Lauscher am Dach

So spioniert Russland mitten in Wien

13.03.2026

Russland nutzt Wien offenbar als Knotenpunkt für Satellitendaten. In der Donaustadt wächst ein "Antennenwald" für die Russland-Spionage, den das Außenministerium lichten will. Die Aktivitäten sorgen für Wirbel.

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Wien gilt als Dreh- und Angelpunkt für internationale Geheimdienste. Nun rückt die russische Signalaufklärung verstärkt in den Fokus der Behörden. Das Außenministerium bestätigte gegenüber dem "ORF", dass man bereits in intensivem Kontakt mit der russischen Botschaft stehe, um gegen diese Signalaufklärung vorzugehen. Ziel ist es, den sogenannten "Antennenwald" gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden "mit Nachdruck" zu lichten.

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Besonders auffällig ist eine große Anlage auf den Dächern der russischen Diplomatensiedlung in der Donaustadt. Diese wurde seit Beginn des Ukraine-Krieges laufend erweitert. Laut dem Journalisten Erich Möchel, der die russischen Aktivitäten mit Funkamateuren beobachtet, werden die Parabolantennen dort regelmäßig bewegt. Die Spiegel schauen auf wechselnde Ziele, um Daten und Informationen abzusaugen, die internationale Organisationen über das Satelliteninternet verschicken. Möchel schätzt laut "ORF"-Bericht, dass mindestens zwei Dutzend Mitarbeiter für den Betrieb dieser Station nötig sind.

Der "ORF" zitiert einen Verfassungsschutzbericht, in dem die Anlage in der Donaustadt erwähnt wird. "Die internationale Reputation Österreichs nimmt durch die russischen Aktivitäten im Bereich der Signalaufklärung, ausgehend von Wien, Schaden", heißt es darin.

"Antennenwald" auf der russischen Botschaft

Auch im dritten Bezirk gibt es verdächtige Entdeckungen zur Signalaufklärung. Auf dem Dach der russischen Botschaft wurden etwa sechs bis acht Satellitenantennen gesichtet. Eine davon ist laut Möchel eindeutig so positioniert, dass sie einen Satelliten-Downlink im Visier hat, der nicht für Russland bestimmt ist.

Andere EU-Länder haben technisches Botschaftspersonal der Russen ausgewiesen, um die dort bestehenden Abhörstationen funktionsunfähig zu machen. Seit Beginn des Ukraine-Krieges hat Österreich elf russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen. Derzeit sind noch 225 Personen an russischen diplomatischen Vertretungen akkreditiert.

Ob die Bemühungen des Ministeriums Erfolg haben, bleibt fraglich. "Da wird die Frau Außenministerin einen sehr schweren Stand haben, wenn sie sich darüber beschwert", sagt Möchel gegenüber dem "ORF". Denn: Das Heeresnachrichtenamt der neutralen Republik Österreich betreibt auf der Königswarte in Kittsee gemeinsam mit der amerikanischen NSA eine eigene große Anlage zur Nachrichtenaufklärung. Diese militärische Kooperation könnte die österreichische Verhandlungsposition gegenüber Russland erschweren.