Asyl-Krise

Notfallplan für Asyl-Lager läuft an

30.07.2014

Statt nach Traiskirchen kommen Asylwerber jetzt in Privatquartiere und Kasernen.

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70 bis 100 Flücht­linge pro Tag suchen um Asyl an: Wegen des Aufnahmestopps im Lager Trais­kirchen müssen sie jetzt woanders untergebracht werden. Tatsächlich verließen die Erstaufnahmestelle am Mittwoch bereits mehrere Busse in Richtung der neuen Quartiere. In ÖSTERREICH erklärt Innenministerin ­Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) jetzt ihren Notfallplan.

Pro Tag kommen bis zu 100 Asylwerber dazu

  • Neue Unterkünfte: Das Innenministerium werde neue Quartiere anmieten, so Mikl-Leitner und nennt als Beispiel Fieberbrunn in Tirol. Zusätzlich werden Gebäude des Ministeriums adaptiert.
  • Kasernen: Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) bietet einen Trakt der Hiller-Kaserne in Linz-Ebelsberg an. Hier kommen bis zu 100 Flüchtlinge unter, wenn das Innenressort die Räume adaptiert. Mikl sprach von einem „Sieg der Menschlichkeit“. Klug hat noch vier weitere Kasernen (siehe Kasten), die er verkaufen will. Allerdings will Mikl-Leitner ihrem Kollegen nichts bezahlen: Die Gebäude gehörten ohnehin dem Bund.
  • Notfalls Zelte: Im Notfall stünden auch Zelte des Roten Kreuzes zur Verfügung, so die Innenministerin.

Länder schaffen nur ­zögerlich nötige Quartiere
Wie lange es dauert, das Lager Traiskirchen von derzeit 1.400 wieder auf 480 Asyl­suchende herunterzubringen, ist offen, denn die Länder schaffen nur zögerlich Quartiere. Mikl-Leitner weist darauf hin, dass sich angesichts der Krisenherde (Syrien, Irak, Ukraine usw.) keine Entspannung abzeichnet.

Es könnte also durchaus gut sein, dass Asylwerber bald tatsächlich in Zelten unterkommen müssen.

G. Schröder

ÖSTERREICH sprach mit Mikl-Leitner über ihren Notfallplan

ÖSTERREICH: Sie dürfen keine Asylwerber mehr in Traiskirchen aufnehmen– wohin kommen die Neuankömmlinge?
Johanna Mikl-Leitner: Wir haben einen Notfallplan vereinbart, der jetzt anläuft. So werden wir bestehende Unterkünfte erweitern und neue anmieten, wie etwa in Fieberbrunn Tirol. Dazu kommen Quartiere in Liegenschaften des Ministeriums. Als äußer­sten Notfall könnten wir auf Zelte des Roten Kreuzes zurückgreifen. Aber nur im Notfall. Es wird kein Asylwerber auf der Straße stehen.

ÖSTERREICH: Wie sieht es mit Kasernen aus?
Mikl-Leitner: Ich habe Minister Klug die Kaserne in Linz-Ebelsberg vorgeschlagen. Ein Gebäudekomplex steht leer. Ich freue mich, dass es seitens des Ministers nun ein Angebot gibt, diese vorübergehend nutzen zu können. Das ist ein Sieg der Menschlichkeit.

ÖSTERREICH: Es stehen auch andere Kasernen leer. Klug würde diese an Sie verkaufen.
Mikl-Leitner: Die Liegen­schaften gehören ohnehin dem Bund. Für so etwas haben die Steuerzahler keinerlei Verständnis. Ich verstehe, dass Minister Klug diese Kasernen verkaufen will. Die Nutzung zur vorübergehenden Unterbringung von Kriegsflüchtlingen schließt einen Verkauf nicht aus.

(gü)

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