Außenminister im Interview

Kurz: "Ich plane, rasch Israel zu besuchen"

17.12.2013

Welt staunt über jungen Minister. Im Ausland ist er schon ein "Wunderwuzzi".

Zur Vollversion des Artikels
© APA
Zur Vollversion des Artikels

Mit so viel Aufmerksamkeit hat Sebastian Kurz wohl nicht gerechnet: UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat ihm schon am Dienstag – an seinem ersten Tag als neuer Außenminister – gratuliert. Und internationale Medien – von der deutschen Bild bis zur chinesischen China Times – berichten liebevoll-überrascht über den erst 27-jährigen Außenminister aus Österreich.

Selbst in deutsche Talkshows hat es der Schützling von VP-Vizekanzler Michael Spindelegger geschafft. Dass ihn manche als „Baby-Minister, der in Disneyland seine Antrittsrede hält“, verspotten, stört ihn nicht weiter.

Er selbst sagt im ÖSTERREICH-Interview, dass er „diese Aufmerksamkeit nutzen möchte, um meine politischen Standpunkte zu vermitteln“. Und mit Häme hatte Kurz bereits als 25-jähriger Staatssekretär gestartet und dann im Amt gepunktet.

Kurz startet mit Reise nach Kroatien
Keine Frage, Kurz ist der internationale Star dieser Regierung. Und er ist sich der „großen Herausforderung bewusst“.

Am Dienstag startete er seinen Arbeitstag bereits um 6.30 Uhr. Danach saß er stundenlang im Parlament und lauschte der Regierungserklärung von Kanzler Werner Faymann.

Abends beriet er sich mit den Mitarbeitern im Außenamt – und wurde dazwischen immer wieder von internationalen Außenministern angerufen. Der „Junge“ ist eben die Attraktion.

Bereits am Freitag startet der jüngste Außenminister Europas jedenfalls seine erste Dienstreise: „Ich fahre nach Kroatien, weil es das jüngste EU-Mitglied ist und ein Land ist, mit dem wir wirtschaftlich eng verbunden sind“, sagt Kurz ÖSTERREICH. Und schon bald möchte er „nach Israel reisen“. Dort wird der junge Mann aus Wien übrigens wohlwollend beobachtet: Er schaffte es sogar auf die Titelseite der israelischen Zeitung Haaretz …

Außenminister Kurz im Interview: "Jedes Amt ist riskant"

ÖSTERREICH: Sie sorgen als jüngster Außenminister Europas international für Aufsehen. Überrascht?
Sebastian Kurz: Ich freue mich über sehr viele positive Stimmen. Schwedens Außenminister Carl Bildt hat mir auf Twitter gleich gratuliert. Und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat mich nach meiner Angelobung angerufen. Das ist natürlich schön und gibt mir die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit zu nutzen, um meine politischen Standpunkte zu vermitteln. Insofern bin ich positiv überrascht.

ÖSTERREICH: Welche Akzente wollen Sie in der Außenpolitik setzen?
Sebastian Kurz: Vom Zugang her ist es mein Ziel, das Ministerium weiterhin als Serviceeinrichtung für alle Österreicher zu etablieren. Wir haben 500.000 Auslandsösterreicher und unzählige Menschen, die weltweit Urlaub oder Geschäfte machen, sie alle sollen das Außenamt auch als Servicestelle nutzen können.

ÖSTERREICH:
Welche inhaltlichen Visionen haben Sie?
Sebastian Kurz: Ich glaube, dass wir nicht nur Mitgliedsstaat in der EU sind, sondern auch eine aktive Rolle in der EU haben. Hier kann ich einen jungen Blickwinkel auf die Union einbringen. Ich bin mit der EU als Selbstverständlichkeit aufgewachsen.

ÖSTERREICH:
Die EU-Politik wird aber eher vom Kanzler bestimmt, oder?
Sebastian Kurz:  Der Bundespräsident ist derjenige, der Österreich nach außen vertritt. Und natürlich hat auch der Bundeskanzler eine internationale Aufgabe. Aber ich kann als Außenminister da auch eine starke Rolle spielen. Und ich denke, dass ich mithelfen kann, ein Stück weit ein modernes und weltoffenes Bild von Österreich in der Welt zu vermitteln.

ÖSTERREICH: Die Außenpolitik ist zuletzt mit zwei Blamagen aufgefallen: dem Abzug vom Golan und der Besetzung bei den Trauerfeierlichkeiten für Mandela. Wie sehen Sie das?
Sebastian Kurz: Ich glaube, dass wir im Bereich friedenserhaltende Maßnahmen eine starke Verantwortung haben. Und ich finde es gut, dass das auch im Regierungsprogramm festgeschrieben ist, dass wir ein gewisses Kontingent als Blauhelme stellen. Das ist ein wichtiges Signal. Zu Ihrem zweiten Punkt: Ich hätte es auch schön gefunden, wenn wir zu Ehren Mandelas hochkarätig besetzt gewesen wären, auch wenn der Bundespräsident einen wichtigen anderen Termin wahrnehmen musste. Ich habe daher an meinem ersten Tag als Außenminister als ersten Termin die südafrikanische Botschaft besucht, um mich im Kondolenzbuch einzutragen.

ÖSTERREICH: Ein brisantes außenpolitisches Thema, das auch Sie betreffen wird, sind künftige Beziehungen zum Iran. Wie stehen Sie dazu?
Sebastian Kurz: Ich finde es gut, dass mittlerweile eine Gesprächsbasis und ein scheinbarer Weg für eine Abrüstung vorankommen könnten. Ich verstehe aber gleichzeitig die Bedenken, die Israel hat. Und wir sollten – aus unserer historischen Verantwortung heraus – diese Bedenken stets sehr ernst nehmen.

Autor: I. Daniel

 

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel