Kickl: Von Haiders Helfer zur blauen Nummer 1

Ab morgen neuer FPÖ-Chef

Kickl: Von Haiders Helfer zur blauen Nummer 1

Nach 25 Jahren Strippenziehen tritt Kickl morgen in die 1. Reihe und wird FPÖ-Chef. 

Jetzt hat es Herbert Kickl selbst in der Hand. Als 13. Parteichef der FPÖ kann sich der 52-Jährige gebürtige Villacher mit Wohnsitz Purkersdorf (NÖ) nur noch – aus Angst vor ­einer innerparteilichen Machtprobe – selbst aus dem Spiel nehmen. Wahrscheinlich ist das nicht, Kickl ist – so hat es FPÖ-Insider Peter Westenthaler ja auf oe24.TV bereits gesagt – „nicht mehr zu stoppen“, morgen Montag fällt im FPÖ-Präsidium die Vorentscheidung dafür.

Strippenzieher

Die Regie in der FPÖ führt Kickl ohnehin schon lange – allerdings aus der 2. und 3. Reihe. Mitte der 90er war Kickl zum Team von Jörg Haider als Redenschreiber gestoßen. Der Philosophie-Student versorgte den Populisten Haider mit Sprüchen – der wohl umstrittenste war jener von „Ariel (Muzicant), der so viel Dreck am Stecken hat“. Kickl wurde unverzichtbar – doch als Haider 2005 die FPÖ sprengte, blieb er überraschend bei den Blauen.

Strache als Marionette an den Fäden Kickls

Ab da war es HC Strache, dem er diente, diesmal zwar ebenfalls aus der 2. Reihe – starker Mann war aber Kickl. Strache sei eben ein „nachhaltiges Produkt“, so Kickl vor Jahren im Gespräch mit ÖSTERREICH. Die SPÖ lancierte sogar ein Wahlkampf-Comic, mit einer Strache-Horrormarionette an Kickls Fäden.

Ministeramt als Belohnung

2017 dann die Belohnung für 12 Jahre treue Dienste: Strache machte seinen General zum Innenminister. Wer da eine staatstragendere Rolle erwartet hatte, wurde getäuscht: Kickl trieb eine rücksichtslose Asylpolitik, benannte Aufnahme- in „Ausreisezentren“ um, startete eine sündteure Pferdepolizei. sprich: Er blieb, wie er immer war – radikal.

Abgesetzt. Im Mai 2019 ist Kickl dann der allererste Minister der 2. Republik, der abgesetzt wurde – und zwar im Zuge des Ibiza-Skandals, an dem er gar nicht beteiligt war.

Extremere Linie?

FPÖ-Insider wollen da bei ihm eine Veränderung hin zu einer noch extremeren Linie bemerkt haben. Tatsächlich bleibt Kickl als Klubchef nicht hinter Parteichef Hofer – fährt seine eigene Anti-Corona-Linie und lanciert als wichtigstes Motto „Kurz muss weg“. Hier fallen persönliche Revanche-Gedanken gegen den türkisen Kanzler wunderbar mit seiner Parteistrategie zusammen.

Kein Wunder, dass Landespolitiker wie Manfred Haimbuchner Angst bekommen, mit der ÖVP nicht mehr zusammenarbeiten zu können. Extrem ist der verheiratete Vater eines Sohnes übrigens auch privat: Er klettert oft und gern im steirischen Gesäuse – und postet immer steilere Wände, die es zu erklimmen gilt. 



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