1.406 Werke gefunden

Die geheimen Bilder aus dem Nazi-Schatz

05.11.2013

Die Kunstwelt jubelt über den Nazi-Schatz. Der Dieb aber ist untergetaucht.

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© EPA
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Diese Entdeckung ist noch gewaltiger als vorerst angenommen: Wie die deutschen Behörden gestern erklärten, befinden sich unter den 1.406 bei Cornelius Gurlitt (80) gefundenen Werken sogar bisher völlig unbekannte Kunstschätze. Mit dabei: Ein Selbstporträt von Otto Dix und Gemälde von Henri Matisse und Marc Chagall. Und nicht nur Letzteres ist laut der Kunstexpertin Meike Hoffmann von „besonders hohem kunsthistorischen Wert“.

Behörden schwiegen 
monatelang über Fund
Aber auch wenn die Kunstwelt über den Jahrhundertfund jubelt: Beim Münchner Nazi-Schatz gibt es noch immer etliche offene Fragen:

  • Wo ist Cornelius Gurlitt? Bisher fehlt von dem 80-Jährigen jede Spur. Weder in seiner Münchner Wohnung, noch in seinem Haus in Salzburg wohnt er derzeit. „Ich habe ihn zum letzten Mal vor zwei Jahren gesehen“, erklärt sein österreichischer Nachbar Helmut Ludescher im Gespräch mit ÖSTERREICH. Der Augsburger Staatsanwalt Reinhard Nemetz erklärt dazu: „Wir haben keinen Kontakt zu ihm, aber es gibt auch keinen Haftbefehl.“ Ist Gurlitt vielleicht sogar schon gestorben?
  • Warum wurde der Kunstfund erst jetzt öffentlich? Schon im Februar 2012 wurde der Kunstschatz entdeckt, bis jetzt aber schwiegen die Behörden. Angebliche Begründung: Man wollte erst die Herkunft in Ruhe prüfen und dann an die Öffentlichkeit gehen. Haben die Behörden versucht, etwas zu vertuschen?
  • Was passiert jetzt mit den Bildern? Derzeit ist das noch völlig unklar. Möglich, dass die Gemälde an die Bundesrepublik Deutschland gehen oder sogar in Gurlitts Besitz bleiben. „In jedem Fall wird es sehr schwer werden, die Besitzer zu ermitteln“, erklärt Eva Blimlinger, Rektorin der Wiener  Akademie der bildenden Künste.

Warum wird Räuber-Haus nicht bewacht?

Vor mehr als 50 Jahren kaufte Cornelius Gurlitt das Haus in der Salzburger Carl-Storch-Straße und bisher weiß niemand, ob der heute 80-Jährige auch dort Kunstschätze versteckt hat. Was allerdings klar ist: Das marode Einfamilienhaus mit den heruntergelassenen Rollläden wurde bisher weder von der Polizei durchsucht, noch derzeit besonders vor Dieben geschützt.

Keine Maßnahmen. Auf ÖSTERREICH-Anfrage heißt es von der Landesdirektion Salzburg: „Es gibt kein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland. Wir sehen keinen Grund für besondere Maßnahmen.“

D. Müllejans

 

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