ORF-Stiftungsrat

Jetzt spricht Weißmann-Opfer: "Hatte Angst"

Im ORF-Stiftungsrat wurde Brief von ORF-Mitarbeiterin verlesen, die Weißmann als ORF-Chef zu Fall brachte

Am Donnerstag, um 14 Uhr stand zumindest eines fest: Ingrid Thurnher – bisherige ORF-Radiodirektorin – ist einstimmig beauftragte neue (interimistische) ORF-Generaldirektorin. Der ORF-Stiftungsrat begrüßte die 63-Jährige, die nach dem unfreiwilligen Rückzug von Roland Weißmann als ORF-Chef eine Schlammschlacht und Imageschaden aufräumen muss, mit Standing Ovations. Am Küniglberg geht es um #MeToo-Vorwürfe, Mobbing, Fehden, pikante Fotos, gefährliche Tonbandaufnahmen und Verflechtungen – um nur Ausschnitte des ORF-Melodramas zu nennen.

Strobl kontert mit Mobbing-Vorwürfen 

Mindestens zwei verfeindete Lager spürte man auch rund um die ORF-Stiftungsratssitzung, die am Donnerstag eben eilig eine kurzfristige Nachfolgerin von Weißmann einsetzen musste. Weißmann bestreitet die Vorwürfe. Seine Unterstützer sehen im langjährigen ORF-Manager Pius Strobl den angeblichen Mastermind hinter der Veröffentlichung der Vorwürfe. Strobl wiederum wehrt sich gegen diese Vorwürfe und wirft dem Umfeld von Weißmann Mobbing vor, die er diesem wiederholt gemeldet habe.

Die ORF-Stiftungsratssitzung am Donnerstag – also vier Tage nachdem publik wurde, dass eine ORF-Mitarbeiterin Weißmann sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte – drehte sich denn auch um die junge Frau.  

Betroffene Mitarbeiterin: "Soll nie wieder passieren"

Nicht zuletzt, weil im Stiftungsrat ein Brief der betroffenen Mitarbeiterin – ihr Anwalt hatte bekanntlich vor einer Woche ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze Material in Wort, Ton und Bild gegen Weißmann vorgelegt – vorgelesen wurde. Die ORF-Angestellte hatte diesen via ihren Anwalt an den ORF-Anwalt weitergeleitet und gebeten, diesen im Stiftungsrat zu verlesen. Ihre Motivation erklärt sie in dem Schreiben damit, dass sie gewollt habe, dass so etwas „nie mehr“ passieren dürfe. Sie habe so lange gebraucht – die mutmaßlichen Vorfälle seien 2022 geschehen – weil „ich Angst gehabt“ hatte. Frauen, die im ORF ähnliche Vorwürfe gegen andere erhoben hatten, seien entweder versetzt oder „gekündigt worden“. Daher habe sie sich nicht an interne Stellen gewendet. Tatsächlich sollen auch diese Fälle in einer ORF-internen Task Force jetzt aufgeklärt werden. Isabelle Daniel

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