Opfer aus Österreich

Junge Wienerin wurde von Epstein missbraucht

29.04.2026

Eines von Hunderten Opfern des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ist laut Recherchen des ORF aus Österreich gekommen. 

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 Die Frau habe demnach mehrere Jahre lang intensiven Kontakt mit dem Amerikaner gehabt. In der Zeit zwischen 2011 und 2013 sei sie "verbal und physisch" missbraucht worden, gab sie gegenüber dem ORF an, wie dieser am Mittwoch berichtete.

Epstein, der 2019 in Haft Suizid beging, soll zahlreiche junge Frauen, darunter auch Minderjährige, sexuell missbraucht und zum Teil an Bekannte weitergegeben haben. Er hatte ein weit verzweigtes Netzwerk geknüpft und Kontakt zu zahlreichen prominenten Personen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gehabt.

An einem seiner Wohnsitze, einer Wohnung in Paris, sei es laut ORF auch zu dem Kontakt mit dem österreichischen mutmaßlichen Opfer, das anonym bleiben will, gekommen. Die Frau habe 2011 bei der Pariser Niederlassung einer großen Anwaltskanzlei gearbeitet und so Epstein kennengelernt. Sie hatte damals vor, nach dem Sammeln von praktischer Erfahrung in ihrer Branche in Frankreich in die USA zu ziehen.

 

Die Infografik zeigt verschiedene Österreich-Aspekte im Fall Epstein. Sie thematisiert einen gefälschten österreichischen Reisepass, der 2019 bei einer Razzia gefunden wurde, und nennt Orte mit Epstein-Bezug wie Montafon, Zürs und Wien. Es werden Kontakte zu Epstein aufgeführt, darunter zwei österreichische Mathematiker und eine Herausgeberin. Die Grafik weist darauf hin, dass das Erwähntwerden in den Akten kein Hinweis auf eine Straftat ist. Quelle: APA.

 

 

Kontakt über Russin

Der ORF wertete laut eigenen Angaben Hunderte E-Mails aus, die den Kontakt zwischen Epstein und seinem mutmaßlichen Opfer belegen. Epstein versprach demnach, sie in ihrer juristischen Karriere zu unterstützen. Er erzählte ihr, er habe großen Einfluss an den amerikanischen Eliteuniversitäten, und viele der von ihm geförderten Frauen seien dort aufgenommen worden. "Meine Mandantin ging davon aus, dass Epstein ihr durch seine Empfehlung und seine Kontakte ebenfalls zu einer Zulassung verhelfen würde", wird die amerikanische Anwältin der Frau, Brittany Henderson, zitiert.

Die erste Begegnung fädelte demnach eine etwa gleichaltrige Arbeitskollegin aus Moskau ein. Sie soll eine jener Frauen gewesen sein, die dem Sexualstraftäter seine jungen Opfer vermittelte. Der Anwalt der Russin meinte gegenüber dem ORF, auch diese selbst sei Opfer von Epstein gewesen. Laut den ORF-Recherchen übte der Amerikaner auch immer mehr Druck auf die Wienerin aus, dass auch sie Mädchen und junge Frauen für ihn rekrutieren sollte. Ein Verhalten, das der Multimillionär häufig an den Tag legte.

 

Die Infografik zeigt eine Auswahl bekannter Personen, die in den Epstein-Akten genannt werden. Sie sind in die Kategorien Royals, Politik und Wirtschaft unterteilt. Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell werden als Sexualstraftäter aufgeführt. Zu den Royals zählen Andrew Mountbatten-Windsor und Mette-Marit von Norwegen. In der Politik werden unter anderem Bill Clinton, Donald Trump und Thorbjorn Jagland genannt. In der Wirtschaft erscheinen Elon Musk, Bill Gates, Richard Branson und Thomas Pritzker. Quelle: APA.

 

 

Wienerin weigerte sich, andere Frauen zu rekrutieren

Die Österreicherin weigerte sich aber, ihm weitere Frauen zuzuführen. Das zeige sich auch deutlich in der Kommunikation der beiden. "Epstein hat sie sexuell und physisch missbraucht", so ihre Anwältin zum ORF. Trotzdem schrieb sie ihm immer wieder, ob er sie nicht dennoch sehen wollen würde. Weil sich die Wienerin geweigert habe, seinen Forderungen nachzukommen, habe Epstein den Kontakt 2013 abgebrochen, sagte ihre Anwältin dem ORF.

Immer wieder habe Epstein sein Image nach Darstellung der Wienerin durch die Bekanntschaft mit einflussreichen und berühmten Menschen dazu benutzt, um sich selbst als noch bedeutender darzustellen.

Retraumatisierung durch Veröffentlichung der Epstein-Files

Durch die Veröffentlichung der Akten des Sexualstraftäters durch das amerikanische Justizministerium, das zahlreiche Identitäten von Betroffenen offenlegte, fühlt sich die Wienerin retraumatisiert. Viele Opfer brachten deshalb bereits eine Sammelklage gegen die US-Regierung ein.

Die Österreicherin sehe sich laut dem ORF zudem einer Flut von Hass im Netz gegenüber. Sie erlebe zahlreiche Online-Attacken. "Infolgedessen wird meine Mandantin nicht nur dazu gezwungen, das Trauma des Missbrauchs, den sie vor Jahren erlitten hat, erneut zu durchleben und wieder zu erfahren - ein Missbrauch, den sie noch nicht vollständig verarbeitet hat -, sondern sie wurde auch systematisch erneut zum Opfer gemacht", so die Anwältin.

Arbeitgeber droht mit Kündigung

Die Betroffene gab zudem an, dass sie nun auch mit beruflichen Konsequenzen zu leben habe. Ihr aktueller Arbeitgeber drohe ihr mit einer Kündigung. Die Veröffentlichung "hatte aus unverständlichen Gründen zur Folge, dass meiner Mandantin nun die unmittelbar bevorstehende Kündigung angedroht wird, wenn sie nicht einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses zustimmt", hieß es in einer Stellungnahme an den ORF von der Wiener Anwältin, die die Frau in arbeitsrechtlichen Belangen vertritt.

Ihr Arbeitgeber wollte sich zu "Arbeitsverhältnissen oder persönlichen Angelegenheiten einzelner Personen grundsätzlich" nicht äußern.