Raidl-Vorschlag
Ruf nach Ultimatum Heinz Fischers an die Regierung
Claus Raidl fordert, Bundespräsident Fischer solle den Regierungsparteien ein Ultimatum stellen und nötigenfalls die Regierung entlassen.
Claus Raidl, im Hauptberuf Chef des Milliardenkonzerns Böhler-Uddeholm und einst Berater von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Raidl war einer der dezidierten Anhänger der Großen Koalition nach den Wahlen 2006. Umso enttäuschter ist er nun über den Dauerstreit in der Regierung. In der ORF-Diskussion im ZENTRUM ließ Raidl seiner Enttäuschung freien Lauf und brachte auf den Punkt, was in den Parteien längst schon für wilde Spekulationen sorgt: Wie soll Bundespräsident Fischer in die Regierungskrise eingreifen?
Ultimatum des Präsidenten
Raidl fordert ein sehr
entschiedenes Vorgehen des Staatsoberhauptes. Fischer solle die Kanzler
Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer zu sich holen und ihnen
ein Ultimatum stellen. Sollten die beiden Parteien nicht binnen drei Wochen
zu einer gemeinsamen Linien für die drängenden Fragen des Landes finden,
dann solle der Präsident die Regierung schlicht entlassen, um damit einer
Lähmung des Landes vorzubeugen.
Fischer „unter Zugzwang“
SPÖ und ÖVP lassen Raidls
Vorschlag offiziell unkommentiert, der Präsident wird jedoch intern als
„unter Zugzwang“ beschrieben. Verfassungsrechtler Heinz Mayer über die
entscheidende Position des Präsidenten. „Mit dem Bewusstsein seiner
Möglichkeiten kann Fischer massiven Druck ausüben. Denn um die Regierung zu
entlassen, braucht Fischer keine fünf Minuten“, so Mayer.
WKÖ für Mäßigung
Für Mäßigung plädiert
dagegen Wirtschaftskammer-General Reinhold Mitterlehner. Für ihn sind
zunächst die Koalitionäre selbst am Zug, das allerdings mit Dringlichkeit:
„Es ist der Punkt erreicht, wo sich die Parteien zusammensetzen sollten, um
sich über die weitere Zusammenarbeit klar zu werden.“