Politik-Insider
Fall Weißmann zieht fünf ORF-Chefs mit
01.05.2026
Von Belästigung über Mobbing bis Untreue: Die Vorwürfe gegen Ex-ORF-Spitzen eskalieren.
Der ORF dürfte keine „Schlangengrube“ mehr sein, sondern ein echtes „Haifischbecken“.
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Die Vorwürfe, die seit dem Fall Weißmann – der Ex-ORF-Chef wurde bekanntlich nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die er dementiert, gekündigt – ziehen jetzt mindestens fünf weitere frühere oder noch amtierende ORF-Chefs immer mehr mit in den Abgrund. Offensichtlich wolle „Weißmann nicht alleine untergehen“, mutmaßt ein ORF-Spitzenmann.
„Untreue“-Vorwurf gegen Strobl & Wrabetz
In seiner Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft – er hat die ORF-Mitarbeiterin, die ihn der sexuellen Belästigung bezichtigt wegen mutmaßlich illegaler Tonbandaufnahme und deren Anwalt wegen mutmaßlicher Erpressung angezeigt – hat Weißmann schließlich auch ein Gutachten über Ex-ORF-General Alexander Wrabetz und Noch-ORF-Manager Pius Strobl beigefügt.
Dieses wurde nun seitens des ORF auch den 35 ORF-Stiftungsräten zur Einsicht zur Verfügung gestellt. Zwei ORF-Stiftungsräte – der von der SPÖ nominierte Leonhard Dobusch und FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler – sehen in der Causa der Zusatzpensionszusage von Wrabetz an Strobl 2010 „mutmaßliche Untreue und Urkundenfälschung“. Vorwürfe, die beide Herren von sich weisen.
Die Debatte darüber wurde von Weißmann-Vertrauten – er ließ Gutachten via Kanzlei Brandl/Talos 2022 über den Pensionszusatz erstellen und bestritt die Ansprüche von Strobl – umgehend versucht zu lancieren. Auch das könnte – wechselseitig – vor Gericht landen.
60 ORFler gegen ORFIII-Chef Schöber
Ebenfalls lesen – auch wenn er eine einstweilige Verfügung und Klage dagegen eingebracht hat – konnten Stiftungsräte den Bericht über ORF 3-Chef Peter Schöber. Bis zu 60 ORF-Mitarbeiter kommen darin vor, die sich wegen „Bossing und Mobbing“ beschwert hatten. Schöber verdient mehr als die ORF-Direktoren. Wieso er „noch im Amt“ sei, wundert nicht nur Westenthaler.
Causa Ziegler holt ORF erneut ein
Noch nicht vorgelegt – aus „Schutz für die ORF-Mitarbeiter, die ausgesagt“ hatten – wurde hingegen das Dossier Robert Ziegler, das 2023 zu dessen Rückzug als Chefredakteur des Landesstudios NÖ geführt hatte. Hier geht es wohl mehr um politische Interventionen.
Auch Causa Prantner werde beantragt
Mehrere Stiftungsräte und auch die von ORF-Chefin Ingrid Thurnher eingesetzte Task Force dürften nun aber auch die Vorlage „sämtlicher früherer strittiger Vereinbarungen und Stillhalteabkommen“ fordern. Das betrifft auch den Stiftungsrat und Ex-ORF-Manager Thomas Prantner, der von FPÖ-Landeshauptmann Kunasek in den ORF entsandt wurde. Da da auch Gelder seitens des ORF geflossen sind, dürfte auch der Rechnungshof diesen bereits prüfen.
Millionen-Klagen und ein verheerendes Bild
Vor Gericht könnte sich auch Weißmann wiederfinden. Er klagt den ORF auf 3,9 Millionen Euro. Aber er dürfte auch von der ORF-Mitarbeiterin – sie will ORF und ihn zur Verantwortung ziehen– klagen. Strobl will wiederum seine Ansprüche – der ORF machte Rückstellungen von 2,4 Millionen Euro für ihn – vor Gericht einbringen. Während andere ihn angeklagt sehen wollen. Für den ORF wird das immer teurer und schädlicher.