin zwar am Friedhof und mit dem Thema Tod groß geworden, aber eine (mutmaßliche, Anm.) Mörderin neben mir stehen zu sehen, mit diesem emotionslosen Blick und keinem einzigen Anzeichen von irgendwas, das ihr leid tut, war schon echt hart."