oe24-Interview

Marko: "Ich hab mir nur gedacht: typisch Lauda!"

22.05.2026

In seinem Grazer Büro tüftelt Hotel-Boss Helmut Marko (82) an neuen Projekten (z. B. am Grünen See) und bleibt nebenbei am Puls der F1. Die nächsten Abende sind für Sprint (Sa., 18 Uhr), Qualifying (Sa., 22 Uhr) und GP in Montreal (So., 22 Uhr/alles live auf ServusTV) reserviert.

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»oe24: Herr Marko, schauen Sie sich noch immer alle Rennen und alle Trainings in der F1 an?
HELMUT MARKO: Alle Rennen und alle Grands Prix schau ich mir noch immer live an. Aber auf die Trainings kann ich nach dem ersten Desaster mit dem Energie-Management verzichten. Das hatte mit dem Formel-1-Racing von früher leider nichts mehr zu tun. Wobei das, wie wir in Miami gesehen haben, besser geworden ist.

oe24: Während ServusTV-Experte Christian Klien meinte, dass die Anpassungen funktionieren würden, ist für Lando Norris und Max Verstappen, die Dominatoren der letzten beiden Jahre noch viel zu wenig passiert ...
MARKO: Das stimmt schon. Aber ich fürchte, bis zum nächsten Jahr wird sich da nicht mehr sehr viel ändern. Dabei müsste man nur die Benzinzufuhr aufdrehen. Da würde sich gleich richtig was tun.

oe24: Wie man hört, will die Formel 1 mittelfristig wieder zu den Verbrennermotoren zurückkehren ...
MARKO: Ich glaub, es steht inzwischen fest, dass wieder V8-Zylinder-Autos kommen - mit einem gewissen KERS-Anteil (Energierückgewinnungs-System, d. Red.). Ich hoffe, das wird spätestens 2030 passieren.

oe24: Für Max Verstappen, der ja mit Rücktritt gedroht hat, könnte das zu spät sein. Fürchten Sie, dass er die Lust verliert?
MARKO: Man muss wie gesagt die Benzinzufuhr erhöhen und dem Verbrenner eine größere Gewichtung geben. Das lässt sich schnell adaptieren. Dann sehen wir gleich deutlich besseres Racing.

oe24: Wird das an der Mercedes-Dominanz etwas ändern?
MARKO: Die haben das beste Paket. Wenn die Updates jetzt auch noch funktionieren, ist die WM fast schon gelaufen.

oe24: Trauen Sie Kimi Antonelli schon heuer den Titel zu?
MARKO: Für ihn spricht die Lockerheit, mit der er unterwegs ist, gegen Russell die Nicht-Performance. Der muss jetzt in Kanada zurückschlagen. Andererseits hat Antonelli voriges Jahr bei den Europa-Rennen deutlich an Performance verloren.

oe24: Im Vorjahr jubelte Antonelli in Montreal als Dritter sein erstes F1-Podest. Was trauen Sie ihm mit dem neuen "Elektroauto" auf dem Stopp-and-Go-Kurs zu?
MARKO: Schaun wir einmal, wie das Wieder-Aufladen auf der langen Geraden funktioniert. Montreal hat immer wieder spektakuläre Rennen geliefert.

Niki Lauda hatte das Im-Kreis-Fahren satt ...

oe24: Niki Lauda hat Montreal gehasst - und dort 1979 seinen ersten Rücktritt erklärt, als er meinte, er habe das Im-Kreis-Fahren satt. Erinnern Sie sich noch an diesen Tag?
MARKO: Natürlich. Ich war nicht dort, aber ich wurde vom Schweizer Reporter Roger Benoit angerufen, der hat das offenbar als Erster erfahren und mir alles erzählt. Ich hab mir nur gedacht: typisch Lauda!

oe24: Haben Sie den 24-Stunden-Auftritt von Max Verstappen letzte Woche  verfolgt?
MARKO: Unglaublich! Alle Analysen bestätigen, was für ein Ausnahmekönner der Max ist. Teilweise war er zehn bis zwölf Sekunden schneller. Der Ausfall ist natürlich bitter.

oe24: Er will ja die 24 Stunden von Le Mans fahren und wie Sie gewinnen – wird er sich einen Rat bei Ihnen holen?
MARKO: Wir haben uns schon vor dem Nürburgring-Rennen lange über die Langstrecke unterhalten und sind im losen Austausch.