Politik
ZiB2-Star Thurnher als ORF-Chefin: "Kein Pardon bei Missständen"
12.03.2026Ingrid Thurnher ist seit Donnerstag interimistische ORF-Chefin - das erste Interview gab sie natürlich in der ZiB2.
Das ZiB2-Studio ist natürlich bekanntes Terrain für Ingrid Thurnher - zwölf Jahre lang moderierte sie die wichtigste News-Sendung des ORF. Klar, dass die frischgebackene interimistische ORF-Chefin eben in der ZiB2 am Donnerstagabend ihr erstes Interview gab. Die Fragen stellte ihr Nach-Nachfolger Martin Thür.
Thurnher hat gemischte Gefühle
Die Belästigungsaffäre rund um den inzwischen zurückgetretenen ORF-General Roland Weißmann erschüttert Österreichs größtes Medienunternehmen. Thurnher versprach bei Martin Thür, das Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen: "Ich sitze mit gemischten Gefühlen da, ich bin unglaublich stolz - aber es ist eine Herkules-Aufgabe, hier aufzuräumen."
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Wie es jetzt mit Weißmann weitergehe? "Bevor wir nicht ein klares Bild haben, kann man nichts machen. Hier hat die Compliance-Abteilung ganz viel zu machen." Es würden auch Experten von außen "völlig unbeeinflusst arbeiten können. Nur dann ist Transparenz zu erreichen. Und das ist das Wichtigste."
Völlige Offenlegung versprochen
Thurnher verspricht eine völlige Offenlegung der Vorgänge rund um Weißmann. Nur so könne das Vertrauen in den ORF wiederhergestellt werden.
Ob der ORF ein Sexismus-Problem hat? "Wie groß das Problem ist, werden wir uns ansehen. Unser Kapital ist das Vertrauen des Publikums. Das müssen wir uns wieder herstellen." Glauben manche Männer im ORF, sich mehr erlauben zu können? "Ich wehre mich dagegen, dass jetzt alle mitgemeint werden. Lassen Sie uns bitte ein klares Bild erstellen - und dann gibt es kein Pardon, hätte ich fast gesagt", so Thurnher.
Angesprochen auf die Pension Pius Strobls, sagte Thurnher: "Wenn das irgendetwas nicht in Ordnung ist, dann gibt es Konsequenzen."
Thurnher will sich anschauen, ob die Institutionen gut aufgestellt seien. "Wenn wir sehen, wir sind nicht gut organisiert, dann werden wir sofort nachlegen. Wie können alle ein sicheres Umfeld und wie können wir dem Publikum sagen, bei uns ist alles in Ordnung? Das ist unser allerwichtigstes Gut."
Ob Thurnher sich als ORF-Chefin und damit als ständige Nachfolgerin Weißmanns bewerben wird, ließ Thurnher offen. "Ich bin jetzt gerade mal 100 Stunden von der Causa informiert. Ich weiß es einfach nicht."