Politik-Insider

Fall Weißmann zieht fünf ORF-Chefs mit

Von Belästigung über Mobbing bis Untreue: Die Vorwürfe gegen Ex-ORF-Spitzen eskalieren. 

Der ORF dürfte keine „Schlangengrube“ mehr sein, sondern ein echtes „Haifischbecken“.

Die Vorwürfe, die seit dem Fall Weißmann – der Ex-ORF-Chef wurde bekanntlich nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die er dementiert, gekündigt – ziehen jetzt mindestens fünf weitere frühere oder noch amtierende ORF-Chefs immer mehr mit in den Abgrund. Offensichtlich wolle „Weißmann nicht alleine untergehen“, mutmaßt ein ORF-Spitzenmann.

„Untreue“-Vorwurf gegen Strobl & Wrabetz

In seiner Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft – er hat die ORF-Mitarbeiterin, die ihn der sexuellen Belästigung bezichtigt wegen mutmaßlich illegaler Tonbandaufnahme und deren Anwalt wegen mutmaßlicher Erpressung angezeigt – hat Weißmann schließlich auch ein Gutachten über Ex-ORF-General Alexander Wrabetz und Noch-ORF-Manager Pius Strobl beigefügt.

Alexander Wrabetz

Alexander Wrabetz. 

© APA/ROLAND SCHLAGER

Dieses wurde nun seitens des ORF auch den 35 ORF-Stiftungsräten zur Einsicht zur Verfügung gestellt. Zwei ORF-Stiftungsräte – der von der SPÖ nominierte Leonhard Dobusch und FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler – sehen in der Causa der Zusatzpensionszusage von Wrabetz an Strobl 2010 „mutmaßliche Untreue und Urkundenfälschung“. Vorwürfe, die beide Herren von sich weisen.

Pius Strobl
© Tz Österreich
 

Die Debatte darüber wurde von Weißmann-Vertrauten – er ließ Gutachten via Kanzlei Brandl/Talos 2022 über den Pensionszusatz erstellen und bestritt die Ansprüche von Strobl – umgehend versucht zu lancieren. Auch das könnte – wechselseitig – vor Gericht landen.

60 ORFler gegen 
ORFIII-Chef Schöber

Ebenfalls lesen – auch wenn er eine einstweilige Verfügung und Klage dagegen eingebracht hat – konnten Stiftungsräte den Bericht über ORF 3-Chef Peter Schöber. Bis zu 60 ORF-Mitarbeiter kommen darin vor, die sich wegen „Bossing und Mobbing“ beschwert hatten. Schöber verdient mehr als die ORF-Direktoren. Wieso er „noch im Amt“ sei, wundert nicht nur Westenthaler.

peter schöber
© APA

Causa Ziegler holt ORF erneut ein

Noch nicht vorgelegt – aus „Schutz für die ORF-Mitarbeiter, die ausgesagt“ hatten – wurde hingegen das Dossier Robert Ziegler, das 2023 zu dessen Rückzug als Chefredakteur des Landesstudios NÖ geführt hatte. Hier geht es wohl mehr um politische Interventionen.

Robert Ziegler ORF
© ORF (Fotomontage)

Auch Causa Prantner werde beantragt

Mehrere Stiftungsräte und auch die von ORF-Chefin Ingrid Thurnher eingesetzte Task Force dürften nun aber auch die Vorlage „sämtlicher früherer strittiger Vereinbarungen und Stillhalteabkommen“ fordern. Das betrifft auch den Stiftungsrat und Ex-ORF-Manager Thomas Prantner, der von FPÖ-Landeshauptmann Kunasek in den ORF entsandt wurde. Da da auch Gelder seitens des ORF geflossen sind, dürfte auch der Rechnungshof diesen bereits prüfen.

Thomas Prantner
© oe24

Millionen-Klagen und ein verheerendes Bild

Vor Gericht könnte sich auch Weißmann wiederfinden. Er klagt den ORF auf 3,9 Millionen Euro. Aber er dürfte auch von der ORF-Mitarbeiterin – sie will ORF und ihn zur Verantwortung ziehen– klagen. Strobl will wiederum seine Ansprüche – der ORF machte Rückstellungen von 2,4 Millionen Euro für ihn – vor Gericht einbringen. Während andere ihn angeklagt sehen wollen. Für den ORF wird das immer teurer und schädlicher.

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