Mega-Kunstschatz: Es sind 1406 Werke

Ermittler packen aus

Mega-Kunstschatz: Es sind 1406 Werke

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121 gerahmte und 1285 ungerahmte Bilder wurden bei dem Österreicher Gurlitt gefunden.

Bei dem spektakulären Kunstfund in München in der Wohnung des Österreichers Cornelius Gurlitt sind auch bisher völlig unbekannte Meisterwerke entdeckt worden. Die Sammlung sei von außerordentlicher ästhetischer Qualität und großem wissenschaftlichem Wert, sagte die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Augsburg. Mehrere Bilder berühmter Avantgarde-Künstler wie Otto Dix oder Marc Chagall waren nach ihren Worten bisher gänzlich unbekannt und nicht in Werkverzeichnissen erfasst.
 

Nazi-Kunstschatz entdeckt

Bernhard Kretschmar: "Straßenbahn", undatiertes Aquarell

Wilhelm Lachnit: "Mann und Frau am Fenster", Aquarell, 1923

Erich Fraaß: "Mutter und Kind", Aquarell, 1922

Wilhelm Lachnit: "Mädchen am Tisch", Aquarell, 1923

Otto Griebel: "Die Verschleierte", Aquarell, 1926

Fritz Maskos: "Sinnende Frau", Druckgrafik, 1922

Christoph Voll: "Sprengmeister Hantsch", Zeichnung, 1922

Ludwig Godenschweg: "Weiblicher Akt", undatierte Druckgrafik

Théodore Rousseau: "Vue de la vallée de la Seine", undatierte Zeichnung

Ludwig Godenschweg: "Männliches Bildnis", undatierte Druckgrafik

Christoph Voll: "Mönch", Aquarell, 1921

Otto Griebel: "Kind am Tisch", undatiertes Aquarell

Otto Dix: "Dame in der Loge", Aquarell, 1922

Honoré Daumier: "Don Quichote und Sancho Panza", Gemälde, um 1865

Eugène Delacroix: "Conversation mauresque sur une terrasse", undatierte Bleistiftzeichnung

Auguste Rodin: "Etude de femme nue debout, les bras relevés, les mains croisées au-dessus de la tête", undatierte Zeichnung

Otto Dix: "Dompteuse", Aquarell, 1922

Bonaventura Genelli: "Männlicher Akt", undatierte Zeichnung

Carl Spitzweg: "Das Klavierspiel", Zeichnung, um 1840

Hans Christoph: "Paar", Aquarell, 1924

Conrad Felixmüller: "Paar in Landschaft", Aquarell, 1924

"Löwenbändiger", Max Beckmann, 1930, Gemälde aus Zandvoort, im Werkverzeichnis enthalten.

Selbstbildnis rauchend, Otto Dix - bisher unbekannt, vermutlich um 1919. Damit ist es laut Kunst-Expertin Meike Hoffmann eines der ganz wenigen Werke, die Dix gleich nach dem Ersten Weltkrieg malte.

Allegorische Szene, Marc Chagall. Gouache, nicht im Werkverzeichnis enthalten, Herkunft nicht eindeutig bestimmt.

"Melancholisches Mädchen", Ernst Ludwig Kirchner. Farbholzschnitt mit Motiv eines Mädchens, Herkunft: Kunsthalle Mannheim. In dieser Farbigkeit war die Druckgrafik Kirchners bisher nicht bekannt.

Farblithographie von Otto Dix, bislang unbekannt. Die Herkunft kann nicht eindeutig nachgewiesen werden. In der Sammlung sind mehrere Grafiken von Dix enthalten, die im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" beschlagnahmt wurden.

Sitzende Frau, Henri Matisse. Das Bild dürfte Mitte der 1920er Jahre entstanden sein. Es wurde 1942 vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg in einem Banktresor im französischen Libourne beschlagnahmt.

Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, Druckgrafik, 1751/1800

"Dorfmädchen mit Ziege", Gustav Courbet. Von dem Bild gibt es zwei Versionen, die beide im Werkverzeichnis deklariert sind. Das beschlagnahmte Bild wurde laut Hoffmann erst 1949 auf einer Auktion versteigert. Das Bild geriet also erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sammlung Gurlitt.

Max Liebermann: "Reiter am Strand", Gemälde, 1901

Kunsthistorikerin Meike Hoffmann vor einem Gemälde aus der Sammlung

Kunsthistorikerin Meike Hoffmann vor einem Gemälde aus der Sammlung

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Münchner Nazi-Schatz umfasst auch bislang unbekannte Meisterwerke - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Pressekonferenz-in-Augsburg-zum-Muenchner-Nazi-Schatz-id27628647.html

Es handle sich nicht nur um Werke der klassischen Moderne, sondern auch um deutlich ältere Bilder, sagte Hoffmann. Auch Bilder des 19. Jahrhunderts seien dabei gewesen. Das älteste Werk stamme aus dem 16. Jahrhundert. Die Werke seien "von ganz außerordentlicher Qualität", sagte Hoffmann. Die Bilder entdeckt zu haben, sei "natürlich ein unheimliches Glücksgefühl". Die Einzelforschung zu den einzelnen Künstlern werde davon sehr profitieren. Hoffmann rechnet damit, dass die Ermittlungen, bei welchen Bildern es sich um Raubkunst handelt, noch lange andauern werden.

Die Wohnung des 79-jährigen Cornelius Gurlitt in München-Schwabing war am 28. Februar 2012 durchsucht worden und nicht bereits 2011. Dies stellte der Leiter des Zollfahndungsamts München, Siegfried Klöble, klar, ohne allerdings den Namen Gurlitt zu nennen. Die Ermittler stießen in einem Raum auf die Bilder. "Die Gemälde waren in diesem Raum fachgerecht gelagert und in einem sehr guten Zustand", sagte Klöble. Hoffmann ergänzte, die Bilder seien zum Teil verschmutzt gewesen, aber nicht beschädigt.

Gerahmte und ungerahmte Bilder
Nach Angaben des Augsburger Oberstaatsanwalts Reinhard Nemetz beschlagnahmten die Behörden 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder. Darunter befanden sich Werke von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann, Dix, Kokoschka, Schmidt-Rottluff, Toulouse-Lautrec und Kirchner. Zum geschätzten Wert der Sammlung machte er keine Angaben. Das Gemälde "Löwenbändiger" von Max Beckmann sei noch vor der Durchsuchung versteigert worden. Die Gemälde seien derzeit nicht in einem Depot in Garching bei München gelagert, sondern anderswo untergebracht. Der Ort wird geheim gehalten. Die Fotos der Werke sollen nicht online gestellt werden, sagte Nemetz. Denn dies könnte die Interessen von Anspruchsberechtigten verletzen.

Kontrolle im Zug - dann kam der Falls ins Rollen
Auf die Spur der Bilder kamen die Ermittler nach einer Personenkontrolle am 22. September 2010 in einem Schnellzug von Zürich nach München. Dabei ergab sich der Anfangsverdacht einer Steuerstraftat. Ermittelt wird auch wegen möglicher Unterschlagung. Anders als spekuliert worden war, gehen die Ermittler nicht davon aus, dass Gurlitt noch ein zweites Lager hatte.

Das gilt offenbar auch für ein ungepflegt und unbewohnt wirkendes Haus, das Gurlitt im Salzburger Stadtteil Aigen besitzt. "Von den deutschen Behörden hat sich noch niemand bei uns gemeldet", sagte Marcus Neher, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, auf Anfrage der APA. "Bei der Staatsanwaltschaft Salzburg liegt nichts gegen den Mann vor." Allerdings hat die deutsche Justiz vor knapp zwei Jahren die Salzburger Kollegen mit der Bitte um Ermittlungen gegen Gurlitt wegen eines Finanzvergehens kontaktiert. "Dabei ist es um Kunsthandel gegangen, nicht um illegale Kunstwerke", erklärte Neher. Dem Ersuchen sei aufgrund der geschilderten Verdachtslage nicht entsprochen worden. "Bei den Schilderungen hat es für uns keinen Hinweis darauf gegeben, dass das ein strafgerichtlicher Tatbestand wäre. Es handelte sich um ein Finanzvergehen, das nicht in die Zuständigkeit des Landesgerichtes fällt", erläuterte Neher. "Seither ist niemand mehr mit einer anderen Verdachtslage an uns herangetreten."

 

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Nach dem Fund der spektakulären Kunstsammlung in der Münchner Wohnung des Österreichers Cornelius Gurlitt  äußert sich heute erstmals die Staatsanwaltschaft. Bei der Pressekonferenz in Augsburg spricht auch die renommierte Kunstexpertin Dr. Meike Hoffmann von der Forschungsstelle "Entartete Kunst" der Freien Universität Berlin. Sie hat die Werke der Sammlung untersucht und präsentiert nun erste Erkenntnisse.

+++ Bei Gurlitt wurden 121 gerahmte und 1285 ungerahmte Bilder entdeckt +++ Der Aufenthaltsort des Österreichers ist unbekannt +++ Unter den Kunstwerken auch bislang unbekannte Bilder namhafter Künstler +++ Haus in Salzburg noch nicht durchsucht +++ Ältestes Werk aus dem 16. Jahrhundert +++

Wir berichten hier jetzt LIVE aus Augsburg.



11:43 Uhr: Die Pressekonferenz ist jetzt beendet.

11:41 Uhr: Erbschaft wird überprüft
Den Besitz kann man juristisch zwar vererben, nicht aber das Eigentum. Daher wird auch geprüft, ob Gurlitt die Sammlung von seinem Vater rechtmäßig bekommen hat.

11:37 Uhr: Wie geht es weiter?
Gurlitt muss nun der Staatsanwaltschaft Augsburg beweisen, dass er der rechtmäßige Eigentümer der 1406 Werke ist. Das nennt sich juristisch "Beiweislast-Umkehr".

Haus von Kunstsammler Gurlitt in Salzburg

11:32 Uhr: Auktionshäuser werden überprüft
Alle Auktionen zur Modernen Kunst der letzten Jahrzehnte werden nun überprüft. Das betrifft einen Zeitraum von 70 Jahren.

11:27 Uhr: Wieviele Picassos?
Bilder von Picasso sind nicht dabei - wohl aber eine Zeichnung und zwei Druckgrafiken des wohl bekanntesten Malers aller Zeiten.

11:23 Uhr: Werden die Bilder gezeigt?
Der Leiter der Staatsanwaltschaft bleibt hart: "Die beschlagnahmten Werke werden der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht".

11:18 Uhr: Wo ist Gurlitt?
Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Nemetz, wiederholt: Bislang habe sich kein weiterer Kontaktbedarf zu Cornelius Gurlitt gestellt. Einmal wurde er zu dem Fall einvernommen. Dann konnte er wieder gehen.

11:09 Uhr: Wie wurden die Bilder gelagert?
Die gerahmten Bilder waren in Regalen wie in einem Kunst-Depot fachmännisch untergebracht. Die ungerahmten Bilder befanden sich in einem Schubladen-Kasten.

11:02 Uhr: Verfahren läuft noch..
Cornelius Gurlitt wurde bislang einmal einvernommen. Jetzt wird geprüft, ob er angeklagt wird. Für diesen Fall wird dann erst wieder seitens der Staatsanwaltschaft Augsburg Kontakt mit ihm aufgenommen. Derzeit stellt sich diese Frage aber nicht.

© oe24
Mega-Kunstschatz: Es sind 1406 Werke

(Screenshot N24), Der Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg und die Expertin Dr. Hoffmann

11:00 Uhr: Zustand der Werke
Die Expertin betont noch einmal, dass alle Bilder in einem guten Zustand sind.

10:56 Uhr: Wurde Gurlitt beschattet?
Dazu äußert sich der Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg nicht.

10:53 Uhr: Dokumente beschlagnahmt
Gurlitt führte Listen mit Werken, die er verkauft hat. Diese haben die Ermittler beschlagnahmt. Gurlitt hat übrigens keinen Anwalt bislang kontaktiert.

10:49 Uhr: Gurlitts Salzburger Haus...
Der Sammler besitzt - wie ÖSTERREICH bereits berichtete - ein Haus im noblen Salzburger Stadtteil Aigen, das noch nicht durchsucht wurde. "Es gibt zur Zeit kein Verfahren dazu". Gurlitts soll das Anwesen seit mehr als 40 Jahren besitzen.

10:48 Uhr: Expertin: "Es war sehr emotional"
Dr. Hoffmann sagt, alle Werke seinen in einem sehr guten Zustand. Der Fund sei aus wissenschaftlicher Sicht sehr bedeutend.

10:45 Uhr: Keine Angaben zu Gurlitt
Der Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg will sich nicht zuu seiner Person äußern. Er beantwortet auch nicht die Frage, ob Gurlitt überhaupt noch lebe.

10:41 Uhr: Rechtmäßige Eigentümer werden gesucht
Laut Staatsanwaltschaft München werde man die Bilder nicht online stellen. Vielmehr hoffe man, dass sich die Eigentümer vermisster Bilder meldet.

10:40 Uhr: Warum der Fund so lange verschwiegen wurde?
Vor über zwei Jahren bereits wurden die Bilder konfisziert. Erst jetzt wurde der Fall publik. Dazu sagt der Leiter der Augsburger Staatsanwaltschaft: "Wir wollten zunächst die Herkunft der Bilder ermitteln. Das war schwierig".

10:36 Uhr: Cornelius Gurlitt untergetaucht
Laut den Ermittlern ist derzeit nicht bekannt, wo sich der Österreicher Gurlitt, bei dem die Kunstwerke entdeckt wurden, aufhält.

10:32 Uhr: Unbekanntes Dix-Selbstporträt kommt zum Vorschein
Jetzt wird ein bislang vollkommen unbekanntes Selbstporträt von Otto Dix gezeigt. Die Experten datiert es um das Jahr 1919. Die Expertin: "Die Nachforschungen zu den anderen Werken werden noch lange dauern".

10:28 Uhr: Auch bislang unbekannte Werke entdeckt
Der Münchener Kunstschatz, der bei Gurlitt gefunden wurde, ist weitaus bedeutender als bisher angenommen: Auch bislang nicht bekannte und nicht im Werkverzeichnis registrierte Werke namhafter Künstler kamen zum Vorschein. Jetzt wird recherchiert, was genau das für Werke sind - für die Wissenschaft einmalig!

10:25 Uhr: Expertin kommt zu Wort
Meike Hoffmann, Experten der Forschungsstelle "Entartete Kunst" stellt einige der Werke vor. Es handelt sich auch um Kunstwerke des 16. bis 19. Jahrhunderts. Man können also daher nicht durchweg von "entarteter Kunst" sprechen. Jetzt werden per Beamer einige Bilder gezeigt.

10:21 Uhr: Jetzt spricht der Zoll:
Siegfried Klöble vom Zollfahndungsamt München: "Die Bilder waren alle in einem sehr guten Zustand, als wir sie bei der Wohnungsdurchsuchung fanden!.

10:17 Uhr: Das sind die Bilder:
121 gerahmte und 1285 ungerahmte Kunstwerke wurden in der Schwabinger Wohnung von Cornelius Gurlitt beschlagnahmt.

10:15 Uhr: Es geht los...
Reinhard Nemetz, Leiter der Augsburger Staatsanwaltschaft, eröffnet die Pressekonferenzt
 

10:00 Uhr: Der Medienandrang ist enorm. Über 100 Journalisten belagern den Saal 179 im dritten Stock des Strafjustizzentrums in Augsburg.

Hier wurden der Mega-Kunstschatz entdeckt

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