Host kan Genierer?

Wiener Linien sagen Öffi-Nervensägen den Kampf an

05.03.2026

Der Weg durch die Stadt führt für viele Wienerinnen und Wiener täglich durch U-Bahn, Bus oder Bim. Gerade dort treffen unterschiedlichste Gewohnheiten und Temperamente aufeinander. Die Wiener Linien wollen mit einer neuen Kampagne das Miteinander in den Öffis verbessern. 

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Laute Telefonate über Lautsprecher, Videos ohne Kopfhörer oder Essensgerüche im Waggon sorgen in Wiens Öffis immer wieder für Unmut. Die Wiener Linien wollen dem täglichen Ärger jetzt mit einer neuen Kampagne begegnen und setzen dabei vorerst auf Humor und Wiener Schmäh.

Mehr als 2,4 Millionen Menschen fahren täglich mit U-Bahn, Bus und Straßenbahn. Wenn viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, reichen schon kleine Unachtsamkeiten, damit die Stimmung kippt. Genau hier setzt die Kampagne "Host kan Genierer?" an.

© TB

"Wo täglich Millionen Menschen aufeinandertreffen, braucht es klare Spielregeln und gegenseitige Rücksichtnahme. Niemanden interessieren lautstarke Debatten über Beziehungsprobleme anderer Mitfahrender oder deren Wochenendplanung. Eine Beschallung des ganzen Waggons braucht wirklich niemand", betont Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Viele fühlen sich gestört

Eine aktuelle Umfrage der Wiener Linien mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestätigt den Eindruck vieler Fahrgäste. 86 Prozent fühlen sich durch lautes Telefonieren oder Videos ohne Kopfhörer gestört. Gleichzeitig geben nur neun Prozent an, selbst schon einmal so telefoniert oder Inhalte abgespielt zu haben.

Die Zahlen zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen eigener Wahrnehmung und der Wirkung auf andere Fahrgäste. Genau dieses Spannungsfeld greift die Kampagne auf.

Überzeichnete Szenen aus dem Öffi-Alltag

Ab 9. März hängen die Kampagnenplakate im gesamten Stadtgebiet. Die Motive zeigen typische Situationen aus dem Alltag der Öffis in übertriebener Form. Ein riesiges Handy dominiert den ganzen Waggon, eine überdimensionierte Leberkässemmel verbreitet ihren penetranten Duft und ein gewaltiger Rucksack versperrt den Platz für andere.

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"Rücksichtnahme ist kein Luxus, sondern die Basis für ein funktionierendes Miteinander. Gerade in einem System, das täglich Millionen Menschen bewegt", sagt Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke.

Kontrollen und Strafen

Neben der Bewusstseinskampagne setzen die Wiener Linien auch auf stärkere Kontrollen. Mitarbeiter sollen Fehlverhalten ansprechen und Fahrgäste auf die bestehenden Regeln aufmerksam machen. "Unsere Regeln gelten für alle. Die meisten Fahrgäste halten sich daran. Wir wollen jene erreichen, die sich der Wirkung ihres Verhaltens oft gar nicht bewusst sind", so Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl.

In den nächsten Monaten werden die Wiener Linien den Effekt der Kampagne überprüfen. Sollte sich die Situation nicht bessern wird man eventuell eine weitere Kampagne starten oder gleich Strafen verteilen.

Zusätzlich begleitet ein Kampagnensong mit dem Titel "Ka Genierer" die Aktion. Das Lied greift einen bekannten Song von Georg Danzer auf und übersetzt den Öffi-Alltag mit einem Augenzwinkern musikalisch. Ziel bleibt eine einfache Botschaft für den täglichen Weg durch die Stadt. Ein bisserl Rücksicht macht die Fahrt für alle angenehmer.