Ex-FPÖ-Chef analysiert Machtkampf
Strache: ''Kickl war immer in der 2. und 3. Reihe''
Der ehemalige FPÖ-Chef Heinz Christian Strache spricht im Interview mit oe24-Chefredakteur Niki Fellner über den Machtkampf bei den Blauen. Darin gibt Strache eine Einschätzung ab, ob Kickl für die Wählerschaft zu polarisierend ist und verlautbart, ob ihn der Rücktritt Hofers überrascht hat.
Oe24.TV: Hat Sie der Rücktritt Hofers überrascht?
Heinz-Christian Strache: Es war mit Sicherheit überraschend – für Freund und Feind. Es dürften ja auch nicht mal seine engsten Vertrauten informiert gewesen sein. Normalerweise setzt man sich zusammen, bespricht die Situation und teilt seine Entscheidung mit. Das ist nicht passiert, deshalb war das sehr fragwürdig.
Oe24.TV: Aber jetzt läuft alles auf Kickl hin, oder?
Strache: Wir erleben natürlich eine Vorentscheidung für Herbert Kickl. Es liegt an den Gremien zu entscheiden: Ist man fähig, mit einem neuen Bundesobmann diese Intrigen, diese Spaltungsprozesse endlich dahingehend aufzulösen? Man hat den Eindruck, dass es da Kräfte gibt, die Kickl nicht wollen, das hat der Manfred Haimbuchner unlängst in sehr schroffen Worten gesagt.
Oe24.TV: Und Herbert Kickl ist zu polarisierend?
Strache: Ich glaube, Polarisierung ist wichtig, man muss ja herausarbeiten, was macht eine Bundesregierung falsch und welche anderen Positionen vertritt man selbst. Es geht aber auch darum, welcher Persönlichkeit man zutraut, über einen Kernwählerbereich von 7 bis 8 % hinaus zu wirken, damit man vielleicht in der Zukunft wieder 20 % überspringen will.
Oe24.TV: Und das trauen Sie Herbert Kickl zu?
Strache: Schwer einzuschätzen, denn Herbert Kickl hat ja bis dato nie den Schritt gesetzt, in eine erste Reihe zu wollen. Er war immer in der 2. oder 3. Reihe, aber immer der Marketing-Profi. Doch er hat jetzt als Klubobmann die Politik gemacht. Er hat klar Position ergriffen, in der Frage der Grund- und Freiheitsrechte. In der Frage einer Lockdown-Politik, die ja so massiv schädigend war für das Land. Da habe ich sonst niemanden in der Partei wahrgenommen. Ob es ihm dann auch gelingt, den nächsten Schritt zu gehen – das Zusammenführen, die Aussöhnung sicherzustellen – das wird man sehen. Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen, da gibt es zu viele Verwundungen. Es braucht jetzt Heilung.